Digitaler Wahlkampf Mit Audioblogs im Europawahlkampf die Wähler direkt erreichen

von Karsten Wenzlaff - 02.05.2009
Gespräch mit dem Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Günter Gloser, zum Thema „Neue Medien im Wahlkampf“.

vorwärts: Sie haben auf Ihrer Homepage ein „Audioblog“ eingerichtet, also ein Blog, in dem regelmäßig kurze Hörbeiträge von Ihnen veröffentlicht werden. Warum haben Sie gerade dieses Format gewählt?

Günter Gloser: Gerade im jetzt anstehenden Europawahlkampf müssen wir alle Möglichkeiten nutzen, die Wählerinnen und Wähler anzusprechen. Neben dem persönlichen Gespräch, Wahlplakaten und Veranstaltungen vor Ort gehören dazu auch die neuen Medien. Da müssen wir sehr kreativ sein. Im Audioblog bin ich mit meiner eigenen Sprache und Stimme zu hören. Das ist auf alle Fälle authentischer und direkter, als wenn man nur in der Zeitung von mir liest.

vorwärts: Ist das nicht technisch sehr aufwändig?

Günter Gloser: Gerade das ist ja der Vorteil, dass das Blog sehr aktuell und unkompliziert zu bedienen ist. Allerdings mache ich das auch nicht allein, die Redaktion macht mein Mitarbeiter im Bundestagsbüro. Mit ihm zeichne ich das am Telefon auf, ganz egal ob ich gerade in Nürnberg, in Berlin oder in Brüssel bin. Den letzten Beitrag haben wir gemacht, als ich gerade in der Flughafenlounge in Düsseldorf saß. Die Aufzeichnung wird dann mit einem kurzen Einleitungstext sofort auf die Website gestellt. So lässt sich das auch in einen sehr angespannten Terminplan integrieren, wie ich ihn jetzt vor der Europawahl gerade wieder mal habe.   

vorwärts: Sie haben jetzt auch einen Account bei Twitter…

Günter Gloser: …der hilft mir vor allem dazu, auf die Einträge im AudioBlog aufmerksam zu machen. Ganz ehrlich: Vor einigen Monaten wusste ich auch noch nicht, was Twitter ist. Aber wenn Menschen dort auf meine Beiträge stoßen und den Link dann vielleicht an Bekannte weiterleiten können, ist das eine tolle Sache.

vorwärts: Informieren Sie sich auch selbst durch Twitter, Blogs oder ähnliche Medien?

Günter Gloser: Ich werde da jetzt sicher öfter hineinschauen als bisher. Persönlich beziehe ich Informationen für meine Arbeit mehr aus schriftlichen Berichten oder persönlichen Gesprächen als aus dem Internet. Allerdings rufe ich mehrmals täglich die neuesten Meldungen der Nachrichtenagenturen ab, lese Zeitungen und lasse mich von meinen Mitarbeitern im Auswärtigen Amt, im Bundestag und im Büro in Nürnberg informieren.

Wie lang darf ein Beitrag im Audioblog sein?

Das ist natürlich Geschmackssache. Aber nach mehr als drei Minuten klicken die meisten Hörer/innen definitiv wieder weg. Noch wichtiger ist, dass man nicht zu viele Themen in einen Beitrag reinpackt. Ein bis zwei kurze Botschaften, bzw. Themen sollten reichen. Ansonsten lieber trennen und mehrere einzelne Beiträge machen.

Wie kann man das Telefongespräch aufzeichnen?

Dazu gibt es natürlich mehrere Möglichkeiten. Eine sehr einfache ist, einen kostenlosen Anbieter von Telefonkonferenzen wie talkyoo.de zu nutzen. Dort kann man Gespräche, die über einen kostenfreien Konferenzraum geführt werden, sofort nach dem Gespräch als mp3 herunterladen. Dieser Dienst ist frei, es fallen nur die normalen Telefongebühren zu einer Hamburger Festnetznummer an. Sehr praktisch.

Und wie kann man die Gespräche dann zurechtschneiden?

Auch dazu gibt es eine kostenfreie Lösung. Der WavepadEdito von NCH kann in der (völlig ausreichenden) Basisversion kostenlos und legal genutzt werden. Damit kann man nicht nur das Gespräch kürzen oder Räusperer eleminieren, sondern auch verschiedene Formate in mp3 umwandeln. Download unter http://www.nch.com.au/wavepad.

Und die Blogsoftware?

Auch da gibt es verschiedenste kostenlose Lösungen, die Konfiguration und die Einbindung in eine bestehende Homepage sollte man aber besser einen Profi machen lassen. Günter Gloser benutzt für sein Audioblog Wordpress. http://wordpress.org/

 

vorwärts: Vielen Dank!

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AutorIn: Karsten Wenzlaff  

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