Husar, Maihold, Mair: Neue Führungsmächte: Partner deutscher Außenpolitik? Neue Führungsmächte

von Jerome Cholet - 27.12.2009

Husar, Jörg./ Maihold, Günther/ Mair, Stefan (2009): Neue Führungsmächte: Partner deutscher Außenpolitik?, Baden-Baden: Nomos-Verlagsgesellschaft, 310 Seiten, 44,- €.

Das Werk ist Teil der Reihe Internationale Politik und Sicherheit, Band 62.
 

Die Volksrepublik China hat die Bundesrepublik Deutschland als zweitgrößte Volkswirtschaft im globalen Ranking abgelöst, Indien stellt die größte Demokratie der Welt dar, Brasilien bemüht sich um Frieden in Lateinamerika und Südafrika glänzt als Musterland für Stabilität in Afrika. Jenseits der Supermacht USA, aber auch der Großmächte Frankreich, Großbritannien und Russland nehmen neue Führungsmächte eine immer wichtigere Rolle ein.

Sie verändern die Weltpolitik, das Zusammenspiel der Staaten, der Regionen und die großen internationalen Organisationen wie die UNO, den Internationalen Währungsfonds (IMF) und die Welthandelsorganisation (WTO). Gerade beim anstehenden Klimagipfel zeigt sich, dass die globalen Probleme ohne China oder Brasilien beispielsweise, nicht mehr zu lösen sind.

In den letzten Jahren ist es daher zu zahlreichen Untersuchungen über die Bedeutung von Staaten wie Australien, China, Indien, Indonesien, Iran, Brasilien, Mexiko, Südafrika, Ägypten und Nigeria gekommen. Sie wurden als regionale Führungsmächte, als Mittelmächte, Ankerländer oder Schlüsselstaaten bezeichnet. Ohne sie geht nichts mehr, mit ihnen vieles besser. Doch was sie genau auszeichnet, welche Positionen sie vertreten und wie mit ihnen zusammengearbeitet werden kann, blieb lange unklar.

Blick hinter die Kulissen

Günther Maihold, stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts der Stiftung Wissenschaft und Politik und seine Kollegen Jörg Husar und Stefan Mair haben daher einen neuen Sammelband vorgelegt, der einen Blick hinter die Kulissen der neuen Führungsmächte wagt und ihre Positionen mit denen der deutschen Außenpolitik vergleicht. „Die neuen Führungsmächte sind nicht nur unter dem Gesichtspunkt ihres wachsenden ökonomischen Gewichts als Zukunftsmärkte oder Ressourcenquelle bedeutsam. Sie üben auch Einfluss in den Ländern ihrer Region aus und verschaffen sich immer mehr Gehör auf internationaler Ebene,“ so die Herausgeber. Sie verbinden mit Staaten wie China, Indien, Brasilien und Südafrika die Hoffnung einer angemesseneren und  effizienteren Demokratisierung, Stabilisierung und Entwicklung der Welt. Zudem messen sie ihnen große Bedeutung als Leitbild für die zukünftige Gestaltung von Weltpolitik zu. „Für die deutsche Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik sind diese Länder mögliche Partner bei der Gestaltung globaler Strukturpolitik und den Bemühungen um internationale Friedenssicherung.“

In ihrem Buch definieren Maihold und Husar neue Führungsmächte als „Staaten, die aufgrund ihrer Handlungskompetenz und ihres Leistungsvermögens imstande sind, in bestimmten Feldern der internationalen Politik Initiativen zu gestalten, Verantwortungsgemeinschaften zu koordinieren und Blockadepotenzial zu mobilisieren,“ gerade beim Klimaschutz, im Umgang mit Konflikten, Armut, Migration und bei der Bekämpfung des Terrorismus.

In Fallstudien nimmt der Sammelband eine Bestandaufnahme des Machtpotenzials, der Rolle und des Selbstbildes von sieben neuen Führungsmächten vor. Dabei wird einerseits auf ihre militärischen, wirtschaftlichen und institutionellen Kapazitäten geschaut, andererseits auf ihre innere Verfasstheit und ihre Außenpolitik. Gleichzeitig wird die Komplementarität ihrer Positionen mit denen der Industrieländer überprüft. Mit wem lässt sich in der globalen Finanzkrise zusammenarbeiten? Wer trägt zur Terrorismusbekämpfung bei? Wer kann beim Einsatz für Frieden in Afrika helfen? Wer ist beim Klima- und Umweltschutz unabdingbar? Und wer zieht mit der Bundesrepublik Deutschland bei der Reform der Vereinten Nationen an einem Strang? Zudem liefert das Buch vier Feldstudien, die anhand konkreter Politikbereiche die Rolle der neuen Führungsmächte beleuchten. So bei der weltweiten Förderung von Demokratie und Menschenrechten, bei der Prävention von Krisen und Konflikten, bei der Klimapolitik und beim Welthandel. 

Wichtige Partner für morgen

Insgesamt kommen die Autoren dabei zu dem Schluss, dass vor allem Brasilien, Südafrika und Indien wichtige Partner von morgen sein werden, weil sie als gefestigte Demokratien gelten und ähnliche Vorstellungen vertreten wie die Bundesrepublik Deutschland. Als größte Blockierer werden sich wohl der Iran, China und Malaysia entpuppen. Die Bundesrepublik sollte also ihren Fokus über die Vereinigten Staaten von Amerika und die Europäische Union hinaus öffnen, die Zusammenarbeit ausbauen und Synergien nutzen.

Der Sammelband „Neue Führungsmächte: Partner deutscher Außenpolitik?“ bietet einen umfassenden Überblick für alle, die sich mit dem Vorwissen aus Rundfunk und Zeitung einmal systematisch den aufsteigenden Staaten wie China, Indien, Brasilien aber auch Iran und Südafrika zuwenden wollen. Dabei führt das Buch in die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den aktuellen Problemen der internationalen Politik ein, referiert die wichtigsten Debatten und verliert doch nicht den Faden bei der Darstellung der Bedeutung der neuen Führungsmächte. Zwar ist der Band auf die wissenschaftliche Gemeinde zugeschnitten, bietet jedoch auch mutigen Neugierigen verständliche Zugänge und umfassende Informationen.

 
 

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