Klimawandel Kopenhagen reloaded?

von Kai Doering - 12.01.2010
Ernüchternd, beschämend, ein Minimalkonsens: Die Kritik am gescheiterten Klimagipfel in Kopenhagen ist weit reichend. Auf der Potsdamer Klimakonferenz wurden am Dienstag die Scherben aufgekehrt – und die Anforderungen an den kommenden Gipfel in Mexiko Ende des Jahres formuliert.

Die Erwartungen waren riesig, die Enttäuschung ist es noch viel mehr. Zwei Wochen rangen im Dezember Vertreter von 192 Staaten in der dänischen Hauptstadt um eine gemeinsame Strategie gegen den Klimawandel. Und auch wenn zeitweise für die UN-Klimakonferenz der Ausdruck „Hopenhagen“ geprägt wurde, blieben sie letztlich erfolglos.

Lediglich eine politische Erklärung, der „Copenhagen Accord“, wurde formuliert, nach dem sich die UN bei ihren Klimaschutzbemühungen an der Leitplanke von maximal zwei Grad globaler Erwärmung orientieren. Rechtlich bindende Schritte oder gar verbindliche Reduktionsziele bei klimaschädlichen Gasen wurden nicht vereinbart.

Klimavertrag als „Nagelprobe“ für die UNO

„Gemessen an den Zielen ist das Ergebnis von Kopenhagen ernüchternd und beschämend“, kommentierte so auch Klaus Müschen auf der Potsdamer Klimakonferenz den Gipfel. Positiv bewertet der Leiter der Abteilung „Klimaschutz und Energie“ im Umweltbundesamt zwar die Formulierung des Zwei-Grad-Ziels, allerdings reichten die Maßnahmen dafür bei weitem nicht aus. „Wir müssen den Ausstoß der Treibhausgase weltweit halbieren und bis 2020 eine Trendwende erreichen.“

Für Müschen offenbart das Scheitern des Klimagipfels allerdings auch eine tief greifende Krise der Staatengemeinschaft. „Es ist offenbar schwierig, die unterschiedlichen Interessen der Staaten unter dem Dach der Vereinten Nationen zusammenzubringen.“ Eine bindende Klimavereinbarung beim Gipfel in Mexiko im Dezember dieses Jahres sei somit auch eine „Nagelprobe“ für die UNO.

Lösung ohne die Staatengemeinschaft?

Im Zweifelsfall könnte es jedoch auch ganz ohne die Staatengemeinschaft gehen. Statt auf die Vereinten Nationen zu setzen, könnten sich auch kleinere Staatenverbände zu spontanen Allianzen zusammenfinden. Von einer „G2“ aus China und den USA sprach beispielsweise der Chef des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber. „Die EU, die in Kopenhagen schwer getroffen wurde, muss dann der dritte Partner werden“, forderte er.

Trotz des ernüchternden Gipfelergebnisses sieht Schnellnhuber noch Chancen auf einen verbindlichen Vertrag in Mexiko. „Das Spiel ist noch nicht zu Ende.“ Allerdings werde die Zeit immer knapper. Denn trotz der Wirtschaftskrise und der damit verbundenen geringeren CO2-Emissionen verlangsame sich die globale Erwärmung nicht. Auch die vereinbarte Erwärmungsobergrenze von zwei Grad sei „keine perfekte Sicherheitslinie“, sondern nur ein „Kompromiss mit der Natur“. Es gelte daher nach wie vor: „Jedes Jahr zählt.“

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Channel: Umwelt und Energie  

Schluss mit Sparen statt weiter wie bisher!

Bild von carabito

Kopenhagen 2009 hat mehr halbherzige Klimaberkenntnisse als beherzte Zusagen und mehr Herausforderungen als Ergebnisse hervorgebracht. Grund: Einerseits will niemand irgendwann am Klimawandel zugrunde gehen. Andererseits ist aber die eigene Nation möglicherweise weniger negativ betroffen als andere Länder. Und wenn Zuhause ernste wirtschaftliche Probleme auf der Tagesordnung stehen, tritt die Klimafrage vor diesen als dringlicher erlebten Problemen in den Hintergrund.

