Zum kulturellen Austausch zwischen Deutschland und Frankreich Kultur zwischen Faszination und Ablehnung

von Jacques-Pierre Gougeon - 02.01.2010

Der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und Frankreich – eine Bestandsaufnahme
Jacques-Pierre Gougeon

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Die deutsch-französischen Kulturbeziehungen galten lange Zeit als wichtiger Pfeiler des deutsch-französischen Verhältnisses. In den letzten Jahren trübten einige Entwicklungen das Bild: die Zahlen der jungen Menschen, die die Sprache des Nachbarlandes lernen, sinkt oder stagniert. Trotz einiger Ausnahmen ist die kommerzielle Kultur der beiden Nachbarländer im Alltag kaum präsent. Wie stabil sind die Beziehungen, und wie verlässlich sind sie als Stütze eines deutsch-französischen Sonderverhältnisses?

Ein Blick in die Geschichte der kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zeigt, dass der Begriff „Kultur“ – im Sinne von Ideenaustausch, religiösen Traditionen und kulturellen Verhaltensweisen – immer eine wichtige Rolle in den Beziehungen beider Länder gespielt hat. Der erste politische Versuch, mit Hilfe der Kultur eine Verbindung zwischen der germanischen und der frankophonen Sphäre herzustellen, geht auf Karl den Großen zurück.
 
Einige historischen Fakten: Kultur zwischen Faszination und Ablehnung
 
Aachen, damals neue ‚Hauptstadt‘ des Imperiums, trug diesen Titel zwar nicht formell, wurde aber 794 zu ebendieser erhoben und schlug – im Sinne eines ‚zweiten Roms‘ – eine Brücke zwischen beiden Kulturen. Aachen spielte die Rolle einer kulturellen und politischen Hauptstadt, in der man diejenigen treffen konnte, die zwar noch nicht ‚Intellektuelle‘ genannt wurden, die aber nichtsdestotrotz bereits den „Prinzen“ mit ihrem Wissen berieten. Dieses Projekt einer kulturellen Vereinigung, das dann später allerdings scheiterte, beeinflusste
einen Teil der deutsch-französischen Geschichtsschreibung und veranlasste sie dazu, die gemeinsamen Wurzeln Deutschlands und Frankreichs zu betonen. 
 
Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich variierten der Geschichte zwischen Assimilation und Imitation auf der einen, und Zurückweisun auf der anderen Seite. Das 17. und 18. Jahrhundert werden vor allem durch die französische Kultur dominiert. Jeder deutsche Adlige wollte sein‚ kleines Versaille
bauen und die französische Etikette wurde von der deutschen Elite als Imperativ des guten Verhaltens angesehen. Darüber hinaus beeinflusste die französische Kultur die Bereiche des Theaters, der Architekt
und der Musik. Viele deutsche Adelshöfe beispielsweise in Dresden, Weimar, Stuttgart und Kassel, beschäftigten französischen Ballettmeister, Hauslehrer und Bibliothekare, die die französische Kultur und den "guten Geschmack" nach Deutschland bringen sollten. Ebenso offensichtlich ist dies der Gartenkunst und der Architektur – das berühmte Heidelberger Schloss und sein Gärten wurden nach den „französischen Prinzipen“ der Regelmäßigkeit und Geometrie angelegt. Auch Andreas Schlüter, Architekt des Berliner Schlosses, wurde vo
Stil der Epoche Ludwig XIV. beeinflusst. Schloss und Gärten spiegeln die absolutistische Macht jener Zeit wider. 

 

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Jacques-Pierre Gougeon, Professor an den Universitäten Paris 8 und Besançon,  Forschungsdirektor beim Institut für internationale und strategische Beziehungen (IRIS).

 

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Channel: Ausland  
AutorIn: Jacques-Pierre Gougeon  
Tags: Kultur  Frankreich  

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