Christoph Matschie im Porträt Vom Theologen zum Politiker

von Kai Doering - 25.07.2009
Er ist zielstrebig. Aber rüttelt nicht an Zäunen. Er kann sich durchsetzen. Aber ohne ausgefahrene Ellenbogen. Christoph Matschie gehört zu den Mitbegründern der SDP in Jena und hat gute Chancen, der nächste Ministerpräsident von Thüringen zu werden.

Zum Geburtstag gibt es ein Ständchen und einen Strauß Blumen aus dem Garten. In Jeans, Sakko und weißem Hemd sitzt der Jubilar auf einem kleinen Holzstuhl, der für seine Größe nicht gemacht ist. Die Beine muss er anwinkeln, die Knie berühren fast die Achseln. Trotzdem strahlt er und wippt im Takt der Musik.

Das Geburtstagskind heißt Christoph Matschie und ist an diesem 15. Juli zu Gast in der Kita „Uferknirpse“ in Mühlhausen. „Das ist ein Politiker“, hatte Leiterin Birgit Genzel den Gast vorgestellt und obwohl die Kinder nicht so richtig wissen, was das eigentlich ist, haben sie keine Berührungsängste. „Guck mal, mir ist gestern ein Zahn ausgefallen“, sagt ein kleiner Junge und reißt seinen Mund mit beiden Händen auf. „Ich habe mir vorhin am Laufrad weh getan“, wirft ein Mädchen ein. „Ja, das passiert“, sagt Matschie und pustet auf die Schramme, die ihm das Mädchen entgegenstreckt. Berührungsängste hat auch er nicht.

Im Februar hat der 48-Jährige einen Tag lang ein Praktikum in einem Kindergarten gemacht. Er wollte wissen, wie der Tagesablauf eines Erziehers aussieht. „Da standen mir ganz schön die Schweißperlen auf der Stirn“, gibt Matschie im Rückblick zu. Für die Nöte Birgit Genzels und ihrer Kolleginnen hat er somit großes Verständnis. Die Kindergruppen werden immer größer, die bezahlte Arbeitszeit des Personals immer weiter reduziert. „Wir brauchen Neueinstellungen“, sagt Matschie beim Rundgang durch die Kita. Prognosen gehen von 2000 zusätzlich benötigten Erziehern in den Thüringer Kindergärten aus.

Beste Noten halfen nichts

„Wenn man das Land verändern will, muss man bei den Kindern anfangen“, lautet Matschies Maxime. Er lebt sie nicht nur bei seinen eigenen drei Kindern, sondern auch in der Politik. „Thüringen soll Bildungsland Nummer Eins werden“, ist eine seiner Hauptforderungen im thüringischen Landtagswahlkampf. Für den sagt er ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“ von SPD, CDU und Linkspartei voraus. Nach zehn Jahren CDU-Alleinregierung stehe das Land am 30. August vor einer „Entscheidungswahl“.

Eine Entscheidung hat der SPD-Spitzenkandidat schon früh getroffen: Eine Koalition unter Führung der Linkspartei kommt für ihn nicht in Frage. Sein Vorgänger als Parteivorsitzender, Richard Dewes, sah das anders und stellte sich offen gegen Matschie. Im Februar 2008 kam es zur Urwahl – über den Spitzenkandidaten und damit auch über die zukünftige Richtung der SPD Thüringen. Mit 71,5 Prozent setzte sich Christoph Matschie klar durch. „Der Mitgliederentscheid war die beste Möglichkeit, die Sache klarzustellen“, ist er sicher. Inzwischen werde der Kurs von der gesamten Partei mitgetragen.

Sich durchbeißen, das kann Christoph Matschie. „Mit vielen Geschwistern lernt man, sich durchzusetzen“, schmunzelt er. Doch auch außerhalb der Familie musste er stets kämpfen. „Immer wollte uns jemand vorschreiben, was wir zu denken und sagen hatten“,  erinnert sich Matschie an seine Jugend in der DDR. „Ich wollte aber selbst denken und mir mein eigenes Urteil bilden.“ Die Quittung folgte auf dem Fuße: Ein Medizin-Studium blieb ihm verwehrt. „Ich hatte hervorragende Noten, aber es half mir nicht.“

Mitbegründer der SDP in Jena

So ließ sich Matschie zunächst zum „Mechaniker für Datenverarbeitungs- und Büromaschinen mit Abitur“ ausbilden und arbeitete danach als Krankenpfleger in Erfurt. Als der Weg, Arzt zu werden, endgültig verbaut war, entschied er sich, ein Theologiestudium in Rostock zu beginnen. Das Stipendium für die anschließende Doktorarbeit hatte er schon in der Tasche, doch dann kam die Wende. „Für mich war 1989 klar, dass ich bleibe, denn ich wollte etwas verändern.“ Während sich Tausende DDR-Bürger gen Westen aufmachten, half Matschie, die SDP, die Vorgängerin der Ost-SPD, aufzubauen. „Am 7. Oktober wurde die SDP gegründet und zwei Tage nach dem Mauerfall haben wir in Jena einen Ortsverein mit über hundert Mitgliedern konstituiert.“

Seit Januar 1990 saß der 28-jährige Matschie mit am „Runden Tisch“ und auch bei der Volkskammerwahl kandidierte er auf Listenplatz vier. Allerdings: Nur die ersten drei zogen in das erste frei gewählte DDR-Parlament ein. „Damals habe ich mich tierisch geärgert“, gibt er zu.