Deutschland auf Sparkurs.

Deutschland setzt weiterhin schulmeisterlich auf Energieeffizienz und Verzichtsphilosophie. Auf den Punkt gebracht in der bei TV-Straßeninterviews beliebtesten Frage: "Und worauf würden Sie verzichten, um die CO² Emission zu reduzieren und das Klima zu retten?"

Dabei hat uns das mit Klimapass und Glühbirnenverbot staatlich verordnete Sparen zwar schlecht durchlüftetes Mauerwerk und neue Leuchtmittel aber nicht wirklich den Durchbruch beim Klima gebracht. Der Klimapass war ein nettes Geschenk an die Baustoffindustrie und das ausführende Baunhandwerk, aber wie vergleichbare Maßnahmen dieser Art stark potenziallimitiert.

Wer außerdem glaubt ernsthaft, dass sich die Menschen im Lande, während die Weltbevölkerung völlig legitim nach Wohlstands- und Statusangleichung strebt, mit Wollsocken in die sprichwörtliche ökologische Höhle zurückziehen und den Strom für die Deckenleuchte mit dem Fahrrad-Dynamo erstrampeln? Möglicherweise soll die Sparkampagne aber auch nur der konventionellen Energiebereitstellung Zeit verschaffen und Ihren Lebenszyklus verlängern.

Das wäre nicht nur schlecht für die Umwelt, sondern auch für die Innovationskultur, die technisch getriebene Exportwirschaft und die gesamte zukünftige Entwicklung im Lande. Denn die Umwelt- und Klimafrage lässt sich auch völlig anders stellen.

Solar statt fossil!

Wie war das noch mit Desertec? Anfang 2009 wurde der Wüstenstrom für Europa mit Vehemenz aus der Expertenrunde auf das Podest der medialen Berichterstattung gehoben. Für einige Tage hatte das Thema mit Unterstützung der um Innovatoren-Image bemühten Politik große Öffentlichkeit. Jetzt, wo der Wüstenstrom einen Ausweg aus dem kleinkarierten Gefeilsche um Emissionsrechte aufzeigen könnte, ist es um die paneuropäische Solarvision eigenartig still geworden.

Desertec & Co. machen - wenn man mal von den Umstellungs-Kosten für den energetischen Paradigmenwechsel absieht - das allgegenwärtige Spar- und Verzichtsgemaule gegenstandlos. Bereits mit einem überschaubaren Sahara-Areal lässt sich der gesamteuropäische Energiebedarf auf hohem Niveau decken - und das ganz ohne Zufüttern risikoreicher Kernenergie.

Solar hilft nicht nur Klima retten, sondern auch wichtige Milleniumziel erreichen.

Wie sieht es in diesem Zusammenhang - pars pro toto - im subsaharischen Afrika aus? In den meisten Ländern dort ist der ehemals tropisch-artenreiche Wald schon weitgehend abgeholzt und elektrischer Strom trotz geringer Einkommen teurer oder gleich teuer wie hier. Wen wundert's: Schließlich wird trotz 365 Tagen, zwölf Stunden tägliche Sonneneinstrahlung Elektrizität mittels konventioneller Kraftwerke und eingeschiffter Kohle erzeugt. Wer diese Kraftwerke geliefert hat, darf übrigens geraten werden.

Das bedeutet Emissionen und bremst wegen resultierend hoher Energiepreise die Entwicklung von Industrie, Handwerk und Gewerbe.

Für die Nahrungszubereitung weichen die Menschen auf die traditionelle Holzkohle aus. Was gerade bei wachsender Bevölkerung zusätzliche Emissionen und umweltschädliche Abholzung bedeutet.

Solar würde einerseits durch Substituion der Holzkohle die Abholzung klimarelevanter Wälder zurückdrängen und andererseits die Energiebremse in Afrika lösen. Die afrikanische Wirtschaft und deren Diversifizierung könnten auf Touren kommen. Wirtschaft-Diversifizierung ist übrigens eine Voraussetzung für Stabilität, Frieden und zivilgesellschaftlicher Entwicklung. Eine Bodenschatz basierte Wirtschaft stellt immer auch eine Einladung zur Aneignung durch Krieg und Diktatur dar. Ganz nebenbei würde Solar dank dezentraler Energiebereitstellung die ländliche Region und andere Querschnittziele wie Gender-Mainstreaming, Bildung und Beschäftigung fördern.

