vorwärts.de: Zwischen dem 19. und 21. März findet der Juso-Kongress „Links 2010“ statt. Was sind die Themen?
Franziska Drohsel: Auf dem Kongress wollen wir uns die Situation junger Menschen genauer ansehen. Aus unserer Sicht gibt es drei große Phänomene mit denen Jugendliche, unabhängig von ihrem konkreten Milieu, zu kämpfen haben. Unsichere Lebensverhältnisse, also unsichere Jobs, sind das eine. Außerdem spüren Kinder und Jugendliche schon sehr früh einen enormen Leistungsdruck. Der führt teilweise zu psychischen Problemen und dazu, dass junge Leute nicht das Gefühl haben neben ihrer Ausbildung noch irgendetwas anderes machen zu können. Das dritte große Problem ist, dass immer mehr Jugendliche sich sozial ausgegrenzt fühlen. Sie haben sehr früh das Gefühl, dass sie an dieser Gesellschaft nicht teilhaben.
Welche Rolle spielt das Papier, das ihr vor dem Kongress verabschieden werdet?
Darin formulieren wir, was aus unserer Sicht die derzeitigen Probleme sind. Es soll ein Auftakt zur Diskussion sein. Zu dem Kongress haben wir Vertreter von verschiedenen Jugendorganisationen eingeladen, mit denen wir diese Fragen diskutieren und Lösungsvorschläge erarbeiten wollen. Danach würden wir unser Papier überarbeiten und gegebenenfalls anpassen.
Und dann?
Ziel ist es, das Papier zunächst im gesamten Verband und auf dem Bundeskongress zu diskutieren. Danach wollen wir unsere Positionen in die Partei und auch zum Parteitag tragen. Die SPD hat viele Jungwähler verloren. Sie muss sich auch, was den Jugendbereich angeht, erneuern. Unsere Aufgabe ist es, Impulse zu setzen. Auf Basis des Papiers können wir sagen, wo sich die inhaltliche Programmatik der Partei ändern und wo sich die Art und Weise des Politikmachens wandeln sollte.
Geht es um eine allgemeine Leitlinie oder um konkrete Punkte?
Um eine Kombination. Wir haben konkrete Forderungen daraus abgeleitet, dass junge Menschen unter einem nicht akzeptablen Leistungsdruck stehen. Wir wollen eine Re-Regulierung von Arbeitsverhältnissen. Das heißt z.B. kein Missbrauch von Praktikums-Verhältnissen. Gleichzeitig geht es um gesellschaftliche Phänomene, die sich nicht mit einer einzelnen Forderung lösen lassen. Die gesellschaftliche Grundstimmung müsste sich ändern. So sollte beispielsweise klar sein, dass junge Leute zum Erwachsenwerden Freiräume brauchen um sich zu fragen, wo sie stehen und was sie wollen.
Beim Kongress wird es einen „Talk der Arbeiterjugend“ geben. Was bedeutet Arbeiterjugend im Jahr 2010?
Als Jusos sehen wir uns in der Tradition der Arbeiterjugend und der Arbeiterbewegung. Die gesellschaftliche Situation ist zwar eine andere als zur Zeit der Gründung der Sozialdemokratie. Doch es ist wichtig, seinen Ursprung zu kennen und sich zu fragen, was es heute heißt, sozialistische Politik zu machen.
Was sagen Sie Jugendlichen, warum sie sich bei den Jusos engagieren sollten?
Ich würde sie fragen ob sie der Meinung sind, dass in unserer Gesellschaft alles gut läuft. Wenn sie nicht der Meinung sind, lohnt es sich, sich dafür einzusetzen, etwas zu ändern. Und dafür sind die Jusos ein guter Ort. Wir können einerseits versuchen, auf die Partei und auf das Parlament Einfluss zu nehmen und auf der anderen Seite auch Aktionen und Demonstrationen auf der Straße zu organisieren. Ich fand es als 16-Jährige immer gut, auf mehreren Ebenen aktiv zu sein.
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