Bis zum 22. März bestreiten nun etwa zwanzig Krimiautoren aus ganz Deutschland und Österreich einen Lesereigen, der seinen Auftakt mit der Gemeinschaftslesung dreier Schriftsteller aus Karlsruhes Partnerstadt Halle/Saale im Prinz Max Palais nahm.
In den kommenden Tagen werden den Besuchern der aller zwei Jahre stattfindenden Veranstaltungsreihe ungewöhnlich intensive Einblicke in die deutschsprachige Krimiszene und die Stadt am Oberrhein geboten. So werden etwa das städtische Polizeipräsidium und die Rathauskantine zu geeigneten Kulissen für mehrere Lesungen, in deren Anschluss mit den anwesenden Autoren auf Tuchfühlung gegangen werden kann.
Spaziergang entlang authentischer Tatorte
Kriminell geht es auch im Karlsruher Schloss zu, wo Tom Wolff aus seinen inzwischen zehnten historischen Roman „Kristallklar“ liest. Ein ausgedehnter Spaziergang entlang authentischer Tatorte zeigt die ehemalige Hauptstadt des Großherzogtums Baden in einem schaurig anderen Licht und ergänzt das vielseitige literarische Treiben, zu dessen Höhepunkten unzweifelhaft der Auftritt Andrea Maria Schenkels im Sanddorntheater zählt. Die öffentlichkeitsscheue Autorin, die zweimal mit dem Deutschen Krimipreis sowie dem begehrten Friedrich Glauser-Preis 2007 ausgezeichnet wurde, liest aus ihrem auf Tatsachen beruhenden Roman „Tannöd“, der eine Millionenauflage erreichte und im vergangenen Jahr erfolgreich verfilmt wurde, wobei die im Mai 2009 verstorbene Schauspielerin Monika Bleibtreu zum letzten Mal vor der Kamera stand.
Als ein weiterer Glauser-Preisträger nimmt der Österreicher Thomas Raab an den Krimitagen teil. Seinen neuen Roman um den etwas eigenwilligen Willibald Adrian Metzger präsentiert er stilgerecht in der Fleischmarkthalle des Alten Schlachthofes. Literarische und kulinarische Genüsse liegen überhaupt – wenn auch nicht immer mit solch ironischen Zwischentönen wie bei Raab – bei dem diesjährigen Festival sehr nah beieinander. So bietet der Zehntkeller Durlach zu Paul Grotes „Der Wein des KGB“ eine Weinverkostung an und im Schlosshotel dürfen sich die Abendgäste an einem Vier-Gänge-Krimidinner erfreuen. Zu dem Krimi „Blut & Barolo“ von Carsten Sebastian Henn fließen am 18. März im Speisehaus „Die Gurke“ feine Tropfen aus dem Piemont.
Lesenacht in der 24h-Bibliothek der Universität
Neben zahlreichen weiteren Veranstaltungen wie der Inszenierung des Hitchcock-Klassikers „39 Stufen“ am Kammertheater Karlsruhe, das den Geist des Altmeisters mit Spannung und Slapstick heraufbeschwört, steht die 24h-Bibliothek der Universität Karlsruhe am 17. März zu einer verheißungsvollen Lesenacht mit Christian Schünemann offen, der bereits 2008 als Publikumsliebling gefeiert wurde. Neben diesen bewähren Autoren stellt das städtische Kulturbüro als Veranstalterin des Krimifestivals der Leserschaft auch einige Nachwuchsautoren vor, allen voran der Drehbuchautor Stephan Brüggenthies, der seinen Debütroman „Der geheimnislose Junge“ in der Thalia-Buchhandlung vorstellt, sowie die Pforzheimer Journalistin Susanne Graf, mit deren Lesung aus „Der Bildermacher“ in der Galerie Voegtle die Veranstaltungsreihe am 22. März ausklingen.
Mit diesem bunten Programm gelingt es den Karlsruher Krimitage zum fünften Mal in Folge, Freunde von Spannung und Unterhaltung an den Rhein zu locken und einen überregionalen, landesweiten Querschnitt des aktuellen Geschehens der Krimiszene abzubilden. Lokalmatador Wolfgang Burger, Initiator des Festivals und selber Autor, zeigt sich demnach auch begeistert über die wachsende Popularität der Krimitage, auch wenn er mit Hinblick auf die zaghaften Anfänge vor zehn Jahren süffisant hinzufügt, dass es eben „in Karlsruhe immer eine Weile braucht, bevor etwas vom Publikum angenommen wird.“
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