Heinrich-Böll-Preis Preis für Uwe Timm

von Bernhard Spring - 30.12.2009
Der diesjährige Heinrich-Böll-Preis, der mit 20.000 Euro dotiert ist und von der Stadt Köln im Gedenken an den Nachkriegsautor und Nobelpreisträger Heinrich Böll im zweijährigen Rhythmus verliehen wird, geht in diesem Jahr an den Schriftsteller Uwe Timm.

Die Entscheidung der Jury löste unter deutschen Literaten wenig Überraschung aus, denn Timm gehört seit seinem Debütroman „Heißer Sommer“, der im Jahr 1974 erschien und als eine der wenigen literarischen Bearbeitungen der Jugendrevolte der 68er deutscher Sprache gilt, zu den herausragenden Autoren der Bundesrepublik.

Der 1940 in Hamburg geborene Timm erlebte die Studentenunruhen unmittelbar während seines Philosophie- und Germanistikstudiums in München und Paris, beteiligte sich aktiv im Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) sowie bei der Besetzung der Münchner Universität und begann seine literarische Laufbahn als Verfasser von Agitprop-Texten und Straßentheaterstücken. Mit „Heißer Sommer“ erreichte er erstmals eine breite Leserschaft, die ihm seitdem erhalten geblieben ist.

Auseinandersetzung mit Studentenrevolte

Es folgten mit den Romanen „Kerbels Flucht“ (1980) und „Rot“ (2001) Texte, die sich mit den gesellschaftlichen Veränderungen der Studentenrevolten auseinandersetzen und gern als „68er-Trilogie“ bezeichnet werden. Doch Timms Oeuvre lässt sich nicht allein auf diese Thematik beschränken, sondern umfasst neben zahlreichen, durchaus erfolgreichen Kinderbüchern wie das „Rennschwein Rudi Rüssel“ (1989) hauptsächlich Romane und Erzählungen, die sich auf oft humorvolle Weise mit der deutschen Vergangenheit auseinandersetzen. So greift beispielsweise der später auch verfilmte Roman „Morenga“ (1978) den Herero-Aufstand in Namibia während der deutschen Kolonialzeit auf.

Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur

Timms bekannteste Arbeiten aber, „Die Entdeckung der Currywurst“ (1993) und „Am Beispiel meines Bruders“ (2003), thematisieren die nationalsozialistische Vergangenheit aus kleinbürgerlicher, individueller Perspektive und stellen somit einen literarischen Beitrag zur deutschen Erinnerungskultur dar, der „das Kleine im Großen und das Große im Kleinen“ anschaulich und zugleich unterhaltend vor Augen führt, wie die Jury ihre Entscheidung begründend anführte.

Ebendiese „kunstvolle Verschränkung von Historischem mit Poetischem“, die „den Zugang zu neuen Erkenntnissen“ ermögliche, bewegte die Jury um Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters, Timm den diesjährigen Böll-Preis in Würdigung seines Lebenswerkes zu verleihen.

 

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