Homophobie im Sport Und raus bist du?

von Jana Günther - 26.05.2010
"Lesben spielen Fußball. Schwule machen Eistanz." Eine gängige Stereotype unserer Gesellschaft. Kurz vor der Fußball-WM und anlässlich des Internationalen Tags gegen Homophobie diskutierten Aktive aus Sportverbänden und Fanvereinen das Thema Homosexualität.

„Sport ist vielmehr in der Gesellschaft“, so Martin Gerster, Sprecher der Arbeitsgruppe Sport in der SPD-Bundestagsfraktion. Er ist „so etwas wie die größte Bürgerbewegung“. Sport ist ein Massenphänomen. Einerseits mobilisiert der Profisport viele Fans. Andererseits besitzt er als Breitensport eine gesellschaftliche Integrationsfunktion. Doch gerade hier spiegeln sich oftmals Intoleranz und Angst gegenüber anderen Lebensauffassungen wieder. Es lag also nahe, dass sich die Friedrich Ebert Stiftung mit der gut besuchten Veranstaltung "Und raus bist du...? Homosexualität im Sport" an ein breites Publikum wendet.

Sport ist männlich
Redet man über Sport, redet man über Stereotypen. Frauen, die im Profisport mitmischen, man denke an unsere erfolgreiche Fußballnationalmannschaft, sehen sich mit dieser Problematik besonders konfrontiert. Im Sport, erklärt die Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling, wird der heterosexuelle Mann als Normalfall angenommen. „Lesben spielen Fußball. Schwule machen Eistanz,“ beschreibt sie es. Beide Geschlechter müssen sich also innerhalb des Sports mit überkommenen Rollenklischees auseinandersetzen. Dabei ist es gerade der Sport, der die Möglichkeit sich selbst zu befreien birgt.

Coming Out im Sport
Dass sich wenige Spitzensportler und Spitzensportlerinnen outen, hängt mit dem Festhalten an diesen Normen zusammen. Werden sie weiter gesponsort? Was ist mit der Fangemeinde? Bedenkt man die Sprechgesänge in der Fankurve, ist es nachvollziehbar, warum im Profi-Sport ein Coming Out viel Kraft kosten kann. Marcus Urban, Jugendauswahlspieler in der DDR, beschreibt eindrücklich seine persönlichen Erfahrungen. Einerseits der Leistungsdruck im Sport und anderseits das ständige Versteckspiel. Ein Kraftaufwand, den nur wenige bewältigen. Er entschied sich gegen den Profisport und für ein Leben ohne Versteckspiel.

Von klein auf - Vereinsarbeit
Schon die Kleinsten bolzen auf dem Platz gemeinsam mit Eltern und Freunden. Oft hört man Sätze wie „Stell dich nicht an wie ein Mädchen!“ oder „Schierischwuchtel“. Egal ob ein 10jähriger dies versteht oder nicht, von klein auf wird suggeriert, dass es zum Sport gehört, hart zu sein, keinen Schmerz zu kennen und dass es schlecht ist, wie ein Mädchen zu sein oder eben „schwul“. „Man muss bei den Jugendlichen anfangen,“ so Karl Kreile, Übungsleiter vom Vorspiel Sportverein für Schwule und Lesben Berlin e.V. Hier gilt es homophoben Tendenzen vorzubeugen und aufzuklären. Es gehe nicht darum „ihr oder wir“ so bekräftigt Tanja Walther-Ehms von Seitenwechsel e.V. Nur gemeinsam könne es gelingen, abwertende Einstellungen und Berührungsängste abzubauen. Auch der Teammanager vom 1. FC Eisern Union Berlin, Christian Beeck, wünscht sich, dass es im Sport um gegenseitigen Respekt und Anerkennung geht.

Es geht voran: „Viele Farben – ein Spiel!“
Beispielhaft für das Ziehen an einem gemeinsamen Strang ist die Ausstellung „Gegen die Regeln – Lesben und Schwule im Sport” der European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF), die Anfang Mai im Roten Rathaus Berlin von Klaus Wowereit eröffnet wurde. Auch existieren mittlerweile Fanvereine, die sich aktiv mit dem Thema auseinandersetzen. Thomas Hafke, Leiter vom Fanprojekt Werder Bremen, weist darauf hin, dass hier besonders die Vereine gefragt sind. Sie müssen sich positionieren. Das kann beispielsweise durch einen Ehrenkodex geschehen und es sollten finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen. Oder, wie es ein Diskutant für den Handballverband beschreibt, durch eine Ethik- oder Wertedebatte, in der Leitlinien entwickelt werden. Tanja Walther-Ahrens hebt hervor, dass die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Fußballbund, auch im Vergleich zu anderen Ländern, sehr beispielhaft ist. Nun gilt es, die Botschaft in die Vereine und Verbände zu tragen. Gemeinsam.

Fotos: mit freundlicher Genehmigung der Werder Fans gegen Diskriminierung / Thomas Hafke

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