19. Internationale Buchmesse in Havanna Kubanische Büchershow

von Dorle Gelbhaar - 26.02.2010

Dorle Gelbhaar las während der Buchmesse u.a. aus ihrem neuesten Krimi „Anders und die Duisburger Mafia“. Die Autorin war im Auftrag von ver.di und des Verbandes deutscher Schriftsteller in der ver.di, Landesverband Berlin, auf der Buchmesse in Havanna.


Mehr zur Buchlesung von Dorle Gelbhaar unter:
http://www.jungewelt.de/havanna2010/index.php?id=502

Vom 11. bis 21. Februar 2010 war die Bücherwelt zu Gast auf Kuba. Bereits zum 19. Mal fand in Havanna eine Internationale Buchmesse statt. Ehrengastland der diesjährigen kubanischen Büchershow, der 19. Feria internacional Del Libro, war Russland. Eröffnet wurde die Messe daher auch gemeinsam vom kubanischen Präsidenten Raúl Castro und dem russischen Außenminister Sergej Lavrow.

Russland hat eindeutig den schönsten Stand auf dieser Messe. Tief zieht er sich in die Messehalle hinein. Wunderbar illustriert mit vielen Neuerscheinungen. Der Besucher kann sich in angenehmem Ambiente von einem zum anderen prachtvollen Buch treiben lassen. Alles wird neugierig zur Hand genommen. Die Nachfrage nach Bänden mit Plakaten etwa ist groß. Sie sind schnell vergriffen. Aber was verkauft sich hier nicht rasant?

Lebensmittel Buch

Besonders an den Wochenenden – dem nach der Eröffnung wie dem das Ereignis beschließenden – bilden sich lange Schlangen. Erst aus der Nähe ist zu erkennen, ob die Menschen nach Pizza, Pollo (Geflügel) Kuchen oder mit Fleisch gefüllten Brötchen anstehen oder eben nach Büchern, die hier ein wichtiges Lebensmittel sind und überaus preiswert dazu. Wer hier ausstellt, macht keinen Profit, verkauft sein Produkt ganz im Gegenteil meist weit unterhalb des daheim verlangten Preises. Bei den ausstellenden Verlagen aus 40 Ländern kann in der Regel davon ausgegangen werden, dass sie ihr Engagement auch als Geste der Solidarität verstehen. Etwa 600 Neuerscheinungen werden in Havanna vorgestellt. Über 600 000 Besucher und Besucherinnen wird die Messe am Ende gehabt haben.

Lesefest

Zum Charme dieses Festes trägt der Ort, die Fortaleza San Carlos de la Cabana, wesentlich bei. Wie eine riesige mittelalterliche Burg mutet die Festungsanlage am Hafen von Havanna an, in deren Mauern das Ganze stattfindet. Von den Zinnen dieser Burg sieht man das Meer und die Silhouette der Hauptstadt. Abends finden Freiluft-Konzerte statt. Auch das Ballett des Moskauer Bolschoi-Theaters ist nach langer Zeit wieder vertreten. Es reiht sich ein in die Schar von zirka 200 aus Russland entsandten Autoren und Künstlern und 3500 angebotenen Büchern.

Politisch wird hier auf der Wellenlänge der Solidarität mit dem kubanischen Weg geschwommen, mit dem nach 1990/91 infolge zusammengebrochener Außenwirtschaftsbeziehungen, Wirtschaftsblockade und Hurricans ökonomisch ausgebluteten Volk. Als die Messe selbst im Jahr 2004 boykottiert wurde, ist sie bekannt geworden in der Welt. In Lateinamerika ist sie ohnehin die zweitgrößte. Das Lesefest soll noch in 16 kubanischen Provinzen fortgesetzt werden.

Währungen

Problemlos kann auf der Messe Geld aus der einen Währung in die andere umgetauscht werden. Auch die nationalen Pesos in die „Cooks“. In den Besitz dieser Währung, mit der ausländische Touristen sich vor Ort bestens mit Waren versorgen, kann so auch jeder Kubaner gelangen. Die nationale Währung sichert das Überleben. Aus der Zeit des Hungers sind außerdem noch die Lebensmittelkarten erhalten geblieben. Aber Industriegüter und Schmäckerchen sind meist nur für Cooks zu haben, und von denen besitzen die Habaneros einfach viel zu wenig. Selbst in der bekanntesten Eisdiele Havannas werden Cooks verlangt.

