„Ein moderner Islam ist möglich!“ Davon ist die ehemalige SPD-Politikerin und Erfolgsautorin aus Köln überzeugt. Verhindert werde er von den selbsternannten Nachfolgern des Propheten Mohammed einerseits und von westlichen Politikern andererseits, die allzu willig den Herrschaftsanspruch der Hodschahs und Imame über die Seelen der Muslime anerkennen: „Die deutsche Politik (...) erweist sich als nützlicher Idiot für einen noch nie dagewesenen Identitätsterror der islamischen Funktionäre.“
Denn nirgendwo im Koran stehe geschrieben, schreibt Lale Akgün unter Berufung auf profunde Kenner des Islams, dass Frauen Kopftücher oder Burkas tragen müssen. Nirgendwo stehe geschrieben, dass Frauen in der Moschee sich mit bescheideneren Räumen begnügen müssen als Männer. Nirgendwo stehe, dass Frauen fremden Männern nicht die Hand geben dürfen.
Was ist islamisch?
Die Kernbotschaft des Islam sei nicht, dass alle Muslime einer Gemeinschaft – der Umma – angehören und sich zuallererst als Angehörige dieser Gemeinschaft zu verstehen hätten. Einer Gemeinschaft, deren Regeln von männlichen selbsternannten Koranauslegern festgelegt werden. Regeln, deren Wurzeln nicht in der göttlichen Botschaft des Korans liegen, sondern in den Gewohnheiten archaischer, streng patriarchalischer Gesellschaften. Regeln, wie sie ganz ähnlich übrigens auch noch bis vor kurzem in christlich-patriarchalischen Gesellschaften hochgehalten worden sind.
Diverse Islamverbände behaupten einfach, so Akgün, diese oder jene Regel sei „islamisch“. Diese dreiste Behauptung werde jungen Menschen, vor allem den Mädchen, in Koranschulen eingepaukt. Dabei sei es für die Imame eine große Hilfe, wenn westliche Politiker Moscheen und Iranschulen durch ihre Besuche – etwa beim Fastenbrechen – aufwerten und die Islam-Funktionäre zu Konferenzen einladen, wo sie erklären dürfen, was „islamisch“ ist.
Dabei sei der Islam im Kern „die Religion mit der geringsten Distanz zwischen dem Gläubigen und Gott“. Eine Religion, die ohne Priesterkaste auskommen könnte, ginge es Religionen nicht immer auch um Volkserziehung, um, so Akgün, „Zivilisierung durch Tugenden.“
Den Islam in seiner Zeit sehen
Die speziellen Zivilisierungsbemühungen des Islams bezogen sich auf arabische, archaische Gesellschaften des siebten bis neunten Jahrhunderts und müssen, schreibt Akgün, im diesem Kontext verstanden werden. An jenem Ort zu jener Zeit sei es zum Beispiel Sklavinnen verboten gewesen, ihr Haar zu bedecken. Vor diesem Hintergrund werden die Bekleidungsregeln des Islam verständlich. Aber auch nur vor diesem Hintergrund. Im 21. Jahrhundert, in Europa, hingegen sei die vom Imamen formulierte Vorschrift, Frauen hätten ihr Haar in der Öffentlichkeit vollständig zu bedecken, völlig unsinnig und nur als Mittel zu verstehen, Frauen zu disziplinieren. So ist das Kopftuch „nicht irgendein Tuch, es ist ein Tuch, mit dem Frauen die Ohren zugehalten werden, die Luft abgeschnürt wird“.
In Akgüns Auslegung des Islam ist der gläubige Moslem gehalten, seinen Verstand zu benutzen und die poetischen Texte des Koran im Kontext heutiger gesellschaftlicher Normen zu interpretieren. Dabei habe sich kein Imam und kein Islamverband zwischen den Gläubigen und Gott zu stellen. 49 Mal finde sich im Koran das Wort „Vernunft“ oder „Verstand“. Höchst überfällig sei es, den Koran so verständlich zu übersetzen, wie Luther einst das neue Testament durch seine Übersetzung ins Deutsche verständlich und jedem zugänglich gemacht hat.
Debatte über die Kernbotschaften des Islams
Ein Anfang ist gemacht, mit diesem Buch. Lale Akgün pflegt eine klare, direkte Sprache. Sie holt die Debatte über die Kernbotschaften des Islams aus den theologischen Studierstuben und Gebetsräumen auf die Höhe des Küchentischs. Dabei schreckt sie nicht davor zurück, manches aus didaktischen Gründen zu wiederholen, was ihr besonders wichtig ist – und auch nicht vor der einen oder anderen Schnoddrigkeit.
