In eigener Sache vorwaerts.de mit Kachingle-Micropayment-Tool

von Karsten Wenzlaff - 30.04.2010
Seit zwei Tagen gibt es auf vorwaerts.de in der rechten Spalte einen kleinen Button von Kachingle. Der vorwärts-Verlag geht damit neue Wege der Finanzierung von redaktionellen Inhalten.

Dass das traditionelle Geschäftsmodell von Verlagen in den letzten Jahren unter Druck gekommen ist, ist sicherlich kein Geheimnis mehr. In den Redaktionen und Geschäftsleitungen der Verlage gibt es daher schon seit einiger Zeit, eine Debatte, wie man zusätzlich zu Online-Werbung Einnahmen generieren kann, zum Beispiel durch Pay-Walls, Online-Abos oder kostenpflichtige Apps, die eingesetzt werden.

 

Eine spannende Lösung bieten Micro-payment, Social-Payment- oder Micro-Fundraising-Dienste. Leser können sehr kleine Beiträge spenden, sogar Cent-Beträge und müssen nicht gleich ein Abo für mehrere Euros kaufen.

Im Augenblick gibt es zwei Anbieter von Micropayment-Diensten: Kachingle und Flattr. Auf der re:publica vor zwei Wochen wurden diese Modelle intensiv diskutiert. Bei beiden Diensten zahlt der Leser einen monatlichen Betrag (zum Beispiel 5 US-$) ein und kann dann im Laufe des Monats diesen Beitrag auf beliebig viele Seiten verteilen.

 

Es gibt einige Unterschiede zwischen beiden Diensten - ein guten Überblick gibt "Kachingle und Flattr - ein Systemvergleich." Aus Sicht der Nutzer wohl am ehesten, dass ein Kachingle-Nutzer einmal seine Unterstützung für eine Seite per Klick zum Ausdruck bringt und danach bei jedem Besuch der Seite seine Wertschätzung registriert wird, während bei Flattr jeder einzelne Artikel "geflattert" werden muss, damit der Anbieter etwas erhält.

 

Ob durch Micropayment hohe Einnahmen zu erzielen sind, das wissen wir nicht - natürlich besteht ein wenig das klassische Henne-und-Ei-Problem - braucht man zuerst viele Anbieter von Inhalten oder viele Nachfragen von Inhalten, damit sich ein System durchsetzt.

Aber aus Sicht des vorwärts-Verlages ist es gar nicht der wichtige Aspekt, der Micropayment so spannend machen. Kachingle symbolisiert sehr gut das Prinzip der Social Reputation - d.h. ein Leser zeigt über eine Mini-Spende an, das er einen gewissen Artikel oder ein Video oder ein Bild besonders gut und unterstützenswert findet.

Daher werden wir gemeinsam mit den technischen Entwickeln von Kachingle und Flattr auch daran arbeiten, dass wir die Zahlungsströme sehr genau den einzelnen Autoren auch zuordnen können, um zum Beispiel Ortsvereinen, spannende Projekte freien Redakteuren oder Gastautoren auch einen Teil der Einnahmen weitergeben zu können.

 

Wir haben jetzt erstmal den Kachingle-Button eingebaut und werden eventuell auch Flattr einbauen, wenn wir technisch soweit sind. Wir sind erstmal gespannt, wie dieses Micropayment-Experiment ausgeht und beobachten damit auch, wie der Rest der Blogosphäre reagiert. Wir werden regelmäßig veröffentlichen, wieviel Geld eingenommen wurde.

 

Und wir sind als Verlag natürlich auch an Eurer Meinung interessiert: wie findet Ihr diese Tools und wie kann man den Einsatz der Tools noch verbessern?

 

Hintergrundinformationen

Bezahlmodelle von Zeitungen

Generelle Überlegungen zum Micropayment

Über Kachingle

Weitere deutschsprachige Kachingle Nutzer

 

Über Flattr

 

 

 

 

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Falltr inaktiv

Bild von daburna

Ihr müsst mal euer Flattr-Konto aufladen. Ein inaktiver Button ist nicht nur hässlich, sondern zeigt auch, dass die technische Wartung beim Vorwärts eher langsam ist.

Ist schon gemacht ;-)

Danke für den Hinweis!

Kachingle & vorwaerts.de

Bild von Ansgar Warner

Kachingle & vorwaerts.de passen wirklich gut zusammen, die Idee des Crowdfundings hat ja einen ur-sozialdemokratischen Touch. Zumal es um eine Online-Zeitung geht, hinter der eine große Community steht, die genossenschaftlichen u.ä. Modellen gegenüber aufgeschlossen sein dürfte. Gesellschaftliche Gegenmacht zu Kapital und Konzernen hat sich immer schon durch eine Art Micropayment der Massen finanzieren müssen. Vielleicht springen jetzt auch gewerkschaftliche Medien auf diesen Zug auf!? Höchste Zeit wäre es. Der Trend in Richtung Bezahlschranken & Paywalls macht sonst aus dem öffentlichen Gut namens Internet einen immer exklusiveren Club.

Ach ja, und übrigens, was die Liste der Kachingler betrifft: E-Book-News versteht sich nicht als "Blog über elektronische Literatur", sondern als ein Online-Magazin rund um das Thema Elektronisches Lesen ;-)

Mit Kachingle und Flattr können Sie den Online-Journalismus auf vorwaerts.de unterstützen (wie das funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel).

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