Peter Struck Kumpel, Kamerad, Steuermann

von Redaktion - 30.06.2009
29 Jahre Bundespolitik, "das reicht", sagt Peter Struck. Dennoch: Vielen wird er fehlen. Der "vorwärts" hat Freunde und Weggefährten versammelt. Ihr Fazit: Der Mann hat seinen Job verdammt gut gemacht!

Frank-Walter Steinmeier, Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat:
Peter Struck macht nicht einfach Politik. Er brennt für unsere sozialdemokratischen Ideale und er lebt unsere Politik. Mit klarem Verstand, mit klaren Worten und, wenn notwendig, auch mit der gebotenen Deutlichkeit. Peter Struck ist das, was man einem Niedersachsen nachsagt: sturmfest. Ob Steuerpolitik, Asylkompromiss oder Blauhelmeinsätze der Bundeswehr - er hat uns durch viele Stürme hindurch gesteuert.

Weil er den Kompass hat, den ein Sozialdemokrat braucht. Er weiß, wo es lang geht, und er hat die Menschen zu unseren Zielen geführt. Als Sozialdemokrat, als Minister und als Fraktionsvorsitzender. Dafür danken wir ihm. Ich danke ihm für so manchen Rat und zähle weiter darauf. Lieber Peter, Dein Einsatz für Arbeitsplätze und Gerechtigkeit und für die Verantwortung unseres Landes in der Welt ist uns Vorbild und Beispiel. Wenn wir am 27. September die Wahlen gewonnen haben, dann weißt Du: Das ist auch Deine Leistung!

Franz Müntefering, Vorsitzender der SPD:
Solitär sein und doch Mannschaftsspieler, das ist für Peter Struck kein Widerspruch. So ist er. So lebt er. So macht er Politik. Als er 1980 in den Bundestag kam, dirigierte noch Herbert Wehner die Fraktion. Der Onkel und dessen Stil haben Peter geprägt: Klare eigene Meinung und Verantwortung für das Ganze. Offenes Wort und Disziplin. Sogar die unvermeidliche Pfeife. Ein Kapitän für alle Meere.

Bei Hans-Jochen Vogel lernte er erfolgreiche Führung der Fraktion: alles wissen, was wichtig ist. Klare Arbeitsaufträge. Zupacken, wo es nötig ist. Pünktlichkeit. Und Helmut Schmidt war und ist wichtig für ihn. Der Stratege, der Klartext spricht. Auf den Punkt, manchmal bissig lakonisch. Der Verteidigungsminister Helmut Schmidt hatte ihn beeindruckt. Und dass er mit ihm in einer Reihe steht, macht Peter stolz. Mit Recht.
Gefühl zeigt er nicht oft, hat er aber. Ich habe ihn über seine Enkel schwärmen hören. Und über unsere SPD. Auch über das Motorrad fahren – na ja – und über BVB Dortmund – oho –. Ja, er war in der Bundestagsmannschaft ein starker Libero. Mit viel Offensivdrang und mit Vertrauen in den Vorstopper, dass der den Raum im Blick hat und die Lücke zumacht, wenn es nötig wird. Meistens ging es gut miteinander.

Peter, Kumpel, Du bist ein Typ. Die 520 000 Sozis sind stolz auf Dich. Ich bin es auch. Bleib unter Dampf.

Christina Rau, Ehefrau des verstorbenen Bundespräsidenten Johannes Rau:
Ich kann es mir kaum vorstellen, wie die politische Bühne ohne Dich, Deinen Humor und Deine Art Demokratie zu gestalten, auskommen kann! Du hast über Jahre und Jahrzehnte auf vielen Feldern gewirkt und mit unverwechselbarer Handschrift leidenschaftlich und engagiert dafür gekämpft, das Leben der Menschen ein wenig menschlicher zu machen – so wie das auch mein Mann getan hat.

