Elke Holst, Anita Wiemer: Frauen in Spitzengremien großer Unternehmen weiterhin massiv unterrepräsentiert (pdf), Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Wochenbericht Nr. 4/2010.
Grafik: Kaum Frauen in Vorständen unter www.boeckler.de
Mehr Informationen zum Thema Chancengleichheit im Arbeitsleben unter www.boeckler-boxen.de/1124.htm

Der Gender-Index misst die Chancengleichheit oder -ungleichheit von Frauen und Männern in Ihrer Region. Er ist das erste bundesweite Messinstrument zum regionalen Vergleich der Gleichstellung von Frauen und Männern! www.gender-index.de/was-ist-der-index.html
In den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen liegt derzeit der Frauenanteil bei 2,5 Prozent. "Das sind 21 Frauen bei insgesamt 833 Sitzen", sagt Elke Holst. Sie hat für das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung den Frauenanteil an Spitzenpositionen in Deutschland untersucht.
Das Ergebnis: Spitzenpositionen in großen deutschen Unternehmen werden eindeutig von Männern dominiert. Im Topmanagement der 100 umsatzstärksten Firmen sank der Frauenanteil von 1,3 Prozent auf 0,9 Prozent. In Zahlen bedeutet das: vier von 441 Führungsposten waren der Auswertung des DIW zufolge mit Frauen besetzt. Einzige Frau im Vorstand eines Unternehmens im Deutschen Aktien-Index (Dax) ist Siemens-Managerin Barbara Kux.
Aufsichtsräte
Auf zehn Prozent weibliche Mitglieder kommen deutsche Aufsichts- und Verwaltungsräte vor allem wegen der Unternehmensmitbestimmung. Allerdings gilt auch hier: Nur wenig Veränderung im Vergleich zu den Vorjahren. Und in mehr als einem Viertel aller Unternehmen sitzt nicht eine einzige Frau im Aufsichtsrat.
Gäbe es die Mitbestimmung nicht, wäre die Zahl der Kontrolleurinnen noch um einiges überschaubarer: Rund drei Viertel der weiblichen Aufsichtsräte entsandten die Arbeitnehmervertretungen. Die wenigen Frauen auf der Kapitalseite kommen häufig aus der Eigentümerfamilie. Dies gilt auch für die einzigen beiden weiblichen Aufsichtsratsvorsitzenden: Simone Bagel-Trah beim Konsumgüterproduzenten Henkel und Bettina Würth beim gleichnamigen Schraubengroßhändler.

Rollenverteilung und fehlende Netzwerke
"Das Stereotyp, dass Führung und Mann eng miteinander verbunden sind, spielt aber auch heute noch eine Rolle", antwortet Holst auf die Frage nach den Ursachen der Dominanz von Männern in Führungspositionen. "Heute sind Frauen zum ersten Mal in der Geschichte genauso gebildet wie Männer, ihr gesellschaftlicher Aufstieg in Spitzenpositionen der Wirtschaft steht jedoch noch aus", fügt sie hinzu. "In den Club der Spitzenkräfte vorzudringen ist für Frauen sehr viel schwerer als für Männer, weil sie hier Außenseiterinnen sind."
Die mit der Bundesregierung 2001 geschlossene Selbstverplichtung der Unternehmen, mehr Spitzenpositionen mit Frauen zu besetzen, erklärt Holst als gescheitert. Stattdessen fordert sie "einen verbindlichen Fahrplan mit festen Zielgrößen, klar zugeordneten Verantwortlichkeiten und Sanktionsmechanismen."
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