Das Fragezeichen wurde zu Recht gesetzt. „Chancengerechtigkeit in der Studienfinanzierung?“ lautet der Titel der Studie, die das Institut für Demoskopie im baden-württembergischen Allensbach im Auftrag des Reemtsma Begabtenförderungswerks vorgelegt hat. 4005 angehende Abiturienten und Studenten im ersten bis vierten Semester wurden zu ihren Studienwünschen und zu dessen Finanzierung befragt. Das Ergebnis: Von einer Chancengerechtigkeit kann kaum eine Rede sein.
69 Prozent der Befragten nannten eine zu hohe finanzielle Belastung als wichtigstes Argument gegen ein Studium. Auch die Angst vor einer Verschuldung durch Bafög-Darlehen, Studiengebühren und einen verspäteten Eintritt ins Arbeitsleben sind für sie Gründe, Studienpläne zu verwerfen. Vor allem bei Abiturienten aus finanzschwachen Verhältnissen überwiegen die Argumente gegen einen Uni-Besuch. Nur 44 Prozent von ihnen streben ein Studium an. Von den Befragten aus materiell sicheren Verhältnissen wollen sich hingegen 79 Prozent an einer Hochschule immatrikulieren.
„unterdurchschnittlich erfolgreich“
Doch auch wer einmal eingeschrieben ist, bleibt nicht automatisch dabei. Der Studie zufolge zieht jeder zweite Student mit Finanzierungsproblemen einen Abbruch in Betracht. Bei Studenten ohne Geldsorgen ist es lediglich jeder fünfte. Diese Kluft wird noch vertieft durch die Tatsache, dass Studenten aus Akademikerfamilien auch bei der Vergabe von Stipendien weitaus bessere Chancen haben. Jeder zweite hat auf eine Bewerbung auch finanzielle Unterstützung erhalten. Stipendienbewerbungen von Studenten aus bildungsfernen Schichten sind hingegen „unterdurchschnittlich erfolgreich“.
Bereits Mitte Juni hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) den Zusammenhang zwischen Geld und Studienleistung deutlich gemacht. Laut DIW studieren Studenten, die den Bafög-Höchstsatz von derzeit 648 Euro erhalten, schneller und erfolgreicher als diejenigen, die mit demselben Betrag von ihren Eltern unterstützt werden. Bei geförderten Studenten, die nicht den Höchstsatz erhalten, könne die Studienabbruchquote deutlich verringert werden, wenn sie monatlich etwa 150 Euro mehr an staatlicher Förderung erhielten, so das DIW.
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