Gewalt in der Silvesternacht

Nach Köln: „Viele Flüchtlinge schämen sich für ihre Landsleute“

12. Januar 2016
Hussein Khedr
Hussein Khedr ist genau wie viele Deutsche schockiert über die Attacken aus der Silvesternacht. Der Ägypter warnt aber vor Pauschalisierungen.
Die Ereignisse der Kölner Silvesternacht sorgen seit Tagen für hitzige Diskussionen. Der Ägypter Hussien Khedr lebt seit fünf Jahren in Deutschland. Er fragt: „Sind wir, nur weil wir Ausländer sind, auch Täter?“

Die Ereignisse in Köln, Hamburg, Stuttgart und auch in Bielefeld lassen wohl keinen von uns kalt. Mich als Ausländer, als Nordafrikaner, als Ägypter, der seit fast fünf Jahren in Deutschland lebt, ebenso wenig wie viele Deutsche, aber auch viele Ausländer und Flüchtlinge.

Darf keine Angsträume für Frauen geben

Als Mitglied der AG Migration und Vielfalt der SPD-NRW und im Kreis Herford macht es mir große Sorgen. Besonders die lückenhaften Informationen durch die Polizei haben mich schockiert. Die Täter müssen bestraft werden, und zwar schnell und der Tat angemessen. Die Politik spricht gerade von Abschiebung. Es gibt keinen Abschiebeschutz für massiv kriminelle Täter unter den Flüchtlingