Der „gernsehclub“ in Berlin bietet gemeinsame Fernseherlebnisse in bequemer Atmosphäre an: Nackenmassage, Chips, Cola. Als besonders Highlight wird am Mittwoch den 2.12.2009 das 40jährige Jubiläum von Monty Python gefeiert. 400 Jahre Monty Python - Oliver Kalkofe, Volker Bleeck (TV Spielfilm) und weitere Geburtstagsgäste präsentieren den Geburtstags-Gernsehclub zum Jubiläum des britischen Comedy-Kults
vorwärts.de: Beim „gernsehclub“ erleben die Zuschauer Fernsehen wie es früher war. Wie kam es zu der Idee, das wieder aufleben zu lassen?
Jörg Strombach: Wir sind zwar alle mit dem Fernsehen aufgewachsen, aber uns ist das Gemeinschaftsgefühl verloren gegangen, Fernsehen wieder gemeinsam zu erleben. Daher hab ich Leute wie Oliver Kalkofe, Oliver Welke, Bastian Pastewka, Michael Kessler gefragt, ob wir dieses Gemeinschaftsgefühl wieder aufleben lassen.
Das Fernsehen ist ja nicht schlecht. Es macht ja riesigen Spaß, wenn man das Fernsehprogramm selber macht. Vor einigen Jahren haben wir dann angefangen, unsere Lieblingssendungen gemeinsam zu schauen und daraus ist dann der „gernsehclub“ entstanden.
Womit erklären Sie sich den Erfolg des „gernsehclubs“? Haben die Menschen eine Sehnsucht nach der klassischen Fernsehwelt ohne Werbeunterbrechungen und knallbunte Trailer?
Ich glaube nicht mal, dass es die Werbung ist. Es ist eher das Erlebnis in einem Raum mit anderen etwas zu gucken, darüber zu sprechen, direkt Feedback zu geben und sich ein Urteil zu bilden. Das macht zu zweit, zu dritt, zu zehnt oder mittlerweile zu Hundert viel mehr Spass.
Durch Social Media wie Facebook und Twitter gibt es die Tendenz, dass „Tatort“-Folgen oder große TV-Ereignisse wie Fußball oder die Superstar-Sendungen live von den Zuschauern bei Twitter und bei Facebook kommentiert werden. Da entspinnt sich oft eine rege Diskussion, aber diese ist natürlich ohne direkten persönlichen Kontakt. Wie stehen Sie dazu?
Ich finde das grundsätzlich gut. Die Diskussionen bei Twitter sind ja sehr charmant. Zu gesellschaftlichen Anlässen wird ja nicht – wie sonst oftmals der Fall – nur privater Sermon zum Besten gegeben, sondern man hat ein direktes Thema. Das finde ich gelegentlich sehr unterhaltsam.
Würden Sie denn im „gernsehclub“ eine Twitterwall aufstellen?
Wir hatten das schon überlegt, ob wir Twitter in die Moderation einbeziehen. Klar wäre es interessant, die Leute von außen einzubeziehen, allerdings ist das aufwendiger, weil wir dann per Livestream auch den Zugang von außen bieten müssten. Jetzt am Anfang wollen wir den Leuten erstmal den großartigen Spaß am gemeinsamen Fernsehen wiederbringen. Es ist ja allein schon toll, wenn die Leute das heimische Sofa verlassen, rausgehen und zusammen Fernsehen gucken.
Am Mittwoch findet bei Ihnen das 40jährige Jubiläum von Monty Python im „gernsehclub“ statt. Monty Python hat sich auch immer durch eine sehr subversive Art von Humor ausgezeichnet, haben die Queen, die Politik und die Gesellschaft durch den Kakao gezogen. Brauchen wir wieder mehr solchen „subversiven“ Humor im deutschen Fernsehen?
Monty Python hat schon vor 40 Jahren einen Standard gesetzt im Bereich der Unterhaltungskultur. Die haben zeitlose Comedy geschaffen und zugleich Grenzen austariert. Diese Reibung braucht gute Comedy. Man kann sich die heute noch anschauen und hat zudem überhaupt keinen störenden Zeitbezug. Das ist nur bei ganz wenigen, wie zum Beispiel Loriot oder eben Monty Python der Fall. Das zeichnet für mich echte Kult-Comedy aus.
Vielen Dank für das Gespräch.
Jörg Strombach ist Geschäftsführer von fairmedia und Initiator des gernsehclubs
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