Interview mit Martin Kranz "Miteinander ins Gespräch kommen - auch über das Thema Integration"

von Karsten Wenzlaff - 05.09.2010

Vom 26. August bis zum 5.9.2010 fanden in Berlin die Jüdischen Kulturtage statt. Martin Kranz ist seit 2007 Intendant der Kulturtage. Weitere Informationen zum Programm finden sich unter www.juedische-kulturtage.de

Seit 24 Jahren finden jährlich die Jüdischen Kulturtage in Berlin statt. vorwaerts.de sprach mit dem Intendanten des Festivals, Martin Kranz, über das Ziel eines jüdischen Kulturfestivals, während gleichzeitig in den Medien die von Sarrazin losgetragene Integrationsdebatte dominiert.

vorwaerts.de: Wie lange gibt es die Jüdischen Kulturtage schon in Berlin?

Krantz: Die Jüdischen Kulturtage gibt es seit 24 Jahren und kommen eigentlich aus dem Ostteil der Stadt. Zur 750 Jahr Feier Berlins wurden die Jüdischen Kulturtage ins Leben gerufen, um über jüdische Kunst und „Jüdisch-sein“ zu informieren. Das Festival hat sich über Jahrzehnte hinweg sehr stark weiterentwickelt und hat mittlerweile eine sehr starke Verankerung in Berlin.

Was sollen die Jüdischen Kulturtage in Berlin bewirken?

Der Senat von Berlin, der die Jüdischen Kulturtage auch finanziell unterstützt, möchte dass das Thema „Jüdisch“ in die Stadt hineingetragen wird. Die Berliner sollen merken, es gibt ein reges und interessantes jüdisches Leben in Berlin.

Mir ist das auch sehr wichtig. Wir schaffen es mit einem solchen Festival, dass die Hemmschwelle für die Gäste des Festivals, für die Berliner, vor allem für die Nicht-Juden niedriger wird, sich mit dem Judentum zu beschäftigen.

 Deswegen nutzen wir auch die Synagoge in der Rykestrasse. Die ist nicht nur ein wunderschönes Konzerthaus, sondern auch ein sakraler Ort – mit Gebetskerzen und Gebetsbüchern. Die Besucher der Konzerte erleben das – zum Beispiel in der Langen Nacht der Synagogen, wo mehr als 5000 Leute die Synagogen in Berlin besuchten.

Ein anderer Aspekt ist, dass wir durch die Jüdischen Kulturtage Israel auf der künstlerischen Ebene zu präsentieren. Israel hat durch seine Multikulturalität eine sehr spannende und kreative Kunst- und Kulturszene, aus der wir einen Ausschnitt den Berlinern zeigen wollten.

Am Samstag fand mit JEWDYSSEE ein Konzert statt, bei dem elektronische Musik und jüdische Klänge kombiniert wurden. Muss man an den Musikgeschmack des Berliner Mainstream anknüpfen, um jüdische Musik zugänglich zu machen?

 Müssen tut man das nicht. Der Anlass war für mich, dass ich im Festivalprogramm Elemente habe, die sich speziell an das jüngere Publikum richten. Das Berliner Clubpublikum kann sehen, hier gibt es jüdische Künstler, die sich mit unseren Themen auseinandersetzen. Ich will versuchen, ein so breites Spektrum von Zuschauern wie möglich anzusprechen.

Klaus Wowereit ist Schirmherr der Kulturtage, der Senat finanziert die Kulturtage – was gibt es darüber hinaus für politische Unterstützung?

Ohne die Finanzierung durch den Senat bzw. durch das Land Berlin würde dieses Festival nicht existieren. Durch einen Staatsvertrag ist die Finanzierung auch in Zukunft sichergestellt. Der Senat unterstützt uns aber auch bei Genehmigungen, bestimmte Verfahren – und da war die Zusammenarbeit mit dem Senat immer sehr positiv.

Wie hat die Diskussion um die Thesen von Thilo Sarrazin die Jüdischen Kulturtage beeinflusst? Gab es da erhöhten Gesprächsbedarf?

Ja. In der Podiumsdiskussion mit Georg Kreisler und Oliver Polak, den beiden Kabarettisten, ging es genau um die Frage: was heißt Integration, was heißt miteinander reden, wie gehen unterschiedlichen Kulturen miteinander um. Die Thesen von Sarrazin sind natürlich absolut unzumutbar und abzulehnen. Die jüdischen Kulturtage sind der genaue Gegenentwurf dazu – hier geht es darum, miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen, auch über Fragen von Integration.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

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Channel: Kultur  
Bundesland: Berlin  

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