Ich freue mich darüber, dass ich einbezogen wurde in das freundschaftliche Miteinander, welches Dich seit Jahren und Jahrzehnten mit Johannes Rau verbunden hat. Ihr hattet so manche Gemeinsamkeiten, nicht nur als Pfeifenraucher. Mit schönen Erinnerungen habe ich mir noch einmal die Fotos angeschaut, die so manches private Treffen und gemeinsame offizielle Anlässe festhalten. Wie schnell die Zeit vergeht, dachte ich besonders bei einem Foto, dass Dich und Johannes bei der Bundespräsidentenwahl 1999 zeigt. Deine Familie wird dankbar sein, ein wenig die Hoheit über Deinen Terminplan zurück zu gewinnen, in dem wir Freunde hoffentlich auch die eine oder andere Lücke blockieren dürfen. Ad multos annos!

Peer Steinbrück, SPD-Finanzminister:
Politiker müssen damit leben, dass ihnen Etiketten angeheftet werden, die sie nie wieder loswerden. Manche halten das für eine Auszeichnung. Peter Struck nicht; er eignet sich auch nicht dafür. Klar, er ist verlässlich, uneitel, auch mal knurrig, oft erstaunlich entspannt, ein Haudegen, wenn es sein muss. Er hat eine Art geheimen Fanclub, in der Fraktion, in der Partei, in der Regierung, weil er ein freundlicher, weil menschenfreundlicher Kerl ist, ein echter Kumpel (unverdächtig der Kumpanei!), manchen ein guter Freund, vielen ein toller Chef.

In sympathischer Weise ist er „old school“ geblieben: kein konstruierter Typ aus dem Setzkasten der Politklischees und bunten Blätter, stets das genaue Gegenteil von windkanalgeformten Selbstdarstellern und Karrieristen, deren Überzeugungen nicht tiefer sind als ein Flachbildschirm. Mir wird Peter Struck auf der Berliner Bühne fehlen, nicht nur, weil er mich immer unterstützt hat. Er hat hier niemals den großen Zampano gegeben, das ist ebenso wahr wie sympathisch und typisch. Aber oft war er Regisseur und Bühnenarbeiter zugleich. Das besondere Kunststück: Nicht immer haben es die (Selbst)Darsteller gemerkt. Chapeau, Peter!


Hubertus Heil, SPD-Generalsekretär:

Als ich 1998 als junger Abgeordneter für meinen Wahlkreis zum ersten Mal in den Deutschen Bundestag einzog, hatte ich nach wenigen Wochen – wie ich glaubte – eine hervorragende Idee: Angesichts steigender Benzinpreise forderte ich im Interesse der Menschen in meinem Wahlkreis eine Anhebung der Pendlerpauschale. Dieser Forderung folgte eine freundliche Einladung zum Gespräch mit Peter Struck, der auch damals Fraktionsvorsitzender war. „Was machst du denn da?“, wollte Peter Struck von mir wissen und erklärte mir anschließend nicht laut aber eindringlich mit wenigen Worten die Welt.

Als ich die Rauchwolke in Peters Büro verließ, hatte ich die Zusammenhänge kapiert. Für ihn ist klar, dass man seine Überzeugungen nicht an kurzfristigen Stimmungslagen ausrichten darf. Peter war nicht autoritär, aber hatte und hat einfach Autorität. Als Fraktionsvorsitzender und Verteidigungsminister war Peter Struck immer nervenstark, uneitel und geradlinig. Seine liebenswürdige Raubatzigkeit hat der Fraktion und der ganzen Partei gut getan, Peter ist hart, aber herzlich. Ich habe Peter Struck als jemanden erlebt und schätzen gelernt, der vor allem gegenüber seiner sozialdemokratischen Überzeugung loyal ist. Für mich ist und bleibt er ein Großer.


Gerhard Schröder, Bundeskanzler a.D.:

Ein gebürtiger und bekennender Niedersachse von echtem Schrot und Korn, ein Generalist und ein politischer Profi – so habe ich Peter Struck über die Jahre kennen- und schätzen gelernt. Er lässt Raum für Diskussionen, hat aber den Mut zu Entscheidungen – auch gegen Widerstände. Manche irritiert sein gelegentlich schnoddriger Ton. Mich hat das nie gestört, auch wenn es mich mal erwischte. Für ihn und mich gilt: Wir können beide austeilen, aber auch einstecken. Ich habe gerne mit Peter zusammengearbeitet.