Dies ist ein gut lesbares, streitbares, aber immer um Verständnis bemühtes Buch, ein gutes Stück praktisch angewandte Aufklärung, ein Buch, dem viele, viele Leserinnen und Leser zu wünschen sind – welchen Glaubens sie auch immer sein mögen.
Lale Akgün: Aufstand der Kopftuchmädchen. Deutsche Musliminnen wehren sich gegen den Islamismus, Piper 2011, 16,95 Euro, ISBN 9783492053815



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Rezension von Uwe Knüpfer zu Lale Akgün: Aufstand der Kopftuchmä
Dank für diese bildschöne und Rezension! Uwe Knüpfer hat den Nagel auf den Kopf getroffen.
Lale Akgüns Buch zeigt den Weg zu einem modernen, europäischen Islam. Dieser Weg wird mit Sicherheit - wie man übrigens schon an den ersten Kommentaren sieht - bekämpft werden. Bekämpft wird ein solches modernes Islamverständnis sowohl von rechts, von den Stimmen, die sich in der Folge und ermutigt durch das Buch von Thilo Sarazin offen rassistisch und als Islamhasser äußern und alle Menschen, gleich was sie sonst noch sind, über die Religion, "den Islam" definieren. Bekämpft wird dieser zeitgemäße Weg einer in der heutigen Zeit angekommenen Weltreligion von Islam-Verbänden, die im Windschatten der Sarrazin-Debatte ein Deutungsmonopol und damit Macht über das Leben von Menschen islamischen Glaubens gewonnen haben und diese Macht ausbauen wollen. Gefördert wird die Polarisierung durch die Blauäugigkeit der Mehrheitsgesellschaft, weil sie den bisher organisierten konservativen Islam fördert, in der Islamkonferenz und bei der Einführung von Religionsunterricht zweifelhafte Gesprächspartner als Wortführer akzeptiert und deren Einfluss weiter verstärkt. Ich habe die Sorge, dass in Deutschland eine rückwärts gewandte Islamisierung an Boden gewinnen kann.
Um so wichtiger ist es für die SPD, die der Tradition der Aufklärung verpflichtet ist, sich der Debatte für einen modernen, europäischen und säkularen Islam zu öffnen und diesen Diskurs offensiv zu unterstützen, ohne in alte, überwundene Debatten des Christentums und des Pro- und Antiklerikalismus zu verfallen.
Anke Brunn
Liebe Anke, was sollte denn
Liebe Anke,
was sollte denn das jetzt?
Auch, wenn Du meinen Namen vielleicht nicht einzuordnen weißt, wir haben uns oft genug in Köln bei Parteiveranstaltungen gesehen, und ich glaube kaum, dass Du, würdest Du mich von Angesicht sehen und Dich erinnern, jemals auf die Idee kämest, mich als rechts, als Islamhasser, als auch nur Mitglied eines Islamverbandes oder als blauäugig zu bezeichnen.
Ich kenne auch Lale Akgün gut genug, um sie in Sachen Islam einschätzen zu können.
Ich, liebe Anke, habe Islamwissenschaft studiert. Bei einem Professor, der nicht nur Professor der Philosophie war und über Heideggers Sein und Zeit habilitiert hat, sondern der auch noch den höchsten akademischen Grad der Schia hatte - und ich kann Dir versichern, der war alles andere als orthodox, konservativ und dogmatisch. Kannst Du diese Kenntnisse vorweisen? Kann Lale Akgün diese Kenntnisse vorweisen?
Glaubst Du, ein paar praktische Kenntnisse vom stets mit Nationalismus und der Förderung alter türkischer sozialer Bräuche gepaarten türkischen Staatsislam reichen aus, um über Islam räsonnieren zu können?
"Um so wichtiger ist es für die SPD, die der Tradition der Aufklärung verpflichtet ist, sich der Debatte für einen modernen, europäischen und säkularen Islam zu öffnen und diesen Diskurs offensiv zu unterstützen"
MIT WELCHEM RECHT, Anke?
Hast Du das mal gefragt?
