Initiative zur Altersteilzeit Weniger arbeiten – aber bis zur Rente

von Susanne Dohrn - 29.07.2009
Arbeitsminister Olaf Scholz will es. Die SPD will es. Union und Arbeitgeber blockieren. Es geht darum, die geförderte Altersteilzeit bis 2015 zu verlängern. Warum diese Inititative? Der „vorwärts“ hat nachgefragt.

Das erste Lob kam von der IG Metall: „Angesichts der bevorstehenden beschäftigungspolitischen Probleme dürfen wir nicht tatenlos zusehen, sondern müssen alle Möglichkeiten nutzen“, kommentierte deren Vorsitzender Berthold Huber den Vorschlag von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz, die geförderte Altersteilzeit um weitere fünf Jahre bis 2015 zu verlängern. Die Förderung der Altersteilzeit sei ein wirkungsvolles Arbeitsmarktinstrument, dass es zu nutzen gelte, sagte Huber weiter: „Die Blockadehaltung der Arbeitgeber und der Union hilft da nicht weiter.“ 

 
Die Verlängerung wird auch im SPD-Regierungsprogramm 2009 gefordert: „Die von der Bundesagentur für Arbeit geförderte Altersteilzeit werden wir bis 2015 verlängern, wenn ein Unternehmen eine frei werdende Stelle mit einem Auszubildenden oder Ausbildungsabsolventen neu besetzt.“  
 
Warum kommt dieser Vorstoß  jetzt?
 
Arbeitsmarktpolitik muss flexibel reagieren. In Zeiten der Krise ist es wichtig, dass eine Beschäftigungsbrücke gebaut werden kann: Ältere Arbeitnehmer bekommen mit dem Vorschlag von Olaf Scholz die Gelegenheit, nach einem langen Berufsleben etwas kürzer zu treten und Junge bekommen die Chance zum Einstieg. Das hilft Betrieben und Beschäftigten. Im Vergleich zur bisherigen Regel soll aber besser dafür gesorgt werden, dass auch tatsächliche Einstiege ins Berufsleben organisiert werden. Deshalb will Arbeitsminister Olaf Scholz, dass geförderte Altersteilzeit nur bewilligt werden kann, wenn gleichzeitig Auszubildende übernommen werden. Das verhindert, dass junge Arbeitnehmer nach ihrer Ausbildung auf der Straße stehen. 
 
Was wird gefördert?
 
Ein Arbeitnehmer, der in Altersteilzeit geht, kann seine Stundenzahl ab Vollendung des 55. Lebensjahres auf 50 Prozent reduzieren, bekommt seinen Lohn oder sein Gehalt aber auf 70 Prozent vom Arbeitgeber aufgestockt. Im Falle der Förderung werden diese 20 Prozent von der Bundesagentur für Arbeit übernommen. Es gibt zwei Modelle: Das Blockmodell, bei dem der Arbeitnehmer die ersten Jahre voll arbeitet und die letzten Jahre gar nicht, aber weiterhin bezahlt bekommt. Dieses Modell wird von 90 Prozent der Arbeitnehmer genutzt. 10 Prozent reduzieren ihre Arbeitszeit sofort, bleiben dafür aber bis zur Rente.  
 
Wie passt Altersteilzeit zum demografischen Wandel?
 
Derzeit gehen die Deutschen durchschnittlich mit 63 Jahren in Rente. Das ist ein Jahr später als 1996. Noch tun viele Arbeitgeber nicht genug, um ihre Beschäftigten bis zur Rente zu halten. „Wir brauchen die kommenden fünf Jahre, um den Arbeitsmarkt demografiefest zu machen“, sagt deshalb Detlef Scheele, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit. Dazu gehören z.B. Weiterbildungen und neue Fördermodelle, die älteren Beschäftigten, wo notwendig, einen Jobwechsel ermöglichen. 
 
Was kostet die Verlängerung?
 
Derzeit kostet die Altersteilzeit etwa 1,3 Milliarden pro Jahr. Eine Verlängerung würde „deutlich weniger“ kosten, denn der Fördertatbestand wird auf die Übernahme von Auszubildenden reduziert, so Scheele.  
 
Was bringt das für den Arbeitsmarkt?
 
„Gerade in der jetzigen Krise wäre es am besten für den Arbeitsmarkt, wenn die Beschäftigten ihre Arbeitszeit im Rahmen echter Altersteilzeit sofort reduzieren würden,“ sagt Detlef Scheele. Außerdem entspräche dies den demographischen Anforderungen am besten. Auch die gewünschte Solidarität unter den Generationen wird sofort wirksam. Die Übernahme der Auszubildenden greift sofort.

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