Bei der nächsten Wahl ein paar Monate später klappte es dann aber doch mit einem Abgeordnetenmandat: Für die SPD ging Matschie in den ersten gesamtdeutschen Bundestag. Dort blieb er bis 2004 und wechselte dann als Vorsitzender der SPD-Fraktion in den Thüringer Landtag. Hier arbeitet er seitdem daran, sein Heimatland fit für die Zukunft zu machen.

Die Aufgaben sind gewaltig: „Wir müssen beim Lohnniveau aufholen, sonst wandern immer mehr Leute ab“, nennt Matschie nur eine. Auch der demographische Wandel stelle das Land vor Herausforderungen. Mühlhausen, die Stadt der „Uferknirpse“, in der auch
Matschie 1961 das Licht der Welt er­blickte, ist dafür ein gutes Beispiel. Zur Wiedervereinigung lebten hier 42 000 Menschen. Heute sind es noch 35 000.

Dabei hat die Stadt schon ganz an­dere Krisen gemeistert. „Im Mittelalter war sie das Zentrum des Bauernkriegs“, weiß die Leiterin des Stadtarchivs im Mühlhausener Rathaus, Beate Kaiser, zu berichten. Auch sie hat ein Geburtstagsgeschenk dabei, als sie Christoph Matschie am Nachmittag im alten Ratssaal trifft: die Originalausgabe einer Zeitung vom Tag seiner Geburt. „Nach dem Kirchenkalender sind Sie an Apostolorum geboren“, stellt sie fest. „Und ein Apostel ist ja der Überbringer einer guten Nachricht.“
 

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Channel: Inland  
Bundesland: Thüringen  
AutorIn: Kai Doering  

Christoph Matschie im Porträt

Bild von Uwe Brinkmann

Moin Herr Doering,

bezüglich Ihrer Einleitung zum Porträt zu Christoph Matschie habe ich mich gefragt, ob Christoph Matschie in Thüringen gegen Gehard Schröder antritt.

"Er ist zielstrebig. Aber rüttelt nicht an Zäunen", zielt wohl eindeutig auf unseren Altkanzler ab. Entbehrt Ihr Artikel nicht sämtlicher Logik, dürfte auch der zweite Satz ein Vergleich mit Gerhard Schröder sein: "Er kann sich durchsetzen. Aber ohne ausgefahrene Ellenbogen."

Welche Ressentiments wollen Sie damit schüren? Worauf spielen Sie an? (Die von Herrn Dier bedienen Sie ja anscheinend) Sollten Sie sich nicht lieber in der Mitgliederzeitung der SPD mit dem politischen Gegner der CDU und dem amtierenden thüringischen Ministerpräsidenten beschäftigen.

Einen Vergleich den ich mir mit Gehrad Schröder gewünscht hätte, wäre der eines erfolgreichen Wahlkämpfers. Ich wünsche als Sozialdemokrat daher Christoph Matschie die Wahlergebnisse die Gehrad Schröder in Bund und Land erzielt hat. Nur so werden wir den Ministerpräsidenten stellen!

Mit jungen sozialdemokratischen Grüßen

- Uwe Brinkmann

Mitglied der SPD in Hamburg

Artikel über C.Matschie

Bild von Gerhard Dier

Ja liebe Genossinen und Genossen,
wir haben auch mehr als nur ein wenig göttlichen Beistand nötig im Herbst - ich bin aber skeptisch,ob Beten und Glauben da hilft.
Nach der Katastrophe Schröder,dem sauerländischen Oberlehrer,der uns
die Rente mit 67 verkauft hat (gigantisches Kürzungsprogramm ),dem Abschuss von Beck,damit die Seeheimer ihre Stone` s durchkriegten,
dem Schicksal der AfA,die jetzt die Funktion der CDA hat - soziales Feigenblatt und dem Verlust des grössten Teiles der Glaubwürdigkeit,
die der Gazprom-Manager der Partei noch gelassen hatte,(was schon nicht mehr sehr viel war) beim "Kampf gegen die Merkelsteuer".
Ein Wahlprogramm(obwohl für SPD-Verhältnisse der letzten 9 Jahre noch nicht mal schlecht),das man einstampfen sollte - denn wie sagte doch der Rotschalträger: es wäre unfair,Politiker an dem zu messen,was sie im Wahlkampf versprechen.(Wenn man zum Beispiel die Steuersenkungsorgien im Programm,insbesondere der FDP sieht,mag man das auch glauben).Und mit den will man gegebenenfalls
`ne Koalition Rosa -Gelb- Grün machen - mit den Genossen der Linken
aber nicht?Gnade uns Gott - soviele Theologen und sonstige Fanclubs
gibt`s gar,das uns da noch zu helfen wäre!

Mit sozialistischem Gruß aus der Pfalz

Gerhard Dier,SPD und Gewerkschafter,sowie freigest.Betriebsrat -
also schon länger auf der Roten Liste der aussterbenden Arten

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