Mit welchem Recht willst Du, eine deutsche Sozialdemokratin aus Köln, die weder Muslimin ist noch fundierte Ahnung vom Islam hat, formenden Einfluss nehmen auf eine 1.400 Jahre alte, weltweit verbreitete Religion, die in der Zeit ihres Bestehens höchste Kulturleistungen vollbracht hat, Leistungen, die auch die Bewunderung Goethes fanden?
Wenn Du schon vergleichen willst, dann kann ich ebenso gut vergleichen, nämlich Dich mit den Islamophoben, denn in einem Punkt seid ihr gleich: Ihr trachtet beide danach, den Muslimen vorzuschreiben, wie ihre Religion ist oder zu sein hat. Art. 4 GG, Anke, Freiheit der Religion und des Gewissens, wohlgemerkt, oder willst Du den Muslimen absprechen, dass sie ein Gewissen haben? Denn beides, Religions- und Gewissensfreiheit ist untrennbar miteinander verbunden. Da hat man niemandem rein zu reden.
Du meinst, man solle nicht mit den von Theologen zumindest beratenen Verbänden reden? Meinst Du auch, man solle mit den katholischen und evangelischen Verbänden und Theologen nicht reden? Möchtest Du vielleicht die Deutschen zur Entwicklung eines deutschen Katholizismus aufrufen - von den evangelischen rede ich nicht, denn Deutsche Christen hatten wir ja schon mal - und gegen Gespräche und Anwesenheit von Kardinal Meisner protestieren, weil der Empfängnisverhutung verdammt, Homosexuelle angreift und am Tag der unschuldigen Kinder die Kirchenglocken gegen Abtreibung läuten lässt, die, wie ich mich vage erinnere, wohl auch er schon mal mit Auschwitz verglichen hat? Besprich das doch mal mit Martin Börschel!
Die Verbände und Theologen sind das eine. Das praktische Leben ist das andere. Das ist im Islam genau so wie im Christentum. Und genau so ist es auch, dass die offiziellen Vertreter und Theologen immer orthodoxer und dogmatischer sind als die Gemeinden. Und trotzdem respektiert man sie und redet nicht in eine Religion hinein, der man nicht angehört.
"Der liebe Gott is janit esu", sagt der Kölner, wie Du sehr wohl weißt. Glaubst Du, die Muslime sagen das nicht? Hältst Du die für eine andere Sorte Mensch, weniger intelligent und weniger fähig, nach eigenem Gewissen zwischen theologischer Predigt und praktischem Leben zu unterscheiden? Weniger autonom? Wobei es bei ihnen noch nicht einmal Päpste, Priester und Bischöfe gibt? Und trotzden gehen die Katholiken in die Kirche, schicken ihre Kinder zur Kommunion und gehen beim Priester beichten und würden sich mit aller Entschiedenheit dagegen verwahren, würden sozialdemokratische Nicht-Katholiken auf die Idee kommen, ihnen einen Katholizismus nach ihrem politischen Geschmack zusammen basteln zu wollen. Oder betrachtest Du das chinesische Modell des Staatskatholizismus als Vorbild für den Umgang Deutschlands mit dem Islam?
Zur Religionsfreiheit, Anke, gehört auch, denen die kalte Schulter zu zeigen, die sie zu einer anderen Religion missionieren wollen, denn genau das steckt tatsächlich dahinter.
So. Und mal von all dem abgesehen halte ich solches Missionierungsbemühen auch politisch für ausgesprochen unklug (was ich lieber sagen würde, hab ich höflichkeitshalber gestrichen).
"Sie holt die Debatte über
"Sie holt die Debatte über die Kernbotschaften des Islams aus den theologischen Studierstuben und Gebetsräumen auf die Höhe des Küchentischs."
Es wäre gewiss hilfreich gewesen, hätte der Rezensent auch mitgeteilt, was denn lt. Lale Akgün die Kernbotschaft des Islam sein soll.
"Die Kernbotschaft des Islam sei nicht, dass alle Muslime einer Gemeinschaft – der Umma – angehören und sich zuallererst als Angehörige dieser Gemeinschaft zu verstehen hätten."
Zweifellos kann keiner Moslem sein, der nicht an Gott glaubt.
Jedoch ist das eine Voraussetzung, die - nehmen wir vielleicht mal den Buddhismus aus - so ziemlich für alle Religionen gilt.
Kommen wir aber mal auf die Unterschiede zwischen den Religionen zu sprechen, dann landen wir in Sachen Islam nun mal blitzschnell bei der umma, der Gemeinschaft.
