Toralf Staud, Holger Kulick: Das Buch gegen Nazis Ratgeber gegen rechts

von Kai Doering
Die Feder ist mächtiger als das Schwert. Diese Lehre haben sich die Herausgeber des „Buchs gegen Nazis“, Holger Kulick und Toralf Staud, zu Nutze gemacht. In 70 kurzen wie prägnanten Kapiteln stellen sie dar, was Rechtsextremismus ist, was man über ihn wissen muss und wie man sich effektiv wehren kann.

Ihr Buch gliedert sich in die drei Bereiche „Wissen“ (Was will eigentlich die NPD? Sind alle Skinheads rechsextrem? Gibt es bei den Neonazis auch Frauen?), „Handeln“ (Darf man Hakenkreuze übermalen? Soll man Nazis aus dem Sportverein werfen? Sind Sitzblockaden eigentlich strafbar?) und „Erkennen“. Hier werden Symbole mit Bezug zum Nationalsozialismus gezeigt und erklärt und die Kleidungsmarken der rechtsextremen Szene analysiert.

Das knapp 300 Seiten starke Handbuch ist hervorgegangen aus dem Internet-Portal „Netz gegen Nazis“, das die ZEIT im Mai 2008 ins Leben rief. Die besten Beiträge aus Lexikon und Forum haben nun den Weg zwischen zwei Buchdeckel geschafft. Zum Glück, denn mit dem „Buch gegen Nazis“ legen Kulick und Staud eine hervorragende Hilfestellung für den Kampf gegen rechts vor.

Auf jede Frage die passende Antwort

Das große Plus des Buchs: Es bietet für jeden etwas Passendes. So kann sich derjenige, der noch wenig über NPD, Kameradschaften und „Neue Rechte“ weiß, recht schnell einen Überblick über die rechte Szene verschaffen. All denjenigen, die eine spezielle Frage haben, hilft das Buch als Nachschlagewerk und erlaubt einen gezielten Zugriff auf die gesuchten Informationen. Daneben bietet eine umfangreiche Linksammlung am Ende jedes Kapitels die Möglichkeit, sich schnell und gezielt über das „Buch gegen Nazis“ hinaus zu informieren.

Für Kommunalpolitiker lohnt sich die Lektüre des Kapitels „Im Gemeinderat sitzt neuerdings die NPD – wie können Lokalpolitiker reagieren?“ besonders. Hier geben die Autoren Tipps, die ebenso einfach wie wertvoll sind. Doch auch bei rechtlichen Fragen im Umgang mit Neonazis leistet das Buch erste Hilfe.

Eine deutliche Wirkung hat das „Buch gegen Nazis“ übrigens bereits gezeigt. So wollten Produzenten der umstrittenen Kleidungsmarke „Thor Steinar“ den Vertrieb des Ratgebers im vergangenen Herbst gerichtlich verbieten lassen. Das Landgericht Köln wies ihre eingereichten einstweiligen Verfügungen jedoch zurück.

Toralf Staud, Holger Kulick: Das Buch gegen Nazis. Rechtsextremismus – Was man wissen muss und wie man sich wehren kann, Kiepenheuer & Witsch 2009, ISBN: 978-3-462-04160-6, 12,95 Euro

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