Artikel (Archiv) > Der Neo-Nazi in meinem Haus

Hauptinhalt

Artikel (Archiv)

Übersicht

Icon   Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.

Der Neo-Nazi in meinem Haus

Anna Weber • 17. March 2010

Screenshot: online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de
Screenshot: online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de

"Ich mache mir immer mehr Gedanken um meinen kleinen Bruder. Seit einiger Zeit verbringt er seine Freizeit nur noch mit diesen Neonazis aus unserem Ort", liest man in einem der vielen Berichte von Betroffenen. Beim Verein "Gegen Vergessen - Für Demokratie" haben sie einen Anlaufpunkt gefunden. Seit eineinhalb Jahren bietet dieser eine kostenlose Online-Beratung gegen Rechtsextremismus an.

Scham und Schweigen

"Springerstiefel plus Glatze ist gleich Neonazi - ganz so einfach ist es heute nicht mehr", bestätigt Martin Ziegenhagen, einer der Berater des Vereins. "Eltern können, wenn sie wachsam sind, rechtsradikale Tendenzen ihrer Kinder aber weiterhin recht eindeutig erkennen - am Verhalten." Doch wie sollen Eltern oder Freunde reagieren, wenn sie diese Tendenzen feststellen? "Es ist wichtig, dem Kind gegenüber die eigene politische Überzeugung deutlich zu machen. Also nicht nur, wogegen man ist, sondern vor allem wofür", rät der Diplom-Pädagoge Ziegenhagen.

Doch viele Jugendliche sind für diese Gespräche nicht offen. "Mein Sohn lässt überhaupt nicht mit sich reden. Ich versuche es immer wieder, aber er reagiert nur noch aggressiv und geht mir aus dem Weg," schreibt eine betroffene Mutter. Um mit dieser schwierigen Situation umgehen zu können, hilft es, sich Rat bei anderen Betroffenen und Experten zu holen. Doch viele schämen sich und haben Angst davor, das Problem publik zu machen. "Wir versuchen, die Menschen da abzuholen, wo sie stehen", erklärt Birgit Luig, die zweite Beraterin des Teams. "Wir schließen eine Lücke, für die, die sich nicht vor Ort beraten lassen wollen oder können." Die Beratung erfolgt anonym.

Individuelle Beratung

Über 70 Betroffene werden zurzeit betreut. Sie können sich per E-Mail an das Beratungsteam wenden und erhalten innerhalb von drei Tagen eine Antwort. Außerdem werden Gespräche in Einzelchats angeboten. Neben diesen individuellen Beratungsmöglichkeiten steht auch ein Gruppenchat zur Verfügung. Alle drei Wochen tauschen sich hier Angehörige von Rechtsextremen aus.

Beide Betreuer des Projekts geben an, durch ihre Arbeit in der Realität gelandet zu sein. "Durch die individuelle Beratung ist mir klar geworden, wie weit die Rechtsextremen tatsächlich in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen sind. Wir bekommen Anfragen aus fast jedem Bereich", so Luig. Auch Ziegenhagen erklärt: "Wir sind schon ganz schön an der Grenze unserer Kapazitäten."

Betroffene, die Hilfe suchen, können sich gerne unter online-beratung-gegen-rechtsextremismus.de melden.

Inhalt rechte Spalte

 

Hauptinhalt 2

Buchtipp

Econ Verlag

Icon Rezension; Rudolf Hickel: „Zerschlagt die Banken"

„Zerschlagt die Banken"

Icon Rezension; Hans-Christian Jasch: „Staatssekretär Wilhelm Stuckart und die Judenpolitik"

Massenmord, geplant von Beamten

Icon Kathrin Hartmann: "Wir müssen leider draußen bleiben"

Von der Politik über den Tisch gezogen

Icon Rezension; Alexander Dill: „Gemeinsam sind wir reich"

Mehr Sozialkapital

Interview

Eren Güvercin

Icon Eren Güvercin im Interview

„Ich habe nie ein Identitätsproblem gehabt“

Icon Interview mit Frank Mentrup

Lust auf den Wechsel

Icon Interview mit dem Deutsch-Iraner Omid Pouryousefi

"Viele haben die Nase voll"

Icon Interview mit Katja Kullmann

„Dann ist da diese andere europäische, große Idee, die wir Sozialdemokratie nennen“

Veranstaltung

vorwärts-Fest in Bayern

Icon vorwärts-Fest

„Der Wandel in Bayern hat angefangen!“

Icon Buchvorstellung

Naziverbrecher ohne Reue

Icon Fotoausstellung im Willy-Brandt-Haus

Das kulturelle Gesicht Afghanistans

Icon Bildungspolitik

Gleiche Chancen für alle?

Kolumne

Icon Willst du mit mit (wählen) gehen?

Das Allerletzte von Martin Kaysh

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Icon Abzug aus Afghanistan

Global gedacht von Rafael Seligmann

Icon Notiert von Uwe Knüpfer

Berliner Tagebuch

Filmtipp

 „Genug der Farce“, sagt sich Monsieur Demanet.

Icon Film der Woche: Kill me please

Selbstmord inklusive

Icon Film der Woche: Die Vermissten

Mit dem Rücken zum Nichts

Icon Film der Woche: Medianeras

Wir sind die Stadt

Icon Film der Woche: Ufo In Her Eyes

„Ein ideologischer Schrottplatz“