Die Warnungen vor dem Internet sind so alt wie das Medium selbst. Dennoch müssen Sinnfragen erlaubt sein. Etwa diese: In was für einer digitalen Welt wollen wir leben? Dieser Frage widmete sich dieser Tage die Blogger-Konferenz re:publica in Berlin.
Die Journalistin und Sachbuch-Autorin Susanne Gaschke grenzt den Fokus ein: Wie gehen wir mit Internet und Computer um, ohne dabei zu verblöden? In ihrem neuen Buch „Klick. Strategien gegen die digitale Verdummung“ entwirft sie Lösungen, wie eine offene Gesellschaft der Manipulation durch digitale Medien und Datenautobahnen Herr werden kann.
Diese Sorgen sind durchaus berechtigt: So wurde kürzlich eine ambulante Krankenhaus-Station für Computerspiel-Junkies in Berlin eröffnet. Der Exhibitionismus in Online-Communities schafft es sogar auf die Titelblätter großer Nachrichtenmagazine. Nicht zu reden von den Daten-Skandalen bei Bahn und Telekom.
Alle Lebensbereiche infiltriert
Gaschkes Analyse lässt sich so zusammenfassen: Der neoliberale Kapitalismus infiltriert, momentan leicht abgebremst durch die Wirtschaftskrise, sämtliche Lebensbereiche. Das erfolgreichste Werkzeug dafür ist das Internet, weil es neben der Versorgung mit Unterhaltungmüll die Individualisierung fördert. Gezielte Suche nach Informationen anstatt 20-Uhr-Nachrichtensendung. Männer, die nach der Arbeit lieber virtuelle Aliens abschlachten anstatt in die Kneipe zu gehen.
Kinder, deren Fantasie sich gar nicht erst entwickeln kann, weil sie schon als Dreijährige mit Lernsoftware versorgt werden, anstatt vorgelesen zu bekommen. Fertig ist das Ego-Monster, das einzig dem Konsumismus frönt , anstatt sich etwa einer Partei oder Gewerkschaft anzuschließen.
Schuld ist nur das Internet?
Keine Frage: Die nachlassende Lesefähigkeit von Kindern und Jugendlichen und deren schwindendes Interesse an Politik und Gesellschaft sind alarmierend. Aber sind daran vor allem digitale Medien Schuld?
Wenn die Autorin (Jahrgang 1967) betont, dass die intellektuelle Reife der Internetfans von „Offline-Wissen“ abhängt, sollte sie das „real life“ auch stärker bei der Betrachtung gesellschaftlicher Krisen berücksichtigen. Seine hermetische Perspektive teilt der Text mit einigen Klassikern der Medienkritik, bei denen sich die Autorin stetig absichert.
Kein "Klick"-Effekt beim Lesen
Ein Klick-Effekt stellt sich nach der Lektüre des Buches nicht so recht ein. Das liegt wohl daran, dass weder die Bestandsaufnahme noch die „Strategien“ besonders neu oder gar originell sind. Andererseits kann es diejenigen, die sich erstmals mit dem Thema beschäftigen, wichtige Denkanstöße liefern und zum Weiterlesen animieren. Wenn sie der chronisch erhobene Zeigefinger nicht ins nächstbeste Internetcafé treibt.
Susanne Gaschke: Klick. Stategien gegen die digitale Verdummung, Herder-Verlag 2009, 19,95 Euro, ISBN: 978-3451299964



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