Allianz für Weltoffenheit

Migration: Nächstenliebe kennt keine Obergrenze

Paul Starzmann11. Februar 2016
Obergrenzen, Schießbefehl, Unrechtsstaat: Die Debatte über Migration kocht hoch. Gewerkschaft, Kirchen und Verbände wollen sich gegen Menschenfeindlichkeit einsetzen. Ganz einig sind sich die Mitglieder der „Allianz für Weltoffenheit“ aber nicht.

Es ist sehr selten, dass Gewerkschafter und Arbeitgeber, Juden und Muslime sowie Künstler und Athleten am selben Ort zusammenkommen, um sich für eine gemeinsame Sache stark zu machen. Die neu gegründete „Allianz für Weltoffenheit“ schafft genau das: In Berlin stellt sie ein breites Bündnis aus den unterschiedlichsten Verbänden vor, von Naturschützern über den Olympischen Sportbund und die Deutsche Bischofskonferenz bis hin zum Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und dem Koordinationsrat der Muslime. Ihr Ziel: Gemeinsam kämpfen gegen Rassismus und Gewalt.

Keine Obergrenze: Klare Kante gegen rechts

Die Idee für den Zusammenschluss entstand als Reaktion auf die hitzige Debatte über Migration, wie sie derzeit in Deutschland geführt wird. Die gesellschaftliche Mitte habe sich nach rechts verschoben, erklärte Zekeriya Altuğ, Sprecher des Koordinationsrats der Muslime. Die neu gegründete Allianz bezieht daher eine klare Haltung gegen rechte Hetzer, „egal unter welchem Deckmantel sie sich aufstellen“, so DGB-Chef Rainer Hoffmann, ein Mitbegründer der Initiative.

Die Anliegen des Bündnisses sind vielfältig: Die Wahrung der Würde jedes einzelnen Menschen, Investitionen in Bildung und Infrastruktur, der Schutz von Glaubens- und Gewissensfreiheit, aber auch die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau – alles Forderungen, die in einer funktionierenden Demokratie eigentlich selbstverständlich sind. So erklärte Kai Niebert, Präsident des Deutschen Naturschutzrings auch, es sei „traurig“, dass sich heute ein Bündnis gründen müsse, das im Grundgesetz verankerte Werte einfordert. Die Debatten um Obergrenzen und Schießbefehl aber hätten die Normen des Akzeptablen erweitert – in Richtung Hass und Gewalt. Dem will die Allianz entgegentreten.

Wie umgehen mit Menschen in Not?

Auch die Fluchtursachen spielen für den Umweltschützer Niebert eine wichtige Rolle. Das geplante Freihandelsabkommen TTIP etwa lenke die Finanzströme an den Menschen in Not vorbei, sagte Niebert. Er äußerte Verständnis für alle, die aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommen wollen. Dass diese jedoch in ihre armen Heimatländer zurückkehren müssten, konterte der Arbeitgeber-Vertreter Reinhard Gröhner. Völlig einig sind sich die Mitglieder der Allianz für Weltoffenheit noch nicht.

Die genaue Zukunft des Bündnisses ist nicht ganz sicher, die Allianz sucht weitere Mitglieder, will nachhaltig wirken. Ihr Wunsch aber ist klar: Der staatliche „Krisenmodus“ soll bald beendet werden, der humanitäre Umgang mit Menschen in Not soll wieder im Vordergrund stehen. Denn Nächstenliebe kennt keine Obergrenze, wie die Vertreter der christlichen Kirchen sowie der jüdischen und muslimischen Gemeinden in Deutschland erklärten.

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