Ausblick.

Afrika steht auch für andere, für die Sonnenenergie prädestinierte Regionen, zum Beispiel die äquatornahen Regionen Asiens. Und das afrikanische Beispiel macht deutlich, dass die Klimaproblematik - wenn sie mit den richtigen Maßnahmen beantwortet wird - weniger eine Bedrohung als eine Chance darstellt:

Eine Chance auf mehr Weltgemeinschaft, eine Chance auf mehr Gerechtigkeit und eine Chance auf eine neue Ära technologischer Entwicklung. Leider gibt es aber noch viel zu wenig Initiativen, die sich diesem Thema nicht nur in der Theorie, sondern auch operativ in der Praxis verschreiben.

Unter http://www.carabito.com/fileadmin/download/afrisolairVers2.pdf
habe ich ein beispielhaftes Konzept zu afrikanischen Solarchancen allgemein zugänglich in's Web gestellt.

COP 15

Bild von EUROSOLAR e.V.

Aus dem Scheitern Lehren ziehen

Stellungnahme von EUROSOLAR-Präsident Dr. Hermann Scheer MdB (SPD)

Das Weltklima hängt nicht an einer einzelnen Regierung und nicht an der Weltorganisation, sondern muss zur eigenen Sache jedes Landes werden!

Was in Kopenhagen passierte, war nicht wirklich überraschend, sondern vorprogrammiert. Es bringt nichts, nun nachträglich einzelne Regierungen - die USA oder China - für das Scheitern verantwortlich zu machen. Die Ursache für das kollektive Versagen liegt im falschen Ansatz dieser nunmehr 15. Weltklimakonferenz binnen 15 Jahren.

Was solche Weltkonferenzen von Beginn an lähmt, ist der praktisch aussichtslose Versuch, einen Handlungskonsens unter allen beteiligten Regierungen für ein einheitliches Weltregime zu finden. Denn die Ausgangsbedingungen zwischen Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern sind extrem verschieden, abgesehen von ihren geografischen, sozialen und kulturellen Besonderheiten. Hinzu kommen Verstrickungen mit aktuellen wirtschaftlichen Interessen, die auf die Klimakrise einwirken. Darum musste die Weltklimakonferenz in Kopenhagen ebenso beschämend kläglich enden wie einen Monat vorher die Welternährungskonferenz in Rom und wie alle vergleichbaren UN-Konferenzen der vergangenen Jahre.

Klimaschutz erfordert gänzlich neue Produktionsweisen und grundlegende wirtschaftliche Strukturveränderungen. Der untaugliche Versuch, über die Zuteilung von Emissionsrechten den weltweiten CO2-Ausstoß zu kontrollieren, wird vergeblich bleiben.

Die falsche Ausgangsbasis der Weltklimakonferenzen war und ist: dass die Veränderung der Produktionsweisen durch den Wechsel zu emissionsfreien Erneuerbaren Energien als wirtschaftliche Last gilt. Die zwangsläufige Folge dieses Denkfehlers ist ein endloses Gefeilsche um die Lastenverteilung. Dabei kann allenfalls ein Minimalkonsens erzielt werden, der hinter den Erwartungen und Anforderungen zurückbleiben muss. Das richtige Vorgehen wäre, den grundlegenden Wechsel der Energiebasis als Chance zu verstehen. Sie muss in jedem einzelnen Land unter den jeweiligen konkreten volkswirtschaftlichen Bedingungen ergriffen werden.

Wer diese Chance erkennt, muss nicht auf einen Vertrag der kraftlosen Weltorganisation warten und sich nicht von aufschiebenden UN-Beschlüssen abhängig machen. Die Welt braucht kreative Wegbereiter und mutige Vorreiter, die mit ihren Beispielen andere anregen und mitreißen – so wie es Deutschland mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz vorbildlich getan hat.

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