Nauroz in Afghanistan Neuer Tag, neues Jahr, neuer Frieden?

von Fariede Saberi - 17.02.2010
Das Neujahr 1389 (2010) wird in Afghanistan nach dem Sonnenkalender mit kulturellen Bräuchen gefeiert. Die Afghanen feiern das Fest "Nauroz" nach Jahren der Unterdrückung, einer Unzahl von Verboten und Beschränkungen des öffentlichen Lebens wieder bunt und mit vielen Festivals und Veranstaltungen. Neben Glück und Gesundheit wünschen sie sich für das kommende Jahr auch einen Neuanfang für Afghanistan.

Dam, dam, dam…“,  trommelt der Mann von dem Minarett der Moschee seines Viertels. Durch die Trommeln kündigt er den Jahreswechsel an. Man sieht, wie die Straßen von den Männern geschmückt werden. Eine Menschenmasse bewegt sich durch die Straßen und genießt den warmen Frühlingsduft. Auf dem Marktplatz des Viertels finden wie jedes Jahr ein Konzert und ein Theaterspiel statt. Während des Konzerts versammeln sich die Männer und tanzen gemeinsam den traditionellen Tanz „Attan“. Die Parks  sind voll von Familien, die zum Picknick gekommen sind.

Schon Tage vorher haben sich alle auf dieses Fest gefreut und Vorbereitungen dafür getroffen. Es beginnt mit diversen Vorfesten, Zeremonien und Musik. Vor dem Fest wird das Haus von oben bis unten blitzblank geputzt. Für die Essensvorbereitung treffen sich Frauen aus der Nachbarschaft und der Verwandtschaft und bereiten bestimmte Gerichte vor.  Dieses Zusammentreffen ist Tradition, denn nur bestimmte Gerichte werden gemeinsam gekocht, sie sind für dieses Fest „reserviert“. Alle werden an den Festvorbereitungen beteiligt, jeder  findet eine Aufgabe. Das Gemeinschaftsgefühl ist stark, man schottet sich nicht von Nachbarn und dem Umfeld ab, sondern genießt das Zusammensein.

Der Tag Nauroz

Unter den Kindern des Hauses werden auch Aufgaben verteilt. Aus Bohnen sollen Pflanzen heranwachsen, viele hartgekochte Eier sollen mit viel Liebe bemalt werden. Und zum Schluss sollen sieben Sachen, deren Bezeichnungen mit dem Buchstaben S beginnen, gesammelt werden. Mit dem Buchstaben S wird die Farbe Rot (Sorch) in Verbindung gebracht. Meistens werden Dinge mit roter Farbe ausgesucht.  Die rote Farbe steht für Gesundheit und Wohlbefinden. Diese Sammlung nennt man dann "Haftsin" (Sieben S).

Nach ausgiebigem Vorlauf toben die Kinder am Tag Nauroz (wörtlich: „Der neue Tag“) durch das ganze Haus. Die Spannung ist groß, denn an diesem Tag kommt die Groß-Familie zusammen, eine Gelegenheit auch ansonsten weiter weg lebende Familiemitglieder zu sehen.

Der „Zufreh“ (ein großes Tuch/liegt auf dem Boden) wird am Vortag gedeckt und alle Familienmitglieder versammeln sich darum. Darauf sind der heilige Koran, die Haftsin, die nun herangewachsene  Pflanze aus Bohnen, die bemalten Eier, ein Spiegel, eine mit Wasser gefüllte Vase und die vielen verschiedenen Speisen platziert.

Einige dieser Dinge sind Symbole. Die Pflanze  für ein neues Leben und einen Neuanfang. Mit Beginn des neuen Jahres soll die Chance für einen Neuanfang für jeden Menschen gegeben sein, um sein Leben nach eigener Wunschvorstellung zu leben. Die mit Wasser gefüllte Vase steht für Reinheit und Weisheit, die die Menschen in das neue Jahr begleiten sollen. Der Spiegel steht für Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit.


Channel: Ausland  
AutorIn: Fariede Saberie  

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