Der „vorwärts“ soll neugierig machen auf sozialdemokratische Politik. Er soll nicht nur Mitglieder ansprechen sondern auch diejenigen, die mit der SPD sympathisieren. Sprachrohr oder mehr?

von Kurt Beck - 18.09.2006
Der „vorwärts“ wird 130 Jahre alt – das ist ein Grund zum Gratulieren! Umso mehr, da der „vorwärts“ äußerlich nicht älter wird, sondern sich demnächst einer sehr ansprechenden Verjüngungskur unterziehen wird. Damit wird auf der Tradition aufgebaut, sie wird bekräftigt und mit neuem Leben erfüllt.

Wilhelm Liebknecht und Wilhelm Hasenclever gründeten den „Vorwärts“ auf Beschluss des Parteitags von Gotha am 1. Oktober 1876 als Centralorgan der Deutschen Sozialdemokratie. Von Anfang an stand der „Vorwärts“ in einem fruchtbaren Spannungsverhältnis zur Partei und ihrer Führung. „Ich wünsche, dass die Genossen über alles aufgeklärt werden“, sagte August Bebel 1903. Seiner Meinung nach hatte  der „Vorwärts“ es versäumt, rechtzeitig und in allen Einzelheiten über die Kontroverse um Eduard Bernstein zu berichten. Bernstein, seiner Zeit weit voraus, wollte aus der „revolutionären“ SPD eine demokratisch-sozialistische Reformpartei machen. Es kam zu einer erbitterten Auseinandersetzung der Parteiflügel – links gegen rechts und Radikale gegen die sogenannten Revisionisten. So gab es  gegenseitige Beeinflussung, es gab spannungsreiche Phasen und ebenso viele Aussöhnungen: Die Partei hat schon immer gern diskutiert, und die Redakteure des „Vorwärts“ haben Wert auf ihre Unabhängigkeit gelegt.

Verbot durch Sozialistengesetz

Die SPD und der „Vorwärts“ haben zusammen äußere Bedrängnisse, Verfolgungen und Verbote durchgestanden: unter dem Bismarckschen Sozialistengesetz und unter der nationalsozialistischen Diktatur. In diesen schweren Zeiten hat es viele Genossinnen und Genossen gegeben, die für ihre Überzeugung gekämpft und dafür sogar ihr Leben gelassen haben. Ihre Leiden und ihre Opfer sollen am Geburtstag des „vorwärts“ nicht vergessen sein.

Der  Weg vom „Centralorgan“ zur modernen Mitgliederzeitung war genauso weit wie der Weg der SPD von einer revolutionären zu einer reformorientierten Partei. Mit der Neugestaltung des Blattes nimmt nächsten Monat eine weitere Stufe der traditionsreichen Geschichte des „vorwärts“ ihren Anfang.

Sich den neuen Herausforderungen stellen

Heute gilt es neue, große Herausforderungen  zu meistern, die die Sozialdemokratie mutig und selbstbewusst in Angriff genommen hat. Der neue „vorwärts“ drückt diesen Optimismus äußerlich in einem freundlichen, hellen und bunten neuen „Gesicht“ aus. Er will neugierig machen auf sozialdemokratische Politik: Ausdrücklich werden nicht nur unsere Mitglieder angesprochen, sondern auch die, die bisher „nur“ sympathisieren.  Ich bin da ganz zuversichtlich: Aus Interessenten können auch Freunde werden.

Der neugestaltete „vorwärts“ wird vor allem darüber informieren, wie die Herausforderungen unserer Zeit  in praktische Politik umgesetzt werden. Damit werden alle Genossinnen und Genossen besser in der Lage sein, schwierige Zusammenhänge zu verstehen und mit ihren Freunden und Bekannten in ihren Städten und Gemeinden in einen spannenden Dialog über die Zukunft des Landes zu treten. Ich bin davon überzeugt, dass die Sozialdemokratie gute Lösungen zu bieten hat. Auch Gegenmeinungen werden ihren Platz im neuen „vorwärts“ haben.

Weitere 130 Jahre

Die Nachrichten aus dem vielfältigen Innenleben der Partei finde ich besonders wichtig: Sie machen Lust darauf, bei uns mitzumachen und damit anzufangen, selbst etwas zum Besseren zu verändern. Ich danke allen, die an der Neugestaltung des „vorwärts“ beteiligt waren und allen, die in der Redaktion des „vorwärts“ tätig sind, für ihren Einsatz.

Ich wünsche dem „vorwärts“ für die nächsten 130 Jahre viel Erfolg und um mit  Willy Brandt zu sprechen: Der „vorwärts“ ist gut und er nützt!

Kurt Beck, SPD-Vorsitzender

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Channel: Geschichte  
AutorIn: Kurt Beck  

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