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Icon   Aghet – Film über den Genozid am armenischen Volk

Die Katastrophe

Steffen Reiche • 08. April 2010

Die armenische Hauptstadt Eriwan mit dem Berg Ararat, Foto: artnaz (cc)
Die armenische Hauptstadt Eriwan mit dem Berg Ararat, Foto: artnaz (cc)

Dieser erste Völkermord des 20. Jahrhunderts ist drei Generationen her. Die türkische Regierung, die nach 1918 ins Amt kam, hat die jungtürkische Vorgämger-Regierung, die den Völkermord organisierte, damals in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Viele Parlamente und Regierungen haben in den vergangenen Jahren diesen Genozid verurteilt. Aber die heutige türkische Regierung leugnet den Völkermord noch immer. Die Lüge über das, was damals geschah, gehört seit Kemal Atatürk noch immer zur türkischen Staatsräson. Aber solange der Völkermord von dem Volk geleugnet wird, deren Urgroßväter die Täter waren, sind die Erinnerung und das Gedenken nachhaltig gestört und Versöhnung kann nicht stattfinden.

Das große Verdienst des Films "Aghet" vom NDR ist, dass er die Akten von damals zum Sprechen bringt und die Fotos, die damals von verschieden Personen gemacht wurden, zeigt. Mit präziser Analyse und großer Filmkunst zeigt er, wie bis heute wirkt, was damals geschah. Von vielen wurde in den vergangenen Jahren filmisch versucht, das Unfassbare, den Mord an fast 1,5 Millionen armenischen Christen, zu zeigen. Doch noch keinem ist es wie Regisseur Eric Friedler und seinem Team gelungen, so dicht, so klar und so überzeugend das Vergangene und seine bis heute anhaltende Wirkung zu zeigen.

Eindringlich, aber nicht anklagend

Friedler ist es gelungen, viele von Deutschlands besten Schauspielern zu überzeugen, Akten, Berichte und Erinnerungen aus jener Zeit so vorzutragen, als wären sie die Person von einst. Friedler zeigt auch, wie die Schauspieler in ihre jeweilige Rolle hineingehen. Insofern bleibt immer klar, dass nur der Text original ist. Ohne jede Theatralik gewinnen so die Texte in Person und Sprache der Schauspieler ihre Macht und Kraft von einst wieder.

"Aghet" klagt nicht an, aber die Fakten die er zeigt, werden so eindringlich dargestellt, dass man sich nicht vorstellen kann, dass die Regierung eines zivilisierten Landes die Leugnung des Aghet bis zum 100. Gedenktag fortsetzen kann.

Hitler hat diesen ersten Genozid als Vorbild und Beruhigung genutzt, als er seinen Generälen auf dem Obersalzberg nach klaren Anordnungen zum Umgang mit den Juden sagte: "Wer redet heute noch von den Armeniern? So wie die deutschen Christen bewusst das jüdische Volk eliminieren wollten, so die türkischen Moslems das christliche armenische Volk, denen sie das Scheitern im Krieg mit Russland, dem christlichen Nachbarn anlasteten."

Besondere Verantwortung der Deutschen

Wir Deutschen sind aus mindestens drei Gründen in besonderer Verantwortung. Die kaiserliche Regierung wollte ihren Bündnispartner Türkei im Ersten Weltkrieg nicht "choramieren" und hat deshalb trotz heftigster Vorhaltungen des eigenen Botschafters, der dann abgelöst wurde, und von Pfarrer Johannes Lepsius nicht interveniert. Zum anderen leben mit uns in Deutschland weit über eine Million Türken, von denen die meisten bis heute den Genozid leugnen.

Zum dritten müssen wir auch durch unsere Erfahrung im Umgang mit einem Völkermord deutlich machen, dass die Türkei natürlich erst dann Mitglied der EU werden kann, wenn der Völkermord nicht mehr geleugnet wird. Man stelle sich nur vor, Deutschland würde den Genozid am jüdischen Volk, die Schoah, leugnen. Wir könnten nicht Teil der Völkergemeinschaft sein.

"Aghet" geht vom Fernsehen in die Kinos, er sollte aber in den nächsten Jahren insbesondere in den SPD-Ortsvereinen von Großstädten mit türkischer bzw. muslimischer Bevölkerung auch gemeinsam gesehen und diskutiert werden.

Aghet - ein Völkermord
Dokumentarfilm Deutschland 2009/2010
Buch und Regie: Eric Friedler

Freitag, 9. April 2010, 23:30 Uhr, DasErste
Dienstag, 13. April, 20:15 Uhr, Phoenix - mit anschließender Diskussion

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