Zukunftsfelder Ostdeutschland

Dass Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zukunftsträchtige Branchen haben, machte der Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Länder, Bundesminister Wolfgang Tiefensee während einer Pressekonferenz in Berlin deutlich. Er stellte die Studie „Zukunftsfelder in Ostdeutschland“ vor.

Wegzug sei nicht zu verhindern

„Blühende Landschaften“ versprach Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl den Bewohnern der neuen Bundesländer. Heute wird die Zukunftsvision, die dem Osten Prosperität und wirtschaftliches Wachstum verspricht, müde belächelt. Die Studie „Zukunftsfelder in Ostdeutschland“, die Wolfgang Tiefensee beim Hanseatic Institute for Entrepeneurship and Regional Developement der Universität Rostock in Auftrag gab und die den Auftakt zur gleichnamigen Konferenzreihebildet, lässt jedoch hoffen. Mit dem vorhandenen Potenzial könnten die neuen Bundesländer die Herausforderungen der Globalisierung durchaus bewältigen, darin war man sich einig. „Die Konkurrenz zwischen den Regionen nimmt allerdings zu“, führte Marion Eich-Born vom Hanseatic Institute aus. Und „Gewerbe mit einem hohen Personalkostenanteil sind immer in der Gefahr wegzubrechen“, ergänzte Tiefensee. Der Wegzug sei nicht zu verhindern, schließlich können die Grenzen nicht zu und die Globalisierung rückgängig gemacht werden. Weitere Probleme lägen in steigenden Primärenergiekosten, Importabhängigkeit und im Klimawandel begründet. Erschwerend kämen der demographische Wandel und die Abwanderung Hochqualifizierter hinzu. „Dennoch existieren Zukunftsmärkte, die von den neuen Bundesländern bedient werden.“, erklärte der Minister. Das Ziel sei eine stabile Wirtschaftsstruktur.

Bitterfeld – Solar Valley des Ostens

„Neue Branchen versprechen ein nachhaltiges Beschäftigungswachstum“, pflichtete Eich-Born bei. Davon gäbe es einige, unter anderem sind die Biotechnologie und die Gesundheitsforschung zukunftsträchtig. Glänzend vertreten seien die neuen Länder auch im Sektor der Erneuerbaren Energien. Allein beim Sektor „Windkraft“ kann ein Zuwachs von 28,5 Prozent verzeichnet werden und Bitterfeld gelte aufgrund der Wachstumszahlen als das „Solar Valley“ Ostdeutschlands. Die Solarbranche schaffe 2000 bis 2500 Arbeitsplätze. Dies sei „Aufbau Ost“ wie er sich ihn wünsche, freute sich der Minister. Auch bei den Standorten gäbe es eindeutige Sieger: Berlin, Jena und das Dresdener Umland erwirtschaften Gewinne. „Förderung muss auf die Zukunftsfelder gerichtet werden“, appellierte der Bundesminister. Dabei werden auch die Länder in die Pflicht genommen, Gelder auf bestimmte Branchen zu konzentrieren. „Clustermanagement“ laute das Schlagwort.

Studie muss nicht wie Bibel auf dem Tisch liegen

Dennoch gibt es florierende Gewerbe, die in dieser Studie keine Eingang gefunden haben: Automobilindustrie sowie Luft und Raumfahrt. Dies ist auch dem Minister aufgefallen.

„Die Studie muss nicht wie eine Bibel auf dem Tisch liegen“, gab Tiefensee zu bedenken. Es ginge nicht um ein „Entweder-Oder“. Politik sei gut beraten, sich nicht ausschließlich auf die genannten Branchen zu konzentrieren. Bleibt zu hoffen, dass die zukunftsfähigen Gewerbe zu den einst versprochenen blühenden Landschaften führen.

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