Der ehemalige Flughafen Berlin-Tempelhof machte als Ort der Fachmesse für Straßen- und Sportkleidung „BREAD & BUTTER PREMIER LEAGUE“ deutlich, wie eng optische und kulinarische Genüsse beieinander liegen können. Der Umfang des „Catering“-Bereiches stand den Ausmaßen der Messestände in nichts nach. Doch weitaus mehr als der Messebetrieb zogen die Modenschauen in der Mitte Berlins das Fachpublikum und die Presseleute in den Bann.
Für die Modenschauen hatten sich die Modeschöpfer und deren Choreographen mächtig ins Zeug gelegt, um dem Publikum und den Kameraleuten einiges zu bieten. Die Kollektionen, das Ambiente des Laufsteges, die musikalischen Einspielungen und teilweise auch die Choreographien waren in einigen Fällen, auf ein Gesamtkunstwerk zusteuernd, aufeinander abgestimmt. Beispielsweise liefen die Modelle auf der Modenschau der österreichischen Modeschöpferin Lena Hoschek über einen in Schwarz und Weiß geschachten Laufsteg, was die Wirkung der farbenfrohen Kleider im Stile der 1950er Jahre hervorhob; so wurde jedes Modell gleichsam zu einer begehrten, kostbaren Dame: gardez!. Bei anderen Gelegenheiten stimmten einen Lieder der Musikgruppen „KRAFTWERK“, „ROXY MUSIC“ und „BLONDIE“ auf das Lebensgefühl der späten 1970er und frühen 1980er Jahre ein. Konsequenterweise trug einer der Gäste ein T-Shirt mit einer Abbildung der Frontsängerin Deborah Harry und der Aufschrift „BLONDIE“. Ein „Crossover“ war auf einer Modenschau mit der Sopranistin Nadja Michael zu erleben. Der Gesamteindruck wurde dennoch beeinträchtigt, denn es war erneut ein Defizit beim Laufen der Modelle festzustellen. Die Modelle wählten ihren Haltepunkt vor der Medientribüne am Ende des Laufsteges scheinbar willkürlich und ohne System aus; manchmal trauten sich einige Angsthasen sogar nur bis zur Hälfte des Laufsteges. Überdies war angesichts des lustlosen Herumlaufens die Kunst des klassischen Posierens nahezu abhanden gekommen. An dieser Stelle herrscht noch viel Verbesserungsbedarf.
Der Münchener Modeschöpfer Marcel Ostertag präsentierte seinen Gästen mit seiner neuen Kollektion unter dem Motto „I love to hate you“ eine von Widersprüchen geprägte Welt. Insofern schufen pulsierende Farben, die von schwarzen Linien durchbrochen wurden, einen Rahmen, den man „nur lieben oder hassen kann“. Plissierter Chiffon vereinte sich mit Streifen geschnittener Seide und weicher Baumwolle; für den Kontrast sorgten schwarze Baumwollbänder. Diesmal lag der Schwerpunkt auf Etuikleidern; daneben waren kurze Falten-Hängerchen sowie Cocktailkleider und Abendroben zu sehen. Die neue Kollektion der Marke „.DIMITRI“ war geprägt von graphischen Schnitten und strengen geometrischen Formen in Anlehnung an die Mode der 1980er Jahre. Doch auch die 1970er Jahre wollte der italienische Modeschöpfer Dimitri Panagiotopoulos mit griechischen Wurzeln nicht außen vor lassen, was an den luftigen, fließenden Seidenchiffonkleidern zu erkennen war. Zu leuchtenden Farben traten antike orientale Stickereien.
Leitgedanke der Berliner Modeschöpferin Frida Weyer für ihre neue Kollektion „LA CHASSE AUX PAPILLONS“ waren die Eigenschaften „mondän, unwiderstehlich und feminin“. Die Farbpalette für die Cocktail- und Abendkleider reichte von Goldtönen über Bronzetöne bis zu sanften Grautönen, die in Kontrast zu Schwarz und Weiß gesetzt waren; ein besonderer Blickfang war das Zitronenfaltergelb in Anspielung auf die flatterhaften Schmetterlinge. Im Zentrum der neuen Kollektion „SEEN NATURE“ der Marke „arrondissement Aq1“ stand die Natur. Die Münchener Modeschöpferin Christina Arend setzte mit organischen Formen und fließenden Linien den „Kreislauf des Lebens“ um; dabei drehte sich alles um den Mikrokosmos in Abgrenzung zum Makrokosmos der vorherigen Kollektion. Bei den Stoffen waren fließender Jersey, Seide und leichte weiche Baumwolle vorhanden. Helle leise Töne wie Pastell, Nude und Taube dominierten neben kräftigen Tönen wie Rost und Dunkelblau.
Die neue Kollektion der Marke „custo BARCELONA“ ließ sich mit den Worten „positive Energie, Frische und Lebendigkeit“ zusammenfassen. Neben den bekannten T-Shirts waren auch Röcke, Kleider, Blusen, Hosen und Mäntel zu sehen. Für die für den Tag gedachte Linie „CUSTO EVERYDAY“ setzte der spanische Modeschöpfer Custo Dalmau auf Leinen, Trikot, Guipure, Viskose und vor allem Denim. Bei der für den Abend bestimmten Linie „LOWXURY“ („LOW“ und „LUXURY“) kamen fließende Chiffons und Seidensatin mit wilden Farbmustern vor. Die Linie „CUSTO LET’S PARTY“ für besondere Anlässe zeichnete sich durch Schulterpolster, großzügige Ausschnitte, knielange Teile und asymmetrische Stücke aus; auch der „Oversized-Look“ war zu finden.
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Bildergalerie: Berliner Modewoche Juli 2010 Teil 2
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