Konjunkturpaket II Steinbrück: SPD hat Konjunkturprogramm II mitbestimmt

von Lars Haferkamp - 13.01.2009
Der Bundesfinanzminister betont die Umsetzung des Steinmeier-Papiers in Form des Investitionsprogramms und der Umweltprämie für Neuwagen - „SPD besser vorbereitet als Gegenseite“ - SPD verzichtet zunächst auf Reichensteuer nach gesetzlicher Festschreibung einer Lohnuntergrenze für Leih- und Zeitarbeiter

Berlin, den 13.01.2009 - Der Bundesfinanzminister und stellvertretende SPD-Vorsitzende Peer Steinbrück hat in Berlin die Leistungen seiner Partei für das gestern Nacht beschlossene Konjunkturprogramm II hervor gehoben. Die SPD sei in die Auseinandersetzung „sehr genau vorbereitet“ gegangen, „besser vorbereitet als die Gegenseite“. Mit der Einigung auf ein Programm habe die SPD weitgehend die Vorschläge des Steinmeier-Papiers durchgesetzt, etwa das Investitionsprogramm für Bildung und Infrastruktur sowie die Umweltprämie von 2500 Euro für Neuwagen. „Das Programm wird uneingeschränkt von der SPD getragen“, so Steinbrück.

Durchsetzen konnte die SPD die Anhebung des Grundfreibetrages, die Senkung des Eingangssteuersatzes, einen Kinderbonus von 100 Euro pro Kind, die Anhebung der Regelsätze für Kinder aus Hartz IV-Familien sowie die Senkung der Krankenkassenbeiträge. Zugleich erreichte die SPD, dass der Staat einen Teil der Sozialbeiträge für Kurzarbeiter übernimmt.

SPD erreicht feste Lohnuntergrenzen bei Leiharbeitern
Nicht durchsetzen konnte sich die SPD nach Angaben von Steinbrück mit ihrer Forderung nach einer so genannten Reichensteuer. Sie verzichtete zunächst darauf, da die Union der sozialdemokratischen Forderung nach einer gesetzlichen Festschreibung von Lohnuntergrenzen für Leih- und Zeitarbeiter zustimmte. „Die SPD steht weiter zur zweckgebundenen Zusatzbelastung für Hochverdienende“, betonte Steinbrück. Die Forderung der SPD bleibe auf der politischen Tagesordnung.

„Das Konjunkturprogramm wird die Rezession nicht vermeiden aber eindämmen können“, so der Finanzminister. Man dürfe den Menschen keinen Sand in die Augen streuen. Entscheidend sei, dem Abschwung die Tiefe und Schärfe zu nehmen. Nachdrücklich wandte sich der SPD-Vizechef „gegen einen Wettbewerb, wer senkt die Steuern am kräftigsten“. Dies sei eine „Irreführung der Öffentlichkeit“, die angesichts der Schuldenentwicklung unverantwortlich sei.

Das größte Konjunkturprogramm in der Geschichte der Bundesrepublik setzt nach Angaben von Steinbrück Impulse für die Konjunktur in Höhe von 80 Milliarden Euro. Das im November beschlossene Konjunkturprogramm I mobilisiere rund 32 Milliarden Euro. Deutschland werde so seiner Rolle als größte Volkswirtschaft Europas mehr als gerecht. Ende Januar sollen Bundestag und Bundesrat die entsprechende Gesetze beschließen. Investitionen und Bürgschaften könnten dann am Februar genutzt werden. Die Senkungen von Steuern und Abgaben treten ab 1. Juli 2009 in Kraft.
 

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AutorIn: Lars Haferkamp  

Kritisieren ist einfach...

@Eisbärchen

Ich glaube, viele Leute, auch in der SPD, sehen das Konjunkturpaket mit gemischten Gefühlen. Oft wird die fehlende Nachhaltigkeit kritisiert und die Tatsache, dass bei den Bürgern nur wenig ankommt. Auch wird befürchtet, dass die Staatsverschuldung in die Höhe geht.

Das steht erstmal im Widerspruch zueinander. Ein Konjunkturpaket das noch größer ist würde zu noch höheren Staatsschulden führen und würde eventuell zu noch weniger führen.

Du kannst die vorgeschlagenen Maßnahmen kritisieren, aber ich denke, die Bundesregierung musste verschiedene Punkte abwägen: einerseits wollte man ein wirksames Paket schnüren, dass die Binnennachfrage stärkt und den betroffenen Industrien hilft. Andererseits wollte man, dass das Paket schnell wirkt und auch schnell umsetzbar ist. Drittens wollte zumindest die SPD dass das Konjunkturpaket auch im Mittelstand und bei den Geringverdienern ankommt.

Ich weiß nicht, ob Deine Forderung nach einer Abschaffung des Solidarpakts die Lösung gewesen wäre. Das würde eher hohen Einkommen zu gute kommen und viele Kommunen im Osten vor große Probleme stellen. Ob Steuersenkungen auch kurzfristig die Binnenmaßnahme stärken, würde ich auch bezweifeln.

Aber Deine Einwände zeigen, dass an der Begründung und Kommunikation des Konjunkturpakets noch gearbeitet werden muss.

Zweites Konjunkturpaket - eine Lachnummer

Bild von Eisbaerchen

Der Berg kreiste - und der Berg gebar eine Maus...mit grossem Interesse habe ich die tagelangen Diskussionen um das Paket II verfolgt, in der Hoffnung, dass es endlich eine gerechetere Besteuerung für die Mittelverdiener gibt, doch herausgekommen ist eine Lachnummer! Geldgeschenke an Kinder...(wenn es um konjunkturbelebende Massnahmen gehen soll, was soll das bitte längerfristig für einen konjunkturbelebenden Effekt haben, zumal die (oft ungewollt) kinderlosen garnichts davon haben) Abwrackprämie für alte Autos...(weshalb soll ich mit meinen Steuern jemandem sein Auto mitfnanzieren der sich ohnehin einen Neuwagen leisten kann?) eine Entlastung bei den KK-Beiträgen die lediglich eine Erhöhung abfängt...wo bleiben die steuerlichen Entlastungen für die Leistungsträger der Gesellschaft mit den mittleren Einkommen, die überproportional mit Einkommensteuer belastet werden (von einer Präme von z.B. etwa 500 Euro brutto bleiben mir unter dem Strich netto noch gerade 235 Euro in der Tasche)? Das ist der Teil der Gesellschaft der nenneswert konsumiert und bei einer echten Entlastung auch in den Laden geht und kauft! Eine (längst überfällige) Abschaffung der Solidarsteuer wäre z:B. eine richtige Massnahme gewesen und hätte jedem der Steuern zahlt eine feste Grösse mehr ins Portemonnaie gebracht. Mir ist es schnuppe, was das Gesamtpaket für einen Wert hat, solange bei mir als kräftig steurzahlender Mittelverdiener nur 3.50 Euro mehr am Monatsende rauskommt, nenne ich das eine völlig verfehlte Strategie. Den bereits avisierten Kauf eines neuen Gefrierschranks (von Liebherr, deutsche Firma!) habe ich erstmal wieder storniert. Ich wäre bei so einem Ergebnis eher zufrieden gewesen, wenn man ganz die Finger von irgendwelchen Massnahmen gelassen hätte (erhöht nur den Schuldenberg). Ich werde jetzt wohl nach anderen Sparpotenzial suchen müssen, wie beispielsweise den Mitgliedsbeitrag bei der SPD zur Disposition stellen. Das ist nicht mehr meine Partei. Und bei der nächsten Wahl geht meine Stimme an die, die dieses Paket - zu Recht - kritisieren.

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