Michael Groschek: "Afghanistan braucht Frieden" Mit einem Bein im Grab, mit dem anderen im Knast?

von Michael Groschek - 27.01.2010

Zum Foto:

Sascha Oliver Rusch ist Journalist und arbeitete für die Berliner Morgenpost, Pro Sieben, SAT.1 und das ZDF. Er ist als Entwicklungshilfeberater für die Europäische Kommission und die Vereinten Nationen tätig. In den vergangenen Jahren lebte und arbeitete er in Afghanistan, China, Moldawien, im Kosovo, in der Türkei und der Ukraine.

Die Ausstellung „AFGHANISTAN – Ein Land zwischen Krieg und Frieden“, ist noch bis zum 09. April in den Räumen des Humanistischen Verbands Deutschlands, in der Wallstraße 65, 2. Etage, in 10179 Berlin-Mitte zu sehen. Die Bilder können täglich zwischen 9.00 Uhr und 16.00 Uhr besichtigt werden.

 

Zum Autor:

Michael „Mike“ Groschek

  • geboren am 09.12.1956 in Oberhausen, ist Vater eines Sohnes und einer Adoptivtochter.
  • Seit September 2009 ist Michael Groschek Abgeordneter des deutschen Bundestages
    und Mitglied des Ausschusses für Verteidigung und des Auschuss Verkehr, Bau und Stadtentwicklung.
  • Nach dem Abitur ging Groschek als Zeitsoldat zur Marine und studierte anschließend Wirtschafts- und Kommunikationswissenschaften an der Gesamthochschule Universität Essen.
  • Er war hauptamtlich als Referent und Geschäftsführer in politischen Funktionen tätig, bis er Ende der achtziger Jahre in die Immobilienwirtschaft wechselte.
  • 2000 wurde Groschek Abgeordneter des Landtags von Nordrhein-Westfalen
  • Seit 2001 ist er Generalsekretär der NRWSPD.

 

Frieden schaffen wir nicht mit mehr militärischem Kampf, sondern mit mehr Aufbau und Entwicklung. Nicht militärischer Sieg oder Niederlage sind entscheidend. Entscheidend ist der Erfolg beim zivilen Aufbau und der Fortschritt - bei der selbsttragenden Sicherheit der Afghanis.

Strategischer Schrittmacher

Der SPD- Kurs stimmt. Kein fluchtartiger Abzug als Folge der Bombennacht in Kundus. Konkretes Arbeiten für einen Übergabe in Verantwortung ist unsere politische Pflicht.
Während die „zu Guttenbergs“ dieser Republik die politische Bühne zur Showbühne deklassieren, setzt die SPD auf die „Repolitisierung der Diskussion“ und wird zum Schrittmacher einer neuen Friedens-Strategie. Mit der Afghanistan-Konferenz der SPD wurden Zeichen gesetzt. Endlich wurde die Diskussion vom Hindukusch mitten in die deutsche Öffentlichkeit geholt.

Mit Obama den Abzug beginnen

Ja, wir wollen mit Obama den Abzug 2011 beginnen. Nein, wir wollen keine zusätzlichen Kampftruppen entsenden. Ja, wir müssen mehr leisten für zivilen Aufbau und die Ausbildung von Sicherheitskräften. Nein, wir wollen keinen deutschen Sonderweg gehen, sondern auch bei den Verbündeten dafür werben, bis 2015 keine Kampftruppen mehr im Einsatz zu haben. Ja, es ist auch erklärter Wille der afghanischen Regierung, bis dahin die Sicherheit mit eigener Polizei und Armee zu garantieren.

Taliban an den Verhandlungstisch

Helmut Schmidt mahnte im Parteivorstand ganz aktuell: „Mehr Kampftruppen heißt mehr Tote“. Und er verwies darauf: Afghanistan ist ein Vielvölkerstaat, wo Frieden der inneren Versöhnung bedarf. Deshalb gehören Taliban an den Verhandlungstisch. Gerade unsere Soldaten vor Ort brauchen eine klare Ansage. Sie fühlen sich nach dem Hin und Her, das Verteidigungsminister zu Guttenberg bei seinem Urteil über die Bombennacht von Kundus an den Tag legt, verunsichert. „Wir stehen mit einem Bein im Grab und mit dem anderen im Knast“,– so der Soldatenjargon im Feld.

Der Minister muss aufklären

Zu Guttenberg hätte viel zu tun. Dazu zählt auch ehrliche Aufklärung im Untersuchungsausschuss über sein Maß an Verantwortung und Verantwortungslosigkeit beim Urteil über die Bombennacht. Über den Tag hinaus brauchen wir in der Region eine Sicherheitspartnerschaft von Pakistan und Indien, unter Beteiligung von Russland und China. Selbst der Iran muss dabei in die Rolle eines Regionalpartners wachsen.

Verlinken Sie auf diesen Beitrag:

http://www.vorwaerts.de/trackback/9656

Channel: Ausland  
Bundesland: Nordrhein-Westfalen  
AutorIn: Michael Groschek  

Mit Kachingle und Flattr können Sie den Online-Journalismus auf vorwaerts.de unterstützen (wie das funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel).

Das Aktuellste aus der Sozialdemokratie - der vorwaerts-Newsletter

Advertising