Ceridwen Dovey: Der Koch, der Maler und der Barbier des Präsidenten Verantwortung und Kontinuität

von Alexander Sewohl
Es geht um moralische Verantwortung und Mittäterschaft. Ceridwen Doveys Roman „Der Koch, der Maler und der Barbier des Präsidenten“ handelt von Alltäglichem im Umfeld eines Diktators. Und es geht darum, dass ein Regimewechsel oft mehr Kontinuität als Veränderung mit sich bringt.

Die Geschichte spielt in einem namenlosen Land, regiert von einem namenlosen Diktator. Durch einen Putsch wird der dieser, der immer nur der Präsident genannt wird, abgelöst von einem Rebellenführer, dem „Kommandant“. Zusammen mit dem Präsidenten werden auch sein Koch, sein Maler und sein Barbier verhaftet und gemeinsam in seiner früheren Sommerresidenz fernab der Hauptstadt gefangen gehalten. Diese drei Hauptpersonen erzählen jeweils aus der Ich-Perspektive, wie sie den Putsch und ihre Gefangenschaft erleben und reflektieren über sich, ihre Verhältnis zum Präsidenten und ihre Verwandten.

In einem zweiten Teil des Buchs kommen eben diese Verwandten zu Wort. Dadurch gewinnt das Buch an Dynamik: Bereits Gesagtes erscheint aus einer zweiten oder dritten Perspektive oft in einem ganz anderen Licht. Auch durch einen Ortswechsel unterscheidet sich der zweite Teil vom ersten. Die Szenerie wird von der Sommerresidenz des Präsidenten in dessen Palais in der Hauptstadt verlegt. Das Buch schließt mit einem kurzen dritten Teil, in dem die drei Hauptakteure sich noch einmal zu Wort melden.

Mitverantwortung...

Welche Verantwortung trägt das Umfeld eines Diktators an dessen Verbrechen? Diese Frage wirft Doveys Roman auf. Dabei geht es nicht um direkte Mitschuld. Der Koch, der Barbier und der Maler sind nicht Täter im eigentlichen Sinne. Dennoch lässt sich eine gewisse Verantwortung durch ihre Teilhabe am Regime nicht leugnen. Der Maler etwa bekennt: „Ich weiß, dass Porträts Insignien der Macht sind, dass jedes der vielen, die ich gemalt habe, die Stellung des Präsidenten ein klein wenig gestärkt hat.“

Muss man einen Diktator töten, wenn man es kann? Auch diese Frage wirft der Roman auf. Der Koch hätte die Möglichkeit gehabt, den Präsidenten zu vergiften. Der Barbier ergriff ursprünglich sogar seinen Beruf allein dafür, den Präsidenten beim Rasieren zu ermorden. Er wollte damit seinen toten Bruder, ein Opfer des Regimes, rächen. Dennoch konnte er die Tat nicht über sich bringen und frisierte den Präsidenten täglich in dem Wissen um dessen Verbrechen.   
 

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AutorIn: Alexander Sewohl  

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