Erstmals wurde die von der Wissenschaft empfohlene Zwei-Grad-Celsius-Obergrenze für die globale Erwärmung von der Staatengemeinschaft als Leitlinie für alle Klimaschutzbemühungen akzeptiert. Insofern gibt es nun ein Ziel, „aber die Wege dorthin bleiben im Dunkeln,“ wie Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung, bedauernd feststellt. Die Konferenzteilnehmer hätten wieder einmal nur Zeit verloren, weil sie den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen hätten, schimpft der Vorsitzende des Weltklimarates, der Inder Rajendra Pachauri.
Nächste Chance in Bonn nutzen
Die vertane Gelegenheit wie die verlorene Zeit gilt es nun auf den Folgekonferenzen im Mai in Bonn und im November in Mexiko wettzumachen. Hier könnte Bundeskanzlerin Angela Merkel, gestützt auf das Bonner UN-Klimasekretariat, auch beweisen, dass sie solche schwierigen Zusammenkünfte besser vorzubereiten und zu steuern versteht als der von vielen wegen seines Ungeschicks getadelte Däne Rasmussen.
Es ehrt den SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel, dass er das Kopenhagener Ungenügen nicht der Bundeskanzlerin anlastet. Für ihren Einsatz auf dem Klimagipfel gebühre ihr vielmehr der Respekt auch der Opposition. Wird Angela Merkel nicht mehr als engagierte politische Vorkämpferin für den Klimaschutz anerkannt, wird bald auch Deutschlands Vorreiterrolle auf diesem Feld in der EU in Zweifel gezogen.
Laut Christoph Bals von German Watch haben die beiden Hauptemissionsmächte China und die USA eine derart defensive und passive Haltung auf der Konferenz eingenommen, dass gegen diese beiden Bremser kaum anzukommen war. Allein die EU hätte sich noch in die Bresche werfen können, aber auch sie füllte die Lücke nicht aus. Es ihr fehlte offensichtlich ein großer Regisseur, wie ihn Kommissionspräsident Jacques Delors auf der legendären Rio-Konferenz 1992 noch darstellen konnte.
Weg vom Prinzip Klingelbeutel im Klimaschutz
Bei den Kopenhagener Unverbindlichkeiten kann und darf die Welt aber nicht stehenbleiben. Denn summiert man die bisher vorliegenden Klimaschutzangebote aller Länder auf, so bewegen wir uns Schellnhuber zufolge auf eine drei bis vier Grad wärmere Welt mit kaum mehr beherrschbaren Risiken zu. Es kann auch nicht bei dem Prinzip des Klingelbeutels im Klimaschutz bleiben, in den jeder nur so viel hineinwirft, wie es ihm beliebt. Das könnte den US-Amerikanern mit ihrem Rekord-Prokopf-Ausstoß von 19 Tonnen CO2 jährlich gerade so passen.
Vielmehr wäre es gerecht, allen Menschen die gleichen Emissionsrechte zuzugestehen, die sich in der Summe gerade noch mit Zwei-Grad-Celsius-Leitplanke für die Erderwärmung vereinbaren lassen. Daraus würden sich für die einzelnen Nationen „Kohlenstoffkredite“ errechnen, die die großen Verbraucher durch Zukauf aufstocken und die die Geringemittenten durch Verkauf zu Geld machen könnten. Das ist der Vorschlag des Wissenschaftlichen Beirates für Globale Umweltveränderungen (WBGU), der auch unter Fachleuten der Drittweltländer Anklang findet.
Nicht an der Kohle klebenbleiben!
Keine Nation sollte derweil auf der Stelle treten und auf globale politische Lösungen warten. Für die Bundesrepublik hat es sich bisher gelohnt, Vorreiter auf dem Weg zu einem klimaverträglichen Wirtschaften zu sein. Der EU hat ihre politische Schrittmacherrolle bisher auch nicht zum Schaden gereicht. Sie könnte es sich zum Ziel setzen, ihre Energie im Jahre 2050 ausschließlich aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Das ist technisch machbar und finanzierbar. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst!
Selbst die Amerikaner haben sich bei allem politischen Zögern in Washington auf diesen Weg gemacht. Vielleicht lässt sich ein Wettlauf in diese Richtung organisieren. Wer zu lange an der Kohle hängt, bleibt möglicherweise am Ende mit dem Schwarzen Peter in der Hand zurück. Auch die Drittweltstaaten, die glauben, dass sie noch viel Recht auf schwarzen Rauch haben, werden nicht diejenigen sein, die zuletzt und am Besten lachen.
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