Bayern-Serie: Ja so sans Tuntenhausen und die CSU-Männer

von Martina Plötz - 27.11.2009
Ja, so sans die Bayern. Die Gemeinde Tuntenhausen bei Rosenheim hat 6 951 Einwohner und einen katholischen Männerverein. Der zählt über 1 000 Mitglieder, also über 1 000 Männer. Er wallfahrt jährlich „in die Basilika Unserer Lieben Frau zu Tuntenhausen“. So steht es in der Satzung des Vereins. Ach ja, das zölibatäre Männerreservat, gilt als Denkfabrik der CSU, weshalb die Neubesetzung der Vereinsspitze derzeit für mediale Aufmerksamkeit sorgt.

Die aktuelle Vereinsbroschüre wirbt mit dem Slogan „Christliche Werte brauchen neue Ideen! Tuntenhausen ruft – Rufen Sie zurück“. Und wer pro Jahr drei Euro Mitgliedsbeitrag investiert, ist dabei im sakralen Zirkel der konservativen Kräfte im Freistaat Bayern. Sofern er Mann ist, natürlich und nach den Grundsätzen der christlichen Weltanschauung lebt. Früher musste Mann noch nach den „Grundsätzen der katholischen Kirche“ leben. Doch die Satzungsänderung wurde, glaubt man Spöttern, erwogen, damit nicht sämtliche CSU-Politiker aufgrund ihres Lebenswandels aus dem Verein ausgeschlossen werden mussten.

Kampf der Babypille und dem zweiteiligen Badeanzug

Das „Bollwerk Tuntenhausen“, wie sich der Männerverein stolz nannte, wurde seit 1945 von Alois Hundhammer geführt. Der Verein wetterte gegen die Antibabypille, gegen Günter Grass und gegen zweiteilige Badeanzüge. Nach Kultusminister Ludwig Huber, der es mit dem katholischen Sittenbild im Privaten nicht ganz so ernst nahm, folgte der spätere Ministerpräsident Max Streibl an die Männerspitze. Dieser ging gegen den „flatternden Zeitgeist“ vor und übergab schließlich den Stab als Vorsitzender 1989 an den Kultusminister Hans Zehetmair.

Zehetmair hört jetzt auf, nach 20 Jahren. Und damit verhilft er dem in der Öffentlichkeit seit vielen Jahren wenig beachteten Bollwerk-Relikt wieder zu etwas Aufmerksamkeit. Denn die Nachfolgeregelung wird innerhalb der CSU durchaus mit Interesse beobachtet, ist doch bislang noch jeder Vorsitzende der Männervereinigung auf der Karriereleiter der CSU nach oben gefallen.

Neu-Tuntenhausener: Marcel Huber

Den Neuen wird auch in Bayern kaum jemand kennen. Marcel Huber ist Kultusstaatssekretär und ein Vorschlag seines Vorgängers. Der nach dem zweiten Weltkrieg gegründete Männerverein sieht seine Wurzeln in den Bauernvereinen, die sich im ausgehenden 19. Jahrhundert als katholischer Flügel gegen Liberalismus, Sozialismus, und Preußentum in Bayern gegründet haben. Der gelernter Tierarzt Huber ist bestimmt beliebt bei den Bauern, kann er doch beim Kalben helfen. Aber beim Milchpreis könnte so manche bäuerliche Männerfreundschaft dann schnell wieder vorbei sein. Es ist im Freistaat halt nicht mehr alles so einfach, wie früher. 

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Channel: Inland  
Bundesland: Bayern  
AutorIn: Martina Plötz  

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