Ort des Nachdenkens

Etwa 11 Millionen Menschen leben in Kuba. Sie sind gut gebildet und medizinisch versorgt. Fremdsprachen beherrschen die Studierenden sehr gut. Dabei nimmt das Deutsche eine wichtige Rolle ein. 40.000 Kubaner sollen Deutsch beherrschen. Viele von ihnen haben in der DDR studiert und bezeichnen dies als eine für sie prägende Erfahrung. Im Tourismus, im Taxigeschäft sind die Fremdsprachen-Kenntnisse jetzt schon von Vorteil, in der Diplomatie natürlich ebenso.

Enttäuscht äußern sich auch in Havanna lebende Deutsche bei Besuchen der deutschen Messestände (Deutscher Gemeinschaftsstand Frankfurter Buchmesse, Stand von Cuba si, Stand des Verlags 8.Mai GmbH/ Tageszeitung „Junge Welt“ sowie der Gewerkschaft ver.di und der Freundschaftsgesellschaft Deutschland-Kuba) über das Wenige, was sich in Amerika in puncto Öffnung getan hat. Die Erinnerung an durchstandene Hungerzeiten habe sich in das nationale Bewusstsein eingebrannt. Logisch, auch heute gibt es ausreichend Nöte in der Versorgung.

Es wäre den Kubanern zu wünschen, dass ihnen ihre Suche nach dem eigenen, nicht von anderen übergestülpten Weg so gelingt, dass sie Gewonnenes erhalten und Vermisstes erlangen können. Ihre Bildung und ihre Offenheit werden ihnen dabei helfen.

 

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Lieber Cubafan, wer immer du

Bild von Dorle

Lieber Cubafan,

wer immer du wirklich sein magst,

danke für die Anmerkungen zu meinen Messeimpressionen. Pollo bedeutet Hühnchen, ja gewiss, auf der Messe stand es an einer ganzen Menge von Ständen, an denen Hühnerschenkel verkauft wurden. Die CUC sind wichtig fürs Überleben, gar keine Frage, die nationalen Pesos lassen sich ja auch umtauschen, nur bleibt da monatlich nur ein Minibetrag von durchschnittlich 25 CUC und das ist gar nichts, keine Frage.

Vor dem Verhungern schützen Lebensmittelmarken und eben das, was man für die normale einheimische Währung bekommt. Ich habe zwar logischerweise nicht über die Lebensmittelkarten verfügt. Aber was man fürs einheimische Geld kaufen kann, habe ich schon erkundet.

Unsinn ist allerdings, dass Sprachkenntnisse verschenkt wären. Die Kubaner sind findig und es gibt im Alltag etliches, wo Deutsch ganz hilfreich ist. Im Artikel habe ich Taxi, Tourismus, Diplomatie genannt. Was die höheren Funktionäre betrifft, scheint das eigene nationale Beispiel ja eher zu lehren, dass diese auch ohne besonders exzellente Sprachkenntnisse „auskommen“.

Übrigens ist meinem Artikel – meine ich – unschwer zu entnehmen, dass ich nicht mit Cuba Si gereist bin und wenn, dann an einem anderen Stand anzutreffen war.

Am 11. März lese ich in der Berliner Bezirksbibliothek „Janusz Korczak“ aus meinem aktuellen Buch „Anders und die Duisburger Mafia“ und stehe anschließend gern auch zu meinem Kuba-Aufenthalt und dort gewonnenen Eindrücken Rede und Antwort.

Durch Meinungsauszutausch wird man schließlich nicht dümmer.

In diesem Sinne vielleicht auf ein baldiges Treffen.

Dorle Gelbhaar

http://www.berlin.de/ba-pankow/presse/archiv/20100222.1410.156532.html

"Cooks"

Bild von Cubafan

Nun ja, die Autorin scheint nicht weit über die Messestände hinaus gekommen zu sein...
"Pollo" ist Hühnchen im Speziellen, nicht Geflügel im Allgemeinen...
"Cooks" sind ja bereits in Anführungszeichen gesetzt - gemeint sind CUC aka Pesos Convertibles, und diese brauchen die Cubaner nicht nur für "Schmäckerchen und Industriegüter", sondern mittlerweile (leider) auch zum Überleben...
Von den 40.000 Cubanern, die deutsch gelernt haben, können dies die Wenigsten in entsprechenden Positionen anwenden, da sie in der (Partei-)Hierarchie ganz unten sind - deren Sprachkenntnisse sind "verschenkt"...
Und dass die in Havanna lebenden Deutschen lediglich davon enttäuscht sind, was sich in Amerika (gemeint sind sicher die USA) in puncto Öffnung getan hat, ist mehr als einseitig, beim Stand von CubaSi allerdings nicht verwunderlich - oder sollten die Deutschen mit "Amerika" als Kontinent auch Cuba gemeint haben - ja, dann wäre es glaubhafter...

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