Der Sprecher von Vattenfall Europe Nuclear Energy, Ernst Michael Züfle, hatte am Donnerstag eingeräumt, dass es im AKW-Krümmel mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Schaden an den Brennstäben gebe. Laut seinen Angaben seien „einige wenige“ der rund 80 000 radioaktiven Brennstäbe im Reaktor defekt. Genauere Angaben machte der Konzern nicht.
Wie ein Sprecher des Vattenfalls-Konzern gegenüber vorwärts.de betonte, seien die Informationen über ein defektes Brennenelement, anders als in verschiedenen Medien berichtet, bereits am vergangenen Sonntag veröffentlicht worden. In einer 3-seitigen Pressemitteilung vom 5. Juli (Sonntag) heißt es ganz zum Schluß: "Messungen der Aktivität des Reaktorwassers haben den Hinweis auf ein defektes Brennelement ergeben. Dies wird weiter untersucht, hat aber nach bisheriger Erkenntnis keinen Zusammenhang mit der Schnellabschaltung."
Erstmals ist damit auch ein sensibler Bereich im Inneren des Reaktor von der Pannenserie betroffen. Der Vattenfall-Reaktor war am Samstag nach einem Kurzschluss in einem Trafo vom Netz gegangen und soll frühestens im kommenden Frühjahr wieder hochgefahren werden. Ob der Reaktor jemals wieder ans Netz kommt scheint aber nun mehr als unwahrscheinlich.
Vattenfall: Krümmel ist sicher
Vattenfall-Europa-Chef Tuomo Hatakka räumte am Donnerstag zudem Informationspannen im Zusammenhang mit der Reaktorabschaltung am Samstag ein. Es habe Fehler bei der Umsetzung einer vereinbarten Maßnahme und bei der Erstinformation an die Behörden gegeben. So sei eine Überwachungseinrichtung nicht wie zugesagt installiert worden. Der Leiter der Kraftwerks Krümmel wurde bereits entlassen.
Den Reaktor hält das Unternehmen trotz aller Pannen für sicher. „Mein Fazit ist klar und deutlich: Krümmel ist sicher", sagte Hatakka. Das Unternehmen will die Anlage so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen. Hatakka wies zudem Zweifel an der Zuverlässigkeit als Betreiber und Forderungen nach einem schnellen Abschalten aller problematischen Reaktoren zurück.
Steinmeier kritisiert Atompolitik der Union
SPD-Vize und Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier hat die sofortige Abschaltung des Atomkraftwerks Krümmel gefordert. "Die wiederholten Pannen in Krümmel haben das
Vertrauen vieler Menschen in die Atomenergie weiter erschüttert", sagte Steinmeier laut "Zeit Online." Vattenfall habe seine Bewährungsprobe nicht genutzt. Für die Menschen in der Region sei eine Schließung "ein Gebot der Vernunft".
Scharfe Kritik übte Steinmeier am Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU). Wer - wie dieser- Krümmel trotz wiederholter Pannen als Kraftwerk mit Zukunft bezeichne, scheide als ernstzunehmender Politiker aus. Mit Oettingers Vorschlag für unbegrenzte Laufzeiten von Atommeilern solle Deutschland in die "energiepolitische Steinzeit" zurückgeworfen werden.
Gabriel: Tschernobyl als mahnendes Beispiel
Auch Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte sich in den letzten Tagen vehement für einen schnelleren Ausstieg aus der Atomenergie ausgesprochen. Bei einem Besuch im ukrainischen Tschernobyl betonte der Minister am Donnerstag, der Ort sei ein mahnendes Beispiel für die Diskussion um die Atomkraft. „Das Beispiel Tschernobyl vor 23 Jahren stellt uns noch heute vor die Frage, wie die Endlagerung und die Sicherung (des Reaktors) endgültig zu klären sind.“
Der Pannenserie im AKW-Krümmel zeige, wie notwendig ein schrittweiser Ausstieg aus der Atomkraft sei. „Die CDU redet bei Krümmel von einem Einzelfall. Es gibt aber keine hundertprozentige Sicherheit bei der AKW-Technik.“
Nach der Explosion im Kernkraftwerk Tschernobyl am 26. April 1986 sind immer noch weite Teile Weißrusslands, der Grenzregionen in der Ukraine und Russlands verstrahlt. Nach unterschiedlichen Schätzungen starben bei der Katastrophe sowie an den Folgen zwischen 4000 und 100 000 Menschen.
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