„Wer das liest, wird eins nicht finden: dass ich Mitglieder aus der SED oder wen auch immer, mit Nazis verglichen habe. Das war nie die Absicht, das habe ich vor allen Dingen aber auch nicht getan“, stellte Platzeck klar. Er habe in diesem Essay auch mit keinem Satz gesagt, dass er es für richtig halte, Leute wie Globke, Oberländer, Kiesinger oder Filbinger in hohe Staatsämter zu holen, so Platzeck bezogen auf die NS-Vergangenheit einiger ehemaliger Politiker.
In seinem Essay hatte sich der brandenburgische Ministerpräsident für eine Versöhnung mit ehemaligen SED-Anhängern ausgesprochen und diese als überfällig bezeichnet. Dabei verwies Platzeck auf das Versöhnungsangebot, das der frühere SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher in den 1950er Jahren ehemaligen Waffen-SS Mitgliedern gemacht hatte. Politiker von Linkspartei, CDU und der FDP hatten Platzecks Artikel mit unterschiedlichen Begründungen kritisiert.
Historie schafft Orientierungspunkte
Unterstützung erhielt Platzeck vom Martin Sabrow, Professor für Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität in Berlin. Platzeck habe in jenem Essay versucht, aus der Erkenntnis der Historie, aus der deutschen Vergangenheit, Orientierungspunkte für politisches Handeln zu gewinnen, so Sabrow im Deutschlandradio. „Das finde ich nicht nur legitim, sondern eigentlich selbstverständlich.“ Insbesondere die Geschichtswissenschaft betreibe ihr Gewerbe, um für die Weltorientierung in Gegenwart und Zukunft Stichpunkte zu liefern. Ein Vergleich sei dabei immer legitim. „Man muss nur sagen, was man vergleicht, auf welcher Grundlage und welchem Ergebnis.“
Dabei hat Sabrow Platzecks Aussagen nicht als direkten Vergleich verstanden. Vielmehr habe dieser eine Tour de raison gemacht, in der er unter anderem die Frage berührte, wie denn Mitglieder der Waffen-SS in den frühen 50er-Jahren von Kurt Schumacher empfangen wurden und wie Schumacher den Protest, den er dafür geerntet hat, abgefangen hat. Der Historiker spricht sich ebenfalls für eine bessere Integration der DDR-Eliten aus, „wenn dabei die historische Wahrheit nicht auf der Strecke bleibt.“
Quellen: RBB-Online, Deutschlandradio,
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