In Deutschland interessieren sich nach eigenen Angaben rund 75 Prozent grundsätzlich für Politik. Paradoxerweise können sich gleichzeitig aber auch 45 Prozent vorstellen, nicht wählen zu gehen. So lag die Wahlbeteiligung, bei der Bundestagswahl im September gerade noch bei 72 Prozent. Obwohl sich also eine große Mehrheit für Politik interessiert, schafft diese es immer weniger, die Menschen zu überzeugen. Viele wenden sich enttäuscht ab. Es gibt immer weniger Wähler. Die etablieren Parteien verlieren immer weiter an Mitgliedern.
Der Politikwissenschaftler Dr. Serge Embacher kommt in seiner neuen Studie zu dem Fazit: Falls sich die Politiker nicht ändern, werden sie sich immer weiter von den Menschen entfernen. Wenn sich die Politik allerdings verändert, dann können Bürger und Politiker auch wieder zueinander finden.
Vier Faktoren für Politikverdrossenheit
Für Embacher gibt es aktuell vier Faktoren, die zu der zunehmenden Politikverdrossenheit führen. Erstens gehen der Alltag der Gesellschaft und der Elite immer weiter auseinander. Viele Politiker haben kaum noch Kontakt mit Menschen außerhalb der Politik- und Geschäftswelt. Dies führe zu einer Parallelwelt, in der sich beide Seiten kaum noch verstehen, so Embacher
Als zweiten Grund sieht der Wissenschaftler eine herrschende Postdemokratie. Darunter ist ein Funktionieren der Demokratie zu verstehen, unter welcher jedoch die Qualität der Politik leidet. So wurden „die Privatisierungen der Bahn, die Deregulierung, die Schwächung der Gewerkschaften sowie das Anwachsen der ökonomischen Macht mit demokratischen Mitteln gegen die Bevölkerung durchgesetzt.“, kritisiert Embacher.
Als dritten Grund nennt der Politikwissenschaftler einen immer stärkeren Vertrauensverlust in die Politik. Vor allem die von Politkern selbst erzeugten zu hohen Erwartungen führten immer wieder zu Enttäuschungen.
Als vierten Grund führt Embacher das geringe Vertrauen der Ostdeutschen in die Demokratie an. „Wer seit zehn Jahren arbeitslos ist, vorher jedoch immer gearbeitet hat, kann kein Vertrauen in die Demokratie entwickeln.“
Die Lösung liegt der Studie zufolge in der Rückkehr zu einem sozialeren Deutschland. Die These von Embacher lautet: „Je sozialer Deutschland desto höher das Vertrauen in die Demokratie“. Wenn die Menschen wieder das Gefühl haben, dass es in Deutschland gerecht zugeht, dann wachsen auch die Sicherheit und der Glaube in das politische System, so Embacher.
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