Solarenergie Röttgen gefährdet 15.000 Arbeitsplätze in Thüringen

von Redaktion - 07.02.2010
Die schwarz-gelbe Bundesregierung sägt dieser Tage kräftig an einem der nachhaltigen Wachstumsmotoren der deutschen Wirtschaft. Die vom CDU-Umweltminister Röttgen geplante zusätzliche Absenkung der Einspeisevergütung für Solarstrom gefährdet wichtige Investitionen und tausende Arbeitsplätze.

Allein in Thüringen sind rund 15.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt betroffen. „Die geplante Absenkung ist zu hoch und kommt zu früh“, fasste Thüringens SPD-Wirtschaftsminister Matthias Machnig die irrwitzigen Planungen der konservativen Bundesregierung zusammen.

Auch der Erfurter Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider ist höchst besorgt: „Die aktuellen Pläne der Bundesregierung, die Vergütung für Solarstrom in diesem Jahr noch weiter zu kürzen, sind mit unkalkulierbaren Risiken für die Unternehmen verbunden. Vielen Beschäftigten droht der Verlust des Arbeitsplatzes. Außerdem gefährden die Pläne der Regierungskoalition aus CDU, CSU und FDP einen wichtigen Standortvorteil Thüringens und des gesamten Ostens“.

Der energiepolitische Sprecher der Thüringer Landtagsfraktion  und Gewerkschafter Frank Weber kritisiert, dass eine derart drastische Kürzung der Solarförderung in drastischer Weise Arbeitsplätze gefährde: "In diesen Tagen ist somit nicht nur die einhundert-Tage-Grenze der schwarz-gelben Bundesregierung überschritten, sondern es wird immer deutlicher: schwarz-gelb steht für die antiquierte Atom-Lobby, die SPD setzt auf die Zukunft mit erneuerbaren Energien einen nachhaltiges Wachstum mit sicheren Arbeitsplätzen zu unterstützen."

 

 

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Channel: Umwelt und Energie  
Bundesland: Thüringen  

Hallo, in Ihrer Rechnung

Bild von Sascha Mann

Hallo,

in Ihrer Rechnung vergessen Sie was: Sie sagen,dass PV in Deutschland nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. Wie kommen Sie zu diesem Urteil? Vergleichen Sie die Einspeisevergütung mit den Preisen an der Strombörse? Diese momentan populäre Methode übersieht leider, dass die VOlkswirtschaft neben dem Strom an der Strombörse noch über Steuern die Atom- und Kohlekraftwerke in einem solchen Maße subventioniert wird. Je nachdem welche Quellen SIe zu Grunde legen, machen diese Subventionen wenige Cent bis hin zu 2-3 EUR pro kWh aus. Die Wettbewerbsfähigkeit von der PV sieht unter Berücksichtigung dieser Subventionen schon anders aus. BEreits in 1-2 Jahren wird die Einspeisvergütung Grid Parity erreichen, d.h. die Einspeisvergütung wird niedriger sein als der Bezugspreis für Strom aus dem Netz und somit wird es lohnenswert, den Strom selbst zu verbrauchen. Die Wirtschaftlichkeit kommt auch in Deutschland - auch wenn die Einstrahlungswerte nicht so hoch sind wie im Süden. Denn absolut betrachtet reicht die Einstrahlung in den meisten Regionen Deutschlands dicke aus. Eine regionale, dezentrale Versorgung macht uns zusätzlich unabhängig von Energieimporten aus dem AUsland.

Die Aussage, dass PV nur für die "Reichen" zu haben ist, teile ich nur bedingt: Die Kleinanlage auf dem Dach wird wohl ziemlich jede Bank finanzieren, da die Erträge sicher sind, und diese als Sicherheit abgetretet werden können.

