Die Modenschau der Absolventen des Studienganges Modedesign der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) war einigen Veränderungen unterworfen. Anders als in den Vorjahren gab es sie nicht in der Berliner Modewoche, sondern erst knapp einen Monat später am 2. August 2010 zu sehen. Das Collegium Hungaricum Berlin war als Veranstaltungsstätte zugunsten des Theaters „HEIMATHAFEN NEUKÖLLN“ aufgegeben worden. Auch der Veranstaltungstitel war neu: der Begriff „final Show“ ersetzte das einprägsame Wort „ici“. Der große Saal des Theaters erhielt nun für die Modenschau zusätzlich zur Bühne einen Laufsteg, auf dem Kollektionen unter anderem zu den Schlagworten „Vampirhochzeit“ und „Sprengstoff“ gezeigt wurden, was insoweit wörtlich zu nehmen war, als ein Kleid mit eingearbeiteter Explosionsvorrichtung plötzlich vor sich hin knallte. Für das so bekleidete Modell bedurfte es fast eines Waffenscheines.
Leider fielen einige Modelle manchmal aus der Rolle, indem sie beim Posieren mehr zuckten, als sich geschmeidig zu bewegen, was sogar einem Laien auffiel. Ein festbleibender Halte- oder Wendepunkt war ebensowenig erkennbar. Mode muß exzellent inszeniert werden, um den Kreationen durch eine gleichwertige Präsentation gerecht zu werden. Man wird in Berlin nicht umhinkönnen, für eine über das Mittelmaß hinausgehende Modenschau gleich einer künstlerisch anspruchsvollen Theateraufführung mehr Aufmerksamkeit der Choreographie der Posen und Schritte sowie der Einweisung der Modelle in ihre Rolle nebst eingehenden Proben zu schenken. Besonders an der Stringenz einer Ballettaufführung – dort ist eine Choreologie, nämlich eine schriftliche Fixierung von Tanzbewegungen (Tanznotation), als Handhabe dienlich – wird sich ein Beispiel nehmen lassen. Daneben wäre es hier für die Berufsphotographen hilfreicher gewesen, sie räumlich von den Hobbyphotographen zu trennen, um nicht in ihrer Arbeit, beispielsweise durch störendes Blitzlicht, gehindert zu werden.
Bereits am 23. Juli 2010 hatten sich die Türen der HTW in Oberschöneweide für einen Tag lang unter dem Motto „Werkschau ’10“ außenstehenden Interessenten geöffnet. Auf mehreren Modenschauen hatten die Studenten ihre in Stoff gebrachten Ideen zu den Themen „Pathos“, „Transformation“, „1-Shirtstile-Hemdkleider“, „Overalls“, „Catch the Wind“ und „At the Seaside“ vorgestellt. Bei der Präsentation der Bademodenkollektion am Spreeufer war es sogar feucht geworden, denn Regenwasser war auf die Anwesenden niedergeprasselt.
Um eine Kollektion zu präsentieren, gibt es auch andere Wege als den klassischen Laufsteg. Am 31. Juli 2010 feierte der für seine Affinität zur Mode bekannte Berliner Friseurmeister Jens Link das 10jährige Bestehen seines Unternehmens und zugleich die Eröffnung seines neuen Salons in Charlottenburg. Angereichert war die Feier nicht nur mit alkoholischen Getränken, sondern auch mit optischen Leckerbissen. Modelle, die sich unter die Gäste mischten und nebenher kulinarische Häppchen verteilten, führten Kleider aus zusammengenähten Modeetiketten der Berliner Modeschöpferin Pia Fischer vor, die von ihrer derzeitigen, ebenso etikettierten Praktikantin Karlijne Opmeer aus den Niederlanden charmant vertreten wurde.
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