Eigentlich möchte ich doch nur lieb gehabt werden: So brachte meine Tochter es als Teenager auf den Punkt. Und genau das hat sich auch der Autor des kleinen Bändchens über Erziehung heute, Wolfgang Bergmann, auf die Fahnen geschrieben. Er plädiert dafür, den kinderfeindlichen Trend, der so viele Bereiches unseres Lebens erfasst hat, umzukehren. Und er gibt Eltern den Tipp, für Alltagskonflikte Lösungen zu finden, die mit einer Versöhnung enden, die dem Kind zeigt, dass es geliebt wird.
Wiedergewinnung der Achtsamkeit
„Kinder sind eine Herausforderung, das kann keiner bezweifeln. Aber eben nicht dazu, sich ihnen gegenüber durchzusetzen – das kann jeder. Kinder sind vielmehr eine Aufforderung zu liebevollen, einfallsreichen Reaktionen.“ Wie das geht, spiegelt Bergmann anhand typischer Erziehungsfragen im Alltag. Und keine seiner Antworten hat mit „Steuern, Strafen, Führen, Meckern zu tun“, was sowieso nur mit Tränen enden würde. Nein, seine „Rezepte“ sind einfallsreich und kreativ. Die Freude am Kind und die Einsicht in seine Verletzlichkeit bilden die Grundlage. Lassen wir uns vom „Lebensmut und der natürlichen Daseinsfreude“ der Kinder anstecken, verlangt er, und dabei etwas Wesentliches gewinnen: „das Glück der Erziehung“. „Das ist Empfindsamkeit für die Kleinen, dabei werden wir auch empfindsamer für uns selber und für die ganze Welt. Das ist die Wiedergewinnung der Achtsamkeit.“
Keineswegs meint Bergmann damit die Rückkehr in die weiche Einfühlungspädagogik, wie sie in den 70er und 80er Jahren verbreitet war. Natürlich sollen Kinder gehorchen. Sie tun das, nach Bergmann, von ganz allein, „folgen sie doch der Natur und ihrer Seele“. Er untersucht in allen Lebensphasen, wie Gehorsam bewirkt wird, ohne zu kontrollieren, zu schimpfen zu strafen. Eltern sollten mit Freude und Gelassenheit erziehen, natürlich auch mal konsequent Nein sagen: Fragt sich nur in welchem Ton?
Wider die seelische Not
Das Disziplingeschrei der modernen Debatte jedenfalls sei keine Hilfe. Und so setzt Bergmann sich überaus überzeugend mit der Theorie von Michael Winterhoff auseinander, nach der unsere Kinder ohne Abgrenzung der Eltern Tyrannen werden würden. Nicht minder tadelt er Bernhard Buebs „Lob der Disziplin“ und dessen Gehorsamkeitspädagogik, die unterwürfige Disziplin als Allheilmittel in der Erziehung sieht. Bergmann sucht und findet Antworten auf die Fragen, woher der Hang zur Verwöhnung aber auch die Depressionsneigung und die seelische Not so vieler Kinder heutzutage kommen und wie dem zu begegnen ist.
Es ist nicht sein erstes Buch über Erziehung, aber ein weiteres, das überzeugt und gestressten Eltern weiterhilft bzw. dafür sorgt, dass sie gar nicht erst in Erziehungs-Stress geraten.
Dagmar Günther




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Ah ja.
die hühner
Felix Krebs