Nachdem unlängst Jean-Paul Gaultier für die Ballettaufführung „SCHNEEWITTCHEN“ des Staatsballettes Berlin und Christian Lacroix für die Opernaufführung „agrippina“ der Staatsoper Unter den Linden in Berlin Kostüme entworfen hatten, kreierte der Berliner Modeschöpfer Michael Michalsky insgesamt fünfhundert Kostüme für die Inszenierung der Revue „Yma ZU SCHÖN, UM WAHR ZU SEIN“, die am 2. September 2010 mit ihrer Uraufführung im Berliner Theater „FRIEDRICHSTADTPALAST“ das Licht der Welt erblickte. Darin ging es um eine Reise durch das „schöne, freie und ungewöhnliche Leben“ der fiktiven Protagonistin Yma, die der Musicaldarsteller Andreas Renee Swoboda mit der von ihm beherrschten Sopranlage stimmgewaltig verkörperte. Mit seinem androgynen Aussehen harmonierten die Kleider, die ihn als Mann in einer Frauenrolle zu einer verführerischen „Queen“ werden ließen. Darüber hinaus war beispielsweise für die zweiunddreißig Tänzerinnen des Girltanzes jedes Kostüm per Hand mit mehr als zweihundert Glitzersteinen bestickt worden. Die „Girls“ zeigten sich nun auch dank der Strapse oder hohen geschnürten Stiefel aufreizend und provokant. Die Epauletten und Matrosenmützen als Uniformteile verliehen ihnen zusätzlich Dominanz und betonten ferner die Einheit der tanzenden Truppe. Hier kämpfte die starke Frau. Wer da nicht hinschaute, strafte sich bloß selbst.
Nebenher hatten die Tänzer beiderlei Geschlechtes ein langes Artistiktraining zu absolvieren, um erstmalig Tuch- und Ringartistik in der Höhe darbieten zu können. Insgesamt rückte das 60köpfige Ballettensemble weiter in den Vordergrund und erlangte so noch mehr Aufmerksamkeit. Das Ergebnis brachte der Librettist Roland Welke auf den Punkt: „Der tanzende Körper als Schönheit in Reinkultur.“ Daneben zeigten besondere Artisten auf einem Trampolin zu harten Klängen aus Riesenlautsprechern ihre Sprungkünste – stetig auf und ab wie in Ymas Leben. Hinter der Choreographie stand eine ganze Mannschaft: Anastasia Chaykovskaya, Sean Cheesman, Maik Damboldt, Alexandra Georgieva, Craig Revel Horwood, Tatjana Ostroverkh, Ronald Savkovic und Aliaksei Uvarov. Der Intendant Dr. Berndt Schmidt erläuterte dem Publikum, man sei mit den hiesigen Inszenierungen innovativer als vergleichbare Spielstätten in Paris und könne angesichts der hundert Mitwirkenden auf der Bühne mit Schauen in Las Vegas mithalten.
Übrigens ließ sich Ymas Lebensgeschichte – die immerwährende Suche nach der wahren Liebe – an den einzelnen Liedern aus der Rock-, Pop- und Schlagermusik wie „Get The Party Started“, „Männer“ und „Marleen“ ablesen. Das Lied „Sexmachine“ trieb die männlichen Tänzer dazu, sich wie ehedem Michael Jackson ordentlich in den Schritt zu greifen. Für Yma war das Lied „Lady Marmelade“ mit der Textzeile „Voulez-vous coucher avec moi?“ prägend. Als Yma einmal lasziv neben ihren Liebhabern auf einem riesigen roten Sofa lag, bekannte sie ihr Lebensmotto: „Die Zigarette danach ist auch immer die Zigarette davor.“ Auf die Frage, was sie eigentlich sei, sagte Yma zu guter Letzt ins Publikum: „Ich bin prosexuell. Ich probiere alles aus.“
Für Liebhaber prächtiger Kostüme und Trachten gab es in Berlin einen weiteren Leckerbissen. Im Rahmen der Veranstaltung „27. Lange Nacht der Museen“ wurden am 28. August 2010 auf der Modenschau „Soirée für Luise“ in der Großen Orangerie des Schlosses Charlottenburg Kleider und Anzüge aus der Zeit der preußischen Königinnen Elisabeth Christine und Luise – also aus dem Rokoko und dem Empire – nicht nur vorgeführt, sondern auch im Detail erklärt. Das waren noch Zeiten gewesen, als Kniehosen und Seidenstrümpfe den vornehmen Herrn, sogar Revolutionäre wie Georges Danton und Maximilien de Robespierre inbegriffen, ausgemacht hatten! Anmerkungen zu den für das letzte Stadium der aristokratischen Tracht typischen Perücken beziehungsweise Frisuren durften dabei nicht fehlen. Zusätzlich erlebten die Besucher, die teilweise vor der Modenschau ein Mahl aus der „Hofküche“ genossen hatten, wie die Kleidung sich in die Etikette einfügte und bei Tänzen wirkte. Wem dies noch nicht reicht, darf sich auf weitere „Zeitreisen durch die Mode“ im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Berliner Residenz Konzerte“ vom 24. bis zum 27. November 2010 freuen.
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