Seine Lebensgeschichte klingt wie aus einem Hollywood-Film: Als Sohn eines schwarzen US-Soldaten und einer weißen Amerikanerin im schwäbische Crailsheim geboren, von den Eltern verstoßen, ins Kinderheim gegeben, Drogenprobleme, wegen Körperverletzung und Diebstahl schließlich zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Und dann die Umkehr: Wegen guter Führung vorzeitig entlassen, Freundin gefunden, einen Sohn bekommen, Unternehmen gegründet und in der Jugendarbeit tätig, um sozial benachteiligte Kinder in die Gesellschaft zu integrieren. Alltäglich klingen sie wirklich nicht – die ersten 32 Jahre im Leben des Mario Pavelka.
„Wenn ich nicht diese Vergangenheit hätte, könnte ich nicht das tun, was ich heute mache“, ist Pavelka überzeugt. Das, was Pavelka macht, ist schwer zu fassen. Der 32-jährige Wahl-Bonner ist Gründer und Inhaber der Firma „Gerilla Taktiks“, Musiker, Hip-Hop-Coach und irgendwie auch Jugendarbeiter. Aber der Reihe nach. „Als ich aus dem Knast kam und kurz darauf Vater wurde, bin ich zum Friseur gegangen und habe mir ein Hemd gekauft“, erinnert sich Pavelka. Er wollte ein Vorbild sein für seinen Sohn, arbeitete im Callcenter und als Koch. So richtig lag ihm dieses Leben jedoch nicht. „Ich will mich nie wieder so verstellen müssen“, sagt er heute.
"Wir expandieren"
Dass Mario Pavelka das nicht tun muss, verdankt er einigen Zufällen – und seiner großen Leidenschaft, dem Hip-Hop. Hatte er schon im Gefängnis seine Gedanken und Gefühle in Reimen aufgeschrieben, wollte er nun Jugendlichen die Kraft von Musik näher bringen. Pavelka entwickelte das Konzept des „Schoolbattle“, eines Wettkampfs, bei dem Jugendliche von zwei Schulen gegeneinander antreten, indem sie selbst geschriebene Hip-Hop-Texte rappen, die eine Jury bewertet. Die Idee war sofort ein Erfolg: Nachdem sich im ersten Durchgang 2008 zwei Bonner Schulen „bekämpft“ hatten, sind mittlerweile Schüler aus der ganzen Stadt dabei. „Und wir expandieren“, sagt Pavelka stolz. „Im August startet unsere Außenstelle in Berlin und auch in Köln legen wir los.“
Während Pavelka erzählt, lächelt er immer wieder verschmitzt, sodass man sich fragt, ob er all das, was er sagt, auch wirklich ernst meint. Er sitzt hinter einem Schreibtisch, eine Hand voll Jugendlicher hat sich auf Stühlen im Raum verteilt. Gleich wollen sie für einen Auftritt trainieren. In seinem braunen Schlabber-T-Shirt und der gemusterten Armeehose wirkt Pavelka wie ein lieber großer Junge. Allein das Piercing in der linken Augenbraue stört dieses Bild. Doch Pavelka meint jeden Satz genau so, wie er ihn sagt. Seine Worte klingen manchmal wie aus einem Lehrbuch für Manager, aber Pavelkas Lebensweg beweist, dass sie stimmen.
Politische Bildung auf Hip-Hop
„Wenn man etwas erreichen will, braucht man Disziplin“, sagt er oder: „Jeder kann alles, was er tut, selbst entscheiden.“ In diesem Moment ist es im Raum ganz still. Pavelkas Schüler geben keinen Mucks von sich, sondern hören dem massigen Mann gebannt zu. Die meisten hier kommen aus schwierigen Familienverhältnissen, kämpfen mit schlechten Schulnoten oder waren schon in die eine oder andere Schlägerei verwickelt. Viele haben den berühmten Migrationshintergrund.
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