Der Islam ist eine soziale Religion und bildet nun mal eine Gemeinschaft. Ohne die geht es nicht. Und versinnbildlicht wird das in der allen gemeinsamen Gebetsrichtung, nämlich nach Mekka, die ein Moslem bekanntlich 5 x am Tag einnehmen sollte.
Falls Lale Akgün die überragende Position der umma in ihrer Interpretation hintan fallen lassen möchte, so sind an dieser Interpretation doch erhebliche Zweifel anzumelden.
"Einer Gemeinschaft, deren Regeln von männlichen selbsternannten Koranauslegern festgelegt werden."
Es ist im Islam aber nun mal so, dass jeder Mann, aber auch jede Frau (Lale Akgün will das ja auch) sich zum Koranausleger ernennen kann. Das lässt der Islam zu. Er verpflichtet freilich niemanden dazu, dieser Auslegung auch zu folgen. Und wenn im Koran in der Tat viel von Verstand die Rede ist, dann im Zusammenhang mit der verpflichtenden Aufforderung, diesen zu gebrauchen, um eben nicht jedem, der irgend eine Lehre verkündet, zu folgen.
Allerdings, da ein anständiger Imam immerhin einige Jahre Theologiestudium hinter sich haben muss und auch fähig sein muss, den Koran im arabischen Original zu lesen und zu verstehen, sollte man ihm zuerkennen, dass eine Diskussion mit ihm fundierter und fruchtbarer ist als mit der Familie am Küchentisch, die beides nicht kann.
Der Islam, auch in Deutschland, ist bekanntlich überaus vielfältig. Mit Blick auf die im Grundgesetz verbriefte Religionsfreiheit muss folglich des öfteren festgestellt werden, was noch in das Spektrum Islam gehört und was nicht mehr. Und um hier zuverlässige und nachgewiesene Aussagen zu bekommen, die justiziabel sind, braucht man nun einmal Theologen mit Kenntnissen der islamischen Rechtswissenschaft (figh). Ich fürchte, per Abstimmung am Küchentisch ist so etwas nicht feststellbar.
"Dabei sei der Islam im Kern „die Religion mit der geringsten Distanz zwischen dem Gläubigen und Gott“."
Auch das ist eine Aussage, die mit größter Vorsicht zu genießen ist. Im Islam ist es meines Wissens nicht möglich, dass einer von Gott höchst persönlich den Auftrag bekommt, ein anderes Land mit Krieg zu überziehen, weil Gott dort keine persönlichen Aufträge erteilt. Der sprach bekanntlich noch nicht mal mit Mohammad persönlich; das tat Engel Gabriel. Unter diesem Aspekt von "geringster Distanz zwischen dem Gläubigen und Gott" zu sprechen, erscheint mir doch eher zweifelhaft. Freilich wird diese Distanz in der tatsächlich bis in die Theologie hinein verbreitete Mystik aufgehoben; allerdings unter Preisgabe der individuellen Persönlichkeit. Ich bezweifle aber, dass es das ist, was Lale Akgün sich vorstellt.
"Die speziellen Zivilisierungsbemühungen des Islams bezogen sich auf arabische, archaische Gesellschaften des siebten bis neunten Jahrhunderts und müssen, schreibt Akgün, im diesem Kontext verstanden werden."
Ich fürchte, auch das ist so nicht richtig. Denn so archaisch war schon die Gesellschaft der Mekkaner, mit der die großen Auseinandersetzungen stattfanden, nicht. Man sollte nicht dem Gerücht aufsitzen, der Islam sei unter Beduinen entstanden; er entstand in einer Stadtrepublik, so, wie es auch unsere mittelalterlichen Stadtrepubliken waren, mit regierenden Patriziern, deren 'Anhängseln' und den Underdogs, die im Grunde froh sein durften, wenn man sie leben ließ.
Das ist für die heutige Politik nicht unbedeutend. Denn die sozialen Strukturen ihrer Gesellschaftn - Ägypten und Tunesien als markante Beispiele - erinnern manch einen kundigen Moslem doch sehr an die sozialen Strukturen im vorislamischen Mekka. Das sollte man schon im Hinterkopf haben, will man verstehen, warum der politische Islam einen solchen Zulauf hat.
"So ist das Kopftuch „nicht irgendein Tuch, es ist ein Tuch, mit dem Frauen die Ohren zugehalten werden, die Luft abgeschnürt wird“."
Das sehen viele junge Frauen allerdings anders.
