Heike Papenfuss: Lernen geht auch anders Schulen, die begeistern

von Dagmar Günther
Es gibt sie: private und staatliche Schulen, die neue Wege des Lernens gehen. Doch welcher ist der richtige? Heike Papenfuss bietet Orientierungshilfe. Die Journalistin sucht und findet Schulen, die begeistern. Sie erklärt die verschiedenen reformpädagogischen Ansätze sowie deren Umsetzung im Alltag.

„’Eine Montessorischule?’ – Aber warum denn, deine Kinder sind doch gar nicht krank!“ Diesen erstaunten Ausruf eine Bekannten habe sie schwer nachvollziehen können, genauso wie die Bemerkung, „dass jetzt viele Kinder des Dorfes in die Montessorischule wechselten, weil die den Anforderungen der Grundschule nicht gewachsen seien...“ Doch zwei Jahre Montessori-Erfahrung haben sie überzeugt, für ihre Kinder den richtigen Weg des Lernens gefunden zu haben.

Raus aus dem Korsett
Dabei ließ die freie Journalistin es jedoch nicht bewenden. Sie besuchte zahlreiche Schulen, von der Grundschule bis zur Ganztagsschule, „die für sich einen anderen Weg gesucht haben und aus dem starren Korsett des Regelschulsystems ausgebrochen sind“. Ob sie sich nun an Maria Montessori (1870-1952, hilf mir, es selbst zu tun), Peter Petersen (1884-1952, Jenaplan, die Schule als Lebensstätte) Célestin Freinet  (1896-1966, den Kindern das Wort geben) oder Rudolf Steiner (1861-1925, Waldorfpädagogik, mit Kopf Herz und Verstand) orientieren, ihr gemeinsamer Nenner ist: Kinder sollen Spaß am Lernen haben und nicht fremdbestimmt Pflichten erfüllen müssen. Und so achtete Heike Papenfuss besonders darauf, wie das Lernen organisiert ist, wie selbstständiges Lernen und die Eigentätigkeit gefördert werden, wie es um die individuelle Förderung und um Chancengleichheit bestellt ist und ob kulturelle und soziale Vielfalt als Belastung oder Bereicherung gesehen werden.

Rein ins Leben
Heike Papenfuss umreißt die verschiednen Ansätze der Reformpädagogen. Sie untersucht deren Umsetzung an 14 erfolgreichen Schulen: von der Winterhuder Reformschule über die Jenaplan-Schule und die Montessorischule Biberkor, die Freie Waldorfschule am Kräherwald und Hermann-Lietz-Schule Haubinda, dem demokratischen Schulstaat auf dem Rittergut, bis zur Aktiven Schule Allgäu. Hier wird gezeigt, wie es gehen kann, dass Schule begeistert. Hier gibt es sie, die vom Neurobiologen Dr. Gerald Hüther geforderte „Begeisterung der Lehrer darüber, dass sie ihr Wissen an die Schüler weitergeben können, Begeisterung der Schüler über das, was alles für sie in der Welt zu entdecken und zu gestalten gibt und die Begeisterung der Eltern darüber, dass ihr Kind so gern in die Schule geht und dass ihm dort so kompetent geholfen wird, seine Potentiale zu entfalten.“

Ja, lernen geht auch anders. Lernen ist wichtiger als Unterricht. Mit einem, der davon überzeugt ist und andere überzeugt, dem renommierten Pädagogen und Entwickler neuer Schulkonzepte, Otto Herz, führt die Journalistin ein aufschlussreiches Interview. Der Weg, das verkrustete System zu erneuern, ist nicht einfach, aber nötig. Heike Papenfuss findet Antworten auf häufig wiederkehrende Elternfragen. Am Ende steht die „Erklärung von Hofgeismar“, die „Blick über den Zaun“, ein Verbund reformpädagogischer Schulen, verfasst hat. Diesen Sieben-Punkte-Plan für eine guten Schule sollten alle Lehrer und Eltern, Jugend- und Sozialarbeiter unterschreiben. Eine bessere Schule kommt nicht von allein, sie muss eingefordert werden. Heike Papenfuss leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Heike Papenfuss: Lernen geht auch anders , Patmos Verlag, Düsseldorf 2009, 200 Seiten, 16,90 Euro, ISBN 978-3-491-40147-1

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