Ich denke Sie sollten noch einige Informationen einholen und so Ihre Skepsis überwinden :)

Nur teilweise richtig

Bild von Peter-Christian Zinn

Es ist sicherlich richtig, dass auch andere Energieformen mit teils hohen Subventionen gefördert werden. Die kernenergie, die heutzutage ja so billig angeboten werden kann, wie es uns die Energieversorger weiß machen wollen, verdankt dies nur einer massiven Förderung seit fast 40 Jahren. Ein großer Fehler, wie sich nun herausgestellt hat. Deshalb sollte man nun nicht hergehen und auch Solarkraftwerke (in welchem Maßstab auch immer) mit den gleichen Subventionen versehen, welche sich meiner festen Überzeugung nach auch in einiger Zeit (dann nämlich, wenn wir mit wirklich billigem Strom aus großen Solarkraftwerken in der Sahara oder aus Offshore-Windkraftanlagen im Atlantik versorgt werden) als genau so verfehlt herausstellen werden. Wieso sollte denn bitte eine Technologie dort gefördert werden, wo sie kaum etwas bringt? Als kurzes Zahlenbeispiel sei nur der Vergleich zwischen Einstrahlungsleistung in Deutschland (ca. 1000 kWh pro Jahr und Quadratmeter) und in Kalifornien (2200 kWh pro Jahr und Quadratmeter) genannt. Für die Sahara ergibt sich wegen der noch südlicheren Lage ein Wert von ca. 2800 kWh pro Jahr, also fast dreimal so viel wie in D, was sich direkt auf die Investitionskosten und also auch den Strompreis auswirkt (von der entwicklungspolitischen Seite mal ganz zu schweigen! Die gesamte verarmte Maghreb-Region könnte durch Energieexporte eine echte Chance zum Anschluss an die westliche Welt erhalten.).
Zu den Kleinanlagen auf Hausdächern, die ja jede Bank finanziert, möchte ich nur noch anmerken, dass man dazu erst mal ein Hausdach haben muss!

richtige Maßnahme, falsche Umsetzung

Bild von Peter-Christian Zinn

Die Erzeugung von Strom mittels Fotovoltaik (oder sonst einer sonnengestützten Technik) ist in Deutschland völlig unwirtschaftlich. Schlicht aus unserer geografischen Lage heraus ergibt sich, dass hier nur gut die Hälfte der Einstrahlungsleistung erzielt werden kann wie in weiter südlich gelegenen Ländern. Das deutsche Schmuddelwetter tut sein Übriges. Eine Versorgung Deutschlands mit hier produziertem Solarstrom ist somit aus physikalischer, konstruktiver und volkswirtschaftlicher Sicht einfach nur Unfug. Solarkraftwerke gehören in die Regionen der Welt, in denen sie effektiv genutzt werden können, sicher nicht auf deutsche Dächer oder Äcker. Daher ist eine Kürzung der Einspeisevergütung ein völlig richtiger Schritt, die sinnlose Erzeugung von Solarstrom in Deutschland einzudämmen.
Außerdem stellt ein guter Teil der derzeitigen Finanzierung der Einspeisevergütung eine einseitige und unsoziale Bevorteilung derjenigen Menschen dar, die finanziell in der Lage sind, sich eine Solaranlage leisten zu können. Eine Investition von 20.000 Euro in eine hauseigene Solaranalage stellt aufgrund der horrenden Einspeisevergütung ein finanziell sehr lukratives Unterfangen dar, auf Kosten aller(!) Stromverbraucher.

Auf der anderen Seite ist Deutschland einer der Weltmarktführer für Solarprodukte. Eine Stellung, die es auf jeden Fall zu erhalten gilt. Daher muss die Bundesregierung in Person von Herrn Röttgen anstatt in Stromproduktion mit nun konsequent in Forschung und Entwicklung von Solarzellen oder solarthermischen Kollektorelementen investieren, damit vielversprechende Energieversorgungsprojekte wie Desertec mit führender deutscher Beteiligung den Grundstein für eine Versorgung Europas mit regenerativer Energie legen können. Deutschland muss weiter führender Produzent von Solarzellen sein, als Produzent von Solarstrom ist Deutschland jedoch ungeeignet.

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