"Höchst überfällig sei es, den Koran so verständlich zu übersetzen, wie Luther einst das neue Testament durch seine Übersetzung ins Deutsche verständlich und jedem zugänglich gemacht hat."
Wie meinen?
Es gibt mindestens zwei hervorragende Koranübersetzungen ins Deutsche, die allen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen. Was hätte Lale Akgün denn gern noch mehr?
Islam ist vielleicht nicht so recht Lale Akgüns Metier.
Ich habe bei einem Professor studiert....
und das ist fein,jedoch nicht erforderlich,um sich in die Islamdebatte einmischen zu dürfen.
Denn das ist das Recht eines jeden Menschen,der sich für die Thematik interessiert und erst recht eines jeden Gläubigen,der seinen Koran in seiner Sprache auf dem Küchentisch,in der Manteltasche oder wo auch immer verwahrt,um darin zu lesen,darüber zu diskutieren und seine ganz eigenen Schlüsse zu ziehen.
Ihre merkwürdig verwirrt erscheindende Attacke gegen Inkompetenz in Sachen Islam erweist sich bei genauerer Betrachtung von eben jenem Geist beseelt gegen den die Autorin Lale Akgün in ihrem Buch Stellung bezieht.
Zur Auffrischung ihres mit Sicherheit sehr profunden Wissensbestandes empfehle ich nicht nur mehr Zutrauen zu den Küchentisch-Exegeten sondern auch ein wenig Mehr an neuerer Lektüre,wobei ich Ihnen insbesondere empfehle:"Religion fällt nicht vom Himmel",die ersten Jahrhunderte des Islams,von Andreas Goetze.
Allerdings setzt der Genuss dieses Werkes ein hohes Maß an Bereitschaft voraus,sich von orthodoxen Haltungen aller Art zu lösen,wozu ich Sie hiermit von Herzen ermuntern möchte.
Tut mir leid, aber über
Tut mir leid, aber über diesen ganzen Unfug, der letztlich christliche Apologetik ist und von der seriösen Islamwissenschaft gar nicht mehr zu Kenntnis genommen wird - ich habe mich erst vor wenigen Monaten bei einem jungen Islamwissenschaftler danach erkundigt - lasse ich mich nicht aus.
Ich beschränke mich lediglich darauf, dass schon die Grundvoraussetzung erfunden ist: die Islamwissenschaft hat niemals behauptet, der Koran sei vom Himmel gefallen. Das wäre auch reiner Blödsinn, denn der Koran selbst setzt sich ja mit verschiedenen religiösen Strömungen, die es zur Zeit Mohammads auf der arabischen Halbinsel und dem angrenzenden Syrien gab, auseinander.
Im übrigen ist es doch seltsam, dass keiner dieser Herrschaften auf die Idee kommt, dass es da von Byzanz her auch aristotelische Einflüsse gab. Wahrscheinlich, weil die so unchristlich sind.
Grob kann man sagen, das Christentum ist platonisch geprägt, der Islam aristotelisch. Und das ist ein fundamentaler Unterschied.
Ich habe bei einem Professor studiert....
und das ist fein,jedoch nicht erforderlich,um sich in die Islamdebatte einmischen zu dürfen.
Denn das ist das Recht eines jeden Menschen,der sich für die Thematik interessiert und erst recht eines denden Gläubigen,der seinen Koran in seiner Sprache auf dem Küchentisch,in der Manteltasche oder wo auch immer verwahrt,um darin zu lesen,darüber zu diskutieren und seine ganz eigenen Schlüsse zu ziehen.
Ihre merkwürdig verwirrt erscheindende Attacke gegen Inkompetenz in Sachen Islam erweist sich bei genauerer Betrachtung von eben jenem Geist beseelt gegen den die Autorin Lale Akgün in ihrem Buch Stellung bezieht.
Zur Auffrischung ihres mit Sicherheit sehr profunden Wissensbestandes empfehle ich nicht nur mehr Zutrauen zu den Küchentisch-Exegeten sondern auch ein wenig Mehr an neuerer Lektüre,wobei ich Ihnen insbesondere empfehle:"Religion fällt nicht vom Himmel",die ersten Jahrhunderte des Islams,von Andreas Goetze.
Allerdings setzt der Genuss dieses Werkes ein hohes Maß an Bereitschaft voraus,sich von orthodoxen Haltungen aller Art zu lösen,wozu ich Sie hiermit von Herzen ermuntern möchte.