Ob gute, schlechte oder prekäre Arbeit: Tatsache ist, wer in Deutschland vom Arbeitseinkommen lebt, lebt vergleichsweise schlecht. Im ersten Halbjahr 2008 lag die Lohnsteuerlast auf Einkommen bei 18,6 Prozent.
Einkommen aus Vermögen steigen, Lohnquote geht weiter zurück
Die Steuerbelastung auf Gewinn- und Vermögenseinkommen dagegen liegt lediglich bei neun Prozent. „Gemessen am gesamten Steueraufkommen machten Steuern auf Gewinne und Vermögenserträge lediglich ein gutes Fünftel des gesamten Steuervolumens aus - Anfang der 60er-Jahre lag der Anteil noch bei einem guten Drittel“, so der Verteilungsexperte Claus Schäfer vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans-Böckler-Stiftung.
Nach dem neuen WSI-Verteilungsbericht sind Einkommen aus Gewinnen und Vermögen brutto wie netto noch einmal gestiegen und erreichten einen historischen Spitzenwert: „2007 machten sie netto 34 Prozent des privat verfügbaren Volkseinkommens aus, im ersten Halbjahr 2008 waren es 35,8 Prozent.“ 1960 lag diese Einkommensart bei 24,4 Prozent, 1990 bei 29,8 Prozent. Schäfer: „Besonders stark wuchsen dabei zuletzt die Unternehmensgewinne.“
Trotz Aufschwung: Prekäre Arbeit nimmt zu
Schlechter hingegen sieht es bei den Arbeitseinkommen aus. Selbst der Aufschwung in seiner Spätphase konnte den langjährigen Schwund beim Kaufkraftpotenzial der Arbeitseinkommen nicht umkehren, so Schäfer: „Die Lohnquote ging brutto weiter zurück.“ Nach Abzug von Steuern und Beiträgen stieg sie 2007 im Vergleich zum Vorjahr auf 41,2 Prozent zwar etwas an. Bereits im ersten Halbjahr 2008 sank sie mit 39,3 Prozent aber wieder unter das Niveau von 2006, das bei 40,6 Prozent lag. „Vor 1990 erreichte sie jahrzehntelang noch über 50 Prozent.“
Noch schlechter geht es wiederum den so genannten „Aufstockern“. Aus einer neuen Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor, das die Zahl der Menschen, die voll oder in Teilzeit arbeiten und zur Sicherung des Existenzminimums zusätzlich Arbeitslosengeld II (Hartz IV) beziehen müssen, auch im Jahr 2008 weiter gestiegen ist. Die Zahl der Aufstocker, deren Arbeit mindestens 800 Euro brutto im Monat einbringt, habe sich von Januar bis Juli 2008 von 369.597 auf 384.467 Personen erhöht. Auch die Zahl der Aufstocker, deren Bruttoverdienst zwischen 400 und 800 Euro betrug, habe in diesem Zeitraum um fast 12.000 auf 243.550 zugelegt, zitiert die „Süddeutsche Zeitung“.
Resultat: Sinkende Kaufkraft schwächt Binnenkonjunktur
Die Folge sind unter anderem große Probleme für die Konjunktur, erklärte Schäfer: "Die unterentwickelte Binnennachfrage wird die nachlassende Auslandsnachfrage nicht kompensieren können. Auch deshalb werden die hohen Gewinne nicht in reale Anlagen reinvestiert."
Die Studie zum download: www.boeckler.de
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