Hans-Jochen Vogel, ehemaliger SPD-Vorsitzender:
Gerne rufe auch ich Peter Struck am Ende seiner fast dreißigjährigen Tätigkeit in Bonn und Berlin ein sehr herzliches Dankeschön zu. Ein Dankeschön für seinen Beitrag zum Wohlergehen unseres Landes. Und für eine lange Freundschaft. Aus der Nähe kennen gelernt habe ich ihn seinerzeit vor allem in der Zeit, in der wir bis 1991 besonders eng zusammenarbeiteten. Er als Parlamentarischer Geschäftsführer und ich als Fraktionsvorsitzender. Da traten schon all die Eigenschaften hervor, die ihn auch später als Fraktionsvorsitzenden und als Bundesverteidigungsminister auszeichneten.

Seine rasche Auffassungsgabe zum Beispiel und seine Fähigkeit, alsbald zu klaren Schlussfolgerungen zu gelangen. Ideologische Verbissenheit war ihm schon damals fremd. Auch die sozialdemokratischen Grundwerte nahm er stets ebenso ernst wie das Allgemeinwohl. Deshalb war er auch zu Kompromissen fähig. Als Polterer, als der er manchmal bezeichnet wurde, habe ich ihn nicht erlebt. Wohl aber als einen, der seinen Standpunkt beharrlich vertrat und zu überzeugen wusste. Dabei konnte er anderen durchaus zuhören. Laut wurde er selten, ironisch schon eher – und das auch sich selbst gegenüber. Und noch etwas. Man konnte sich immer auf ihn verlassen. Das alles hat ihn zu großen Leistungen befähigt. Zu Leistungen, die in besonderem Maße die Feststellung rechtfertigen: Peter Struck hat sich um unser Land verdient gemacht.

Ingrid Matthäus-Maier, 1983 bis 1999 SPD-Bundestagsabgeordente und zuletzt Vorstandssprecherin der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW):
Bei einer der ersten Aufstellungskonferenzen am 11. 12. 1989 in Bergen, Kreis Celle, von Peter war ich dabei mit einer Rede „Gerechte Steuern – solide Finanzen“. Mit voller Überzeugung, dass die SPD dort einen hervorragenden Bundestagskandidaten aufstellt – wie es sich dann ja auch gezeigt hat. Peter als Haushälter und ich als Finanzerin waren in den meisten Fragen auf einer Wellenlänge: finanzielle Solidität und persönliche Glaubwürdigkeit nach dem Motto von Johannes Rau „Vor der Wahl sagen, was man tun will und nach der Wahl tun, was man gesagt hat“.

Aber mehr noch als diese Gemeinsamkeit schätze ich besonders, dass Peter Struck immer zuerst Parlamentarier ist. Auch in seiner Zeit als Minister wusste er (im Unterschied zu manch anderem), woher er seine Macht bezog und dass das Parlament der oberste Souverän ist. Dies spiegelt sich auch in seinem kollegialen Umgang mit den Abgeordneten wider, obwohl er dabei nie vergisst, die für eine Regierungstätigkeit nötige Geschlossenheit herbeizuführen.

Ich habe gerne mit Peter zusammengearbeitet, zumal man sich in puncto Solidarität auf ihn verlassen konnte. In der schwierigsten Situation meiner gesamten beruflichen Tätigkeit war er der erste, der sich nach wenigen Minuten telefonisch meldete. Dafür bin ich Peter dankbar.

Nur in zweierlei Hinsicht bin ich kein Peter-Struck-Fan: seine Raucherei und seine Motorrad-Fahrerei. Das erste haben wir mit dem Nichtraucherschutzgesetz geregelt: Er kann weiter rauchen und ich werde als Nichtraucherin nicht angequalmt. Das zweite sehe ich in einem milderen Licht, seitdem mein Sohn sich eine Harley-Davidson zugelegt und seine besorgte Mutter überzeugt hat, dass Motorradfahren keinesfalls eine gefährliche Raserei sein muss.

In diesem Sinne wünsche ich Peter für die Zeit nach der Bundestagswahl mehr Zeit für dieses Hobby, eine gute Gesundheit (die er mehrfach für die Politik und seine Partei vernachlässigt hat !), privates und familiäres Glück und dass er uns im parlamentsnahen Bereich erhalten bleibt.

Manfred Stolpe, 1990 bis 2002 Ministerpräsident des Landes Brandenburg und von 2002 bis 2005 Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen:
Hallo Peter, Du verlässt den unmittelbaren Politzirkus mit seinen kleinen Freuden und seinem großen Ärger. Dazu beglückwünsche ich Dich. Ganz sicher bleibst Du eine unverzichtbare kritische und unabhängige Stimme der deutschen Zivilgesellschaft. Nun wirst Du erst recht gefragt und ich freue mich auf künftige Begegnungen mit Dir. In der Verbundenheit des Pfeiferauchers, Motorradfahrers und der norddeutschen Gelassenheit grüßt Dich Manfred Stolpe.


Hans-Ulrich Klose, SPD-MdB aus Hamburg und stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses:

Goodbye für Peter Struck

Der Ritter kommt mit Strass und Greifen,
der Schuster mit Leder, kein Leisten dazu,
Maigret allein mit Bier und Pfeifen,
von Abschied träumend und Gartenruh.

Weggänge, Abgänge. Warteschleifen.
Deines, mein Lieber, ist keines, denn du,
IBuK und Chef der Motorrad-Crew,
entfernst dich mit Sternen und Streifen.

(IBuK bedeutet Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt. Red.)

Walter Kolbow, Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion und 1998 bis November 2005 Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung:
Der Bundestag ohne Peter Struck – kaum vorstellbar. Als 1. Parlamentarischer Geschäftsführer und Fraktionsvorsitzender war er fast 30 Jahre eine Säule der parlamentarischen Demokratie.

Weil bei ihm immer die Menschen im Mittelpunkt standen, mochten ihn die Soldaten besonders. Führ ihn galt immer: Mehr Sein als Schein. Seine Geradlinigkeit und Ehrlichkeit sowie die Fähigkeit zuzuhören, ließen ihn auch in schwierigen Lagen immer richtig entscheiden. So wurde er zum besten Verteidigungsminister, unentbehrlichen Fraktionsvorsitzenden und wichtigen Berater aller sozialdemokratischen Kanzler.
Es war für mich eine Ehre und Freude mit Peter Struck zusammen zu arbeiten. Ich bin zuversichtlich, dass das Ausscheiden aus dem Parlament kein Abschied für immer ist, sondern unsere Freundschaft Zukunft hat.

Lieber Peter, ich wünsche Dir eine gute Zeit mit Brigitte, ein neues Motorrad und – auch als Clubfan – Erfolge für Borussia Dortmund.

Kerstin Müller, Außenpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen:
Niemals geht man so ganz, sagt man in meiner Heimatstadt Köln, frei nach Trude Herr. Peter Struck wird uns jedenfalls ab Herbst im Berliner Parlamentsbetrieb fehlen. Aber ich kann sehr gut verstehen, dass er von der Großen Koalition die Nase voll hat. Sicherlich hat er so manches Mal sehnsüchtig an die rot-grünen Zeiten gedacht.

Als Rezzo Schlauch und ich – unter rot-grün – gemeinsam die Fraktion geführt haben, waren wir naturgemäß nicht immer einer Meinung mit dem Fraktionsvorsitzenden der SPD, aber er war immer zuverlässig und gradlinig: Was vereinbart war, das galt.

Es gibt gute Chancen, dass wir im Herbst „Schwarz-Gelb“ verhindern können. Dann wird Peter Struck es vielleicht doch nochmal bereuen aufgehört zu haben? Vielleicht aber auch nicht. Aus der Sicht von Peter Struck wäre es wahrscheinlich schöner, wenn er das Berliner Politikgeschwätz tatsächlich hinter sich lassen könnte und auf dem Sitz seines Motorrades aus hinreichender Distanz auf uns zurückblicken würde. Das wünsche ich Ihm jedenfalls von ganzem Herzen.

Es kann natürlich auch sein, dass Peter Struck mit seinen Auftritten als Rock-Sänger bei den Blues Brothers so erfolgreich wird, dass er dem Parlamentsbetrieb sowieso keine Träne nachweint. Rezzo und ich könnten dann ja mit den Grünen als Groupies aus dem Publikum für Stimmung sorgen. Wie wäre das?

Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag:
Die Große Koalition war die Überraschung der Bundestagswahl 2005. Und dann bekam ich auch noch die Aufgabe, als Fraktionsvorsitzender zusammen mit einem mir bisher nur oberflächlich bekannten Sozialdemokraten einen Beitrag zum Erfolg der Großen Koalition zu leisten. Peter Struck war für diese Aufgabe ein Glücksfall.

Durch die Zusammenarbeit wurden wir politische Freunde. Zuverlässigkeit bei Absprachen und das Wissen, den Anderen nicht überfordern zu dürfen, waren dafür Voraussetzungen. Dabei waren wir beide uns sehr wohl bewusst, dass unsere Fraktionen uns sehr genau beobachten, dass die Grenzen zwischen Eigenständigkeit und Koalitionsnotwendigkeit nicht all zu sehr verwischt werden. Und da gab es natürlich auch Situationen, in denen ein konservativer Christdemokrat und ein echter Sozi nicht zusammen finden konnten. 
Peter Struck ist politisches Urgestein.

Er ist überzeugter Parlamentarier, was er in seinen Zeiten als Fraktionsvorsitzender eindrucksvoll gezeigt hat. Er hat aber auch nie verschwiegen, dass seine wohl schönste politische Zeit die als Verteidigungsminister war. Die Zusammenarbeit in der Großen Koalition hat gezeigt, dass bei allen politischen Unterschiedlichkeiten für eine begrenzte Zeit eine politische Handlungsgemeinschaft möglich ist, wenn Vertrauen entsteht und die handelnden Personen miteinander können.

Ich danke Peter Struck für eine menschlich angenehme Zusammenarbeit und die Zuverlässigkeit. Ich wünsche ihm und seiner Familie, dass sie gesund bleiben dürfen. Und ich freue mich auf jede Begegnung. Deswegen sage ich nicht „Adieu“ sondern: „Auf Wiedersehen“ Peter Struck.

Ute Vogt, SPD-Vorsitzende in Baden-Württemberg:
Für einen echten Biker spielen Rang und Namen keine Rolle. Man kann sich auf ihn verlassen und weiß immer woran man bei ihm ist. Ein Biker braucht kein drum rum Geschwätz, er bringt die Dinge auf den Punkt. In der Politik ist solche Wesensart nicht jedem gegeben. Deshalb tut es besonders gut wenn so ein Biker Politik macht und sich dabei nicht verstellt. Mein Motorradmechaniker, der einmal einen Reifen an deinem Motorrad gewechselt hat, beschreibt das so: „Er kam herein und man wusste sofort warum der Mann Chef ist. Der hat ein große Ruhe ausgestrahlt und einfach natürliche Autorität – und war trotzdem ganz normal“. 

Vermutlich wirkt es deshalb umso mehr, wenn du ab und an weniger gelassen warst, wenn es darum ging in der Fraktion eine klare Ansage zu machen. Unter den Kolleginnen und Kollegen kenne ich übrigens keinen, der so deutlich werden kann und trotzdem nicht nur Respekt sondern auch gleichermaßen Sympathie genießt. Lieber Peter, du wirst in der neuen Fraktion sehr fehlen – aber mehr freie Zeit mit Kindern, Enkeln und Brigitte wirst du sicher genießen. Und ich freue mich heute schon auf die nächste Motorradtour, wenn ein unruhiger Peter nach zu langer Pause energisch zu den Motorrädern ruft : „Los, aufsitzen, weiter geht`s“ ! Allzeit gute Fahrt.

Peter Krug, Bischof i.R. und ehemaliger Militärbischof:
„Das ist vernünftig, ich unterstütze Sie!“ Struck hört zu, wägt ab, entscheidet und hält Wort. Auf ihn ist Verlass. Das spüren Ältere und Jüngere. Mein erster Sohn schätzt die trockenen Kommentare, der zweite tritt, sozusagen antizyklisch, in die SPD ein. Ein Struck, dem es die Sprache verschlägt: Nicht auszudenken! Wie wohltuend, als nach dem dritten Warnschuss sich seine Worte wieder zu Sätzen fügten. Auf dem EKD-Abend der SPD ertönte sein Ruf: Wo ist mein Bischof? Demnächst fragen sich viele im Land: Was macht eigentlich Struck? Herzlichen Dank, Peter, und Adieu, was nichts anderes heißt als: Gott befohlen!


Bernhard Gertz, bis Ende 2008 Vorsitzender vom Deutschen Bundeswehrverband
:
Noch vor kurzem haben Sie meinen Abschied aus dem Amt begleitet. Heute habe ich Gelegenheit, Ihnen für Ihre Entscheidung, die Berliner Bühne zu verlassen, meinen Respekt zu bekunden. Die Fähigkeit, loslassen zu können, zeichnet den wahren Demokraten aus.

Vor allem aber möchte ich Ihnen danken, dass Sie die soziale Dimension der Transformation der Bundeswehr erkannt und im Interesse der Menschen in den Streitkräften gestaltet haben. Sie haben sich als Minister durch die Fähigkeit ausgezeichnet, zuhören und dabei zielsicher Wesentliches von Nebensächlichem unterscheiden zu können. Als mit allen Wassern gewaschener Parlamentarier haben Sie immer die Unterstützung Ihrer Kolleginnen und Kollegen gewonnen – auch für Projekte, die im Koalitionsvertrag nicht vorgesehen waren.

Von manch anderen in diesem Amt, die ich beobachten konnte, haben Sie sich unterschieden durch Ihr unprätentiöses Auftreten. Nicht Karrieredenken hat ihre Amtsführung bestimmt, sondern die Verantwortung für die anvertrauten Menschen. Es hat Freude bereitet, mit Ihnen zusammarbeiten zu dürfen. Alles Gute für die Zukunft und bis auf bald


Bernd Gersdorff, Ex-Fußballprofi und Konzernsprecher der Salzgitter AG
:
Politikbühne in Berlin ohne Peter Struck – geht denn das? Für mich bist Du eine der markantesten Persönlichkeiten der Berliner Politik. Ob es gut geht, wird sich zeigen. Wer dich mit deinen trockenen Humor und den prägnanten Formulierungen persönlich erlebt, der weiß: Dieser Mann ist authentisch und gerade raus, der verbiegt sich nicht und wird auch nicht verbogen.

Wir haben in vielen Runden im norddeutschen Freundeskreis aus Politik, Sport und Wirtschaft in der Bremer Landesvertretung mit unterschiedlichen Teilnehmern wichtige und vermeintlich unwichtige Themen diskutiert – in diesem Kreis hatte und hat dein Wort auch in Zukunft Gewicht. So wie ich dich dort kennen gelernt habe, sehe ich eine Analogie zum Leistungssport: Wille zum Erfolg, Teamgeist, Zweikampfverhalten, Fairness auch in kontroversen Situationen und Sinn für Freundschaft – dies zeichnet dich aus. Nun wirst Du Anzug, Krawatte und schwarze Schuhe häufiger gegen Motorradhelm, Nierengurt und Lederkluft tauschen. Genieße deine neue Freiheit. Wir sehen uns - bis bald!

Harry Bähre, Ex-HSV-Spieler und der erste Bundesliga-Profi mit der Passnummer 001:
Ich habe Peter Struck über den norddeutschen Freundeskreis kennen gelernt, dessen Initiator er war, und der stets in der Bremer Landesvertretung stattfindet. Die Gäste kommen aus allen Gesellschaftskreisen und selbstverständlich waren auch ehemalige Fußball-Profis mit von der Partei, denen auch der frühere Werder-Star Max Lorenz und HSV-Idol Uwe Seeler zählten. Kein Wunder, denn schließlich ist Peter selbst ein Freund des runden Leders und leidenschaftlicher Fan von Borussia Dortmund.

Als Alt-HSVer und Hamburger wollte ich natürlich wissen, ob man ihn vielleicht für meine Rothosen gewinnen könne. Mein Argument war, dass er als Uelzener doch eigentlich mehr zum HSV gehöre als zur Borussia nach Dortmund. Doch da war ich falsch gewickelt. „Einmal Borussia, immer Borussia“, lautete sein Argument, was irgendwie auch symbolisch für denn Menschen Peter Struck ist. Der Mann ist treu, steht für Konstanz und hält sein Wort.

Und das alles mit dem typisch norddeutschen Humor. Warum er denn Politiker wurde, wo er solch einen vernünftigen Beruf wie den des Juristen erlernt hatte, fragte ich ihn einmal mehr aus Jux denn ernsthaft. Peters Antwort: „Es ist die Macht, die ich brauche, weil ich verändern und gestalten will.“ Das war so knapp wie klar und auch typisch Peter Struck. Er spricht nicht drum herum sondern bringt es immer auf den Punkt, ehrlich und geradeaus. Deshalb schätze ich ihn, als Menschen wie als Politiker und hoffe, dass wir uns auch in Zukunft nicht aus den Augen verlieren.

Was wünscht man einem wie Peter Struck nun zu seinem Ruhestand? Ich gönne ihm von Herzen schöne Stunden beim Fußball, meinetwegen auch bei Borussia, außerdem viel Spaß und Muße mit Familie und Freunden und natürlich weiterhin ausgiebige Touren auf seiner BMW, auf dass er dabei nie vom rechten Weg abkommt. Aber das versteht sich eigentlich ja von selbst. So war es bei ihm ja immer im Leben, da wird sich gar nichts ändern.

Willi Holdorf, ehemaliger deutscher Zehnkämpfer und Olympiasieger 1964:
Ende der neunziger Jahre lernte ich Peter Struck näher kennen. Damals gründete sich lose ein „Norddeutscher Freundeskreis“. Unsere erste Zusammenkunft fand in Bremen statt. Der Kreis bestand aus Politikern, Wirtschaftsführern und Sportlern. Wir trafen uns in unregelmäßigen Abständen. Gleich beim ersten Treffen in Bremen beeindruckte mich die natürliche und offene Art von Peter Struck. Diese Begeisterung setzte sich bei den nächsten Treffen fort.

Die Art wie er seine Meinung vertrat, auch wenn sie nicht Allen passte, rang mir Bewunderung ab. Ich schätze mich glücklich, ihn näher kennengelernt zuhaben und wünsche ihm im Ruhestand alles Gute, obwohl ich überzeugt bin sein neuer Lebensabschnitt bedeutet weiterhin Einsatz für das Wohl anderer Menschen. Lieber Peter Struck bleib unserem „Norddeutschen Freundeskreis“ weiterhin verbunden, damit wir noch lange über Probleme diskutieren können. Viel Ruhe, Zufriedenheit und Gesundheit im neuen Abschnitt wünscht Ihnen Ihr Willi Holdorf

Reinhard Rauball, Präsident Borussia Dortmund und Vizepräsident des DFB:
Über Fußball mit Dir zu diskutieren ist immer genau so anregend und spannend wie mit Dir Gespräche über politische Fragen zu führen. Mit Deiner Leidenschaft, Deinem Sachverstand, Deiner Gradlinigkeit und nicht zuletzt Deinem Humor ziehst Du Menschen in Deinen Bann. Wenn Du jetzt tatsächlich Abschied von der großen politischen Bühne nimmst, dann bin ich sicher, dass Du Dir künftig mehr Zeit für Deinen Lieblingsverein Borussia Dortmund nimmst.

Als gebürtiger Niedersachse hast Du nie einen Hehl aus Deinem schwarzgelben Herzen gemacht. In einer für den BVB schwierigen Zeit hast Du den Ruf Deines Vereins gehört und trotz enormer zeitlicher Belastung durch Deine politischen Ämter als Mitglied im Wirtschaftsrat und im Beirat von Borussia Dortmund Verantwortung übernommen. Dein Sachverstand, Deine Kenntnisse vom Fußball und Deine Kontakte in der Politik haben Dich, lieber Peter, für uns zu einem hoch geschätzten und wichtigen Gesprächspartner gemacht. Im Namen des BVB wünsche ich Dir von Herzen alles Gute für den politischen Ruhestand. Wir freuen uns, wenn Du möglichst oft Zeit findest, die einzigartige Atmosphäre bei uns im Signal Iduna Park zu genießen.

H.-Heinrich Höper, Delta Hamburg:
Da Du Dich nun unwiderruflich entschlossen hast, die politische Bühne Berlins zu verlassen, erlaube mir bitte dazu ein paar persönliche Worte: So wie ich Dein Wirken aus der Ferne verfolgen konnte, warst Du immer ein Mann, der sich nicht nur durch Zielstrebigkeit, sondern vor allem auch durch Fairness im Umgang mit Deinen politischen Gegnern auszeichnete. Was mich aber auch noch beeindruckte, war die Tatsache, dass Du Dir auch stets die Zeit nahmst, Freunden zuzuhören und für sie da zu sein.

Vor diesem Hintergrund, ganz ehrlich mein lieber Peter, freut es mich sogar, dass Du besagte politische Bühne in Berlin verlässt, denn vielleicht finden wir ab sofort mehr Zeit für tolle Gespräche bei gutem Essen und schönen Weinen. Und noch eine kleine Hoffnung habe ich jetzt, nämlich dass Du nun endlich Zeit findest, mit dem Golfsport zu beginnen. Mit Dir ein paar lustige Runden auf dem Golfplatz zu drehen, wäre ein weiteres Highlight in meinem Leben. Und wenn dann auch noch der Norddeutsche Freundeskreis die „Peter Struck Open“ austrägt, weiß ich kaum noch wohin mit meiner Freunde. Ich bin überzeugt, Du wirst unsere Norddeutsche Runde gewaltig aufmischen. Mein lieber Peter, ich bin mir sicher, dass nicht nur Deine Pfeife weiter qualmen wird, sondern dass überhaupt in Dir das Feuer weiter glüht. Ganz ehrlich aber, einen Struck total im Ruhestand, das kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen.

Klaus-Dieter Tietz, Brauereidirektor a.D.:
Ich lernte Peter Struck Anfang der 70er Jahre kennen. Damals leitete ich die Uelzener Brauerei. Mein Arbeitgeber, der Oetker-Konzern, suchte die Zusammenarbeit zu den kommunalen Gremien der Stadt Uelzen. Peter Struck war damals stellvertretender Stadtdirektor. Mit aller Deutlichkeit hat er sich für einen Sozialplan für Mitarbeiter der Brauerei zu eingesetzt und mit seiner Fachkompetenz viele Arbeitsplätze gesichert. Anfang der 70er Jahre entstand auch die Freundschaft zu Peter Struck, auf die ich sehr stolz bin.
Der Vorrang, den Peter Struck dem Sozialen einräumt, beeindruckt mich bis heute, dazu seine Aufrichtigkeit, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft.

Den SPD- oder Kommunalpolitiker lässt er dabei nicht heraushängen. Er ist ohne Arroganz, seine Kritik ist sachlich, gepaart mit großem Fachwissen und oftmals norddeutscher Launigkeit. Die langjährige politische und menschliche Erfahrung des Dr. Peter Struck wird der Allgemeinheit sehr fehlen. Sein Abgang von der politischen Bühne bedeutet einen hohen Verlust an Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit der politischen Arbeit. Für Deine Freundschaft möchte ich mich bei Dir, lieber Peter, bedanken. Durch Deinen Rat und Deine Tat konnte ich vielen Mitmenschen helfen.

Nun kannst Du mit Stolz und Würde über das Erreichte in den Ruhestand gehen. Wobei Ruhestand mit Sicherheit weiterhin persönlichen Einsatz für die Menschen bedeutet, verbunden mit mehr Zeit für die liebe Familie und das persönliche Wohlergehen. Lass uns Freunde bleiben und alles Gute.

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AutorIn: Redaktion  

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