7xJung
Öffnungszeiten: ab 10. Juni Donnerstag bis Sonntag 14 bis 18 Uhr. Halbtagsprogramm mit kulturpädagogischer Begleitung werktags von 9 bis 13 Uhr, nur mit Anmeldung.

ausstellung@gesichtzeigen.de
www.7xjung.de
www.gesichtzeigen.de
Vier Bänke stehen in dem großen Raum, gewöhnliche Parkbänke wie es scheint, schon etwas verwittert. Die Farbe nicht mehr ganz frisch. An jeder pinnt ein Foto – das wieder eine Bank zeigt. Auf der ersten verlangt ein hingeschmiertes Graffito „Türken raus“, auf der zweiten steht „Islam raus“. Auf der daneben hat sich ein Hund zusammengerollt, über ihm ist zu lesen: „Nur für Arier“.
Die vierte fotografierte Bank ist von einer jungen Frau besetzt, die ihr Gesicht verbirgt. Die Worte hinter ihr verraten, warum sie das tut: „Nur für Juden“ steht da.
Die vier Bänke sind exemplarisch für eine neue Ausstellung, die etliche Schulklassen schon besuchen konnten und die ab Juni öffentlich zugänglich ist: „7x Jung – Dein Trainingsplatz für Zusammenhalt und Respekt“ wurde entwickelt vom Verein „Gesicht zeigen! – Für ein weltoffenes Deutschland“, der sich gegen Rassismus und für Toleranz einsetzt.
7x Jung ist eine Ausstellung über den Nationalsozialismus. Aber eine ungewöhnliche. „Wir haben vorbereitend mit vielen Experten darüber gesprochen, wie man junge Leute erreichen kann und alle haben gesagt: Ihr müsst sie in ihrer Welt abholen“, sagt Sophia Oppermann, eine der beiden Geschäftsführerinnen von „Gesicht zeigen“.
as Ergebnis ist unter dem S-Bahnhof Bellevue zu besichtigen. In sieben Räumen mit Themen wie „Meine Familie“, „Mein Sport“ oder „Meine Musik“ treffen die Tabus, die Gewalt, die Menschenverachtung der NS-Herrschaft auf das Heute. Keine sepiafarbenen Fotos und Dokumente, sondern viel Platz und dazwischen zum Beispiel ein zerstörtes Kinderzimmer mit Ikea-Möbeln, die vermutlich viele Besucher selbst zu Hause haben. Und die ein Gefühl vermitteln, was es bedeutet, wenn jemand brutal in das eigene Heim eindringt. Die Ausstellungsmacher haben viel Fantasie bewiesen und bieten den jungen Besuchern Platz viel nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen und Ausprobieren. Das Schicksal eines jüdischen Ladenbesitzers ist in der Eiskarte einer nachgebauten Konditorei nachzulesen.
Im Bänke-Raum hängt ein riesiges Foto von einem Jungen, der sich in einem Gebüsch verbirgt. Was macht er da, warum versteckt er sich? Seit März stellen sich Schulklassen diese und viele weitere Fragen, erkunden die sieben Themen-Räume in Workshops. 7xJung ist geeignet für Schüler zwischen zwölf und 17 Jahren.
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