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Icon   Was macht... Niels Annen?

"Von Guido Westerwelle hört man hier in Washington nichts."

Karsten Wenzlaff • 06. April 2010

Foto: Carsten Raum/pixelio
Foto: Carsten Raum/pixelio

vorwärts.de - Herr Annen, Sie sind nicht mehr im Bundestag, aber Sie sind auch noch zu jung, um schon in Rente gehen. Wo kann man Sie im Augenblick treffen?

Im Moment im Büro des German Marshall Funds in Washington DC.


Warum fiel die Wahl auf den German Marshall Fund?

Nachdem ich nicht wieder für den Bundestag aufgestellt worden, bin hat mir der German Marshall Fund angeboten, als Senior Resident Fellow für ein halbes Jahr in die USA zu gehen. Dieses Angebot habe ich nach kurzem Überlegen sehr gerne angenommen.

Welche Themenbereiche bearbeiten Sie als Senior Resident Fellow?

Viele der Themen, mit denen ich im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages zu tun hatte, beschäftigen mich auch heute noch. Das gilt für den Nahen Osten ebenso wie für die Lage in Afghanistan, ein Thema das nach dem von Präsident Obama eingeleiteten Strategiewechsel in Washington weiterhin eine wichtige Rolle spielt.

Zudem beschäftige ich mich mit der Zukunft der transatlantichen Beziehungen und schaue mir dabei zur Zeit gerade die Debatte um ein neues strategsiches Konzept der NATO etwas genauer an.


Sind Sie froh über die Chance, nochmal sich beruflich zu orientieren und raus aus dem Berliner Politikbetrieb zu sein, oder noch immer etwas schwermütig über die Umstände aufgrund der fehlgeschlagenen Nominierung in Ihrem Wahlkreis?

Also wer mich kennt der weiß, dass ich nie schwermütig gewesen bin. Aber natürlich ist es auch kein Geheimnis, das ich gerne noch einmal für den Bundestag kandidiert hätte.

Auf der anderen Seite genieße ich die Arbeit in Washington, ich habe die Gelegenheit viele interessante Menschen kennenzulernen, die eigenen Ideen mit Vertretern von Think Tanks, Universitäten, Regierungsvertretern und Diplomaten zu diskutieren und intensiv an inhaltlichen Themen zu arbeiten.

Wer einmal im Bundestag saß, der weiß, dass die Hektik des Alltagsgeschäfts dies normalerweise nicht zulässt.

Stichwort Afghanistan: Die SPD hat intensiv über Ausstiegsszenarien diskutiert - was denken Sie über das Afghanistan-Papier?

Als Mitglied im Parteivorstand habe ich an diesem Thema ja intensiv mitgearbeitet, bevor ich nach Washington abgeflogen bin. Ich war auch bei vielen Gliederungen der SPD zu Gast, um über Afghanistan zu diskutieren.

Ich glaube, dass diese offene Debatte der SPD gut getan hat. Politisch bin ich überzeugt davon, dass wir hier den richtigen Weg gegangen sind, denn jetzt einfach alles stehen und liegen zu lassen, das hätte weder den Menschen in Afghanistan geholfen, noch wäre die Glaubwürdigkeit der SPD dadurch gestiegen.


Wenn Sie Guido Westerwelle und Frank-Walter Steinmeier als Außenminister vergleichen, was sind da die wichtigsten Unterschiede?

Der wichtigste Unterschied scheint mir zu sein, dass Guido Westerwelle zwar zum Aussenminister ernannt worden ist, er aber im Gegensatz zu Frank-Walter Steinmeier bisher noch nie Aussenminister war.


Welche Sicht auf die deutsche Außenpolitik hat die amerikanische Regierung - sieht man dort eher Kontinuiät durch Angela Merkel? Wie wird der neue Außenminister dort wahrgenommen?

Von Gudio Westerwelle habe ich hier noch nichts in der Zeitung gelesen, aber Angela Merkel ist natürlich eine sehr päsente und auch anerkannte Persönlichkeit. Allerdings hat es zu ihrer Haltung zu Griechenland auch an der einen oder anderen Stelle Stirnrunzeln gegeben.

Mir ist zudem aufgefallen, dass in den letzten Wochen erstaunlich häufig positive Artikel über Deutschland erschienen sind. Viele Amerikaner stellen sich die Frage wie es eigentlich kommt, dass wir so relativ gut aus der Krise gekommen sind. Die Kurzarbeit ist ein Thema, dass von den Experten sehr interessiert zur Kenntnis genommen worden ist und der U.S. Kongress hat mit dem "Cash for Clunkers"-Programm ja sogar die deutsche Abwrackprämie übernommen.


Und zum Schluss: Haben Sie einen Geheimtipp für Washington-Besucher? Was sollte man sich unbedingt mal angucken abseits der üblichen Tourismusecken am Lincoln Memorial, beim Kongress und am Weißen Haus?

Im Moment sollte man auf jeden Fall zum Cherry Blossom-Festival gehen, die vielen Kirschblüten sind fast so schön wie die in meiner Heimatstadt Hamburg.

Gibt es einen SPD-Politiker oder eine SPD-Politikerin, von der Sie gerne wüssten, was er oder sie jetzt macht? Der vorwärts recherchiert gerne für unsere Kategorie: "Was macht....". Schreiben Sie einfach einen Vorschlag an news@vorwaerts.de

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