Hannelore Kraft zum Bologna-Prozess Unis sollen nachsitzen

von Gero Fischer - 07.12.2009
Gescheitert, zumindest teilweise. So bewertet Hannelore Kraft die bundesweiten Hochschulreformen mit Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Die Hauptzeile der Bologna-Reform seien nicht erreicht worden, so die Vorsitzende der NRW-SPD. Sie fordert eine gründliche Überprüfung der Reformen.

„Das wesentliche Ziel des Bologna-Prozesses, den Studierenden mehr Flexibilität und internationale Mobilität zu ermöglichen, wurde bisher nicht erreicht”, sagte Kraft am Montag gegenüber der WAZ-Mediengruppe. Nicht einmal innerhalb von NRW könnten Studierende problemlos die Uni wechseln, da die Hochschulen gleiche Studiengänge nicht miteinander koordinierten.

Ökonomisierung stoppen

„Früher gab es ein verbindliches Kern-Curriculum, heute hat jede Hochschule unterschiedliche Module, die wechselseitig nicht anerkannt werden”, kritisiert die Vize-Bundesvorsitzende der SPD. Sie fordert deshalb „eine Überprüfung der Reform – einen Bologna-TÜV”.

Daneben plädiert Kraft für die Abschaffung der Studiengebühren und unterstützt die streikenden Studenten mit ihren Forderungen, die „Ökonomisierung der Bildung” zu stoppen. Das Prüfungssystem sei völlig überzogen, da viele Unis aus dem neuen Bachelor-Studiengang nur eine „Turbo-Version” des Diplomstudiums gemacht hätten. „Das dürfen wir nicht hinnehmen”, so die SPD-Landesvorsitzende. „Eine echte Reform der Lehre heißt, dass die Hochschulen ernsthaft Inhalte überprüfen und in Frage stellen.”

Erleichterungen beim Bachelor

Die ersten Reaktionen auf den Bildungsstreik kommen unterdessen vom so genannten Akkreditierungsrat, der gewissermaßen die oberste Zulassungsbehörde der Bachelor-Studiengänge ist. Nach Informationen der taz will der Akkreditierungsrat am Dienstag eine Erleichterung des Bachelor-Studiums beschließen. So soll die Anzahl der Prüfungen reduziert werden und der Arbeitsaufwand der Studierenden besser überprüft werden.

Der Akkreditierungsrat legt verbindlich fest, welche Kriterien deutsche Bachelor- und Masterstudiengänge erfüllen müssen. Das Gremium besteht aus Vertretern der Kultusministerkonferenz, der Hochschulrektoren sowie Professoren, Fachvertretern und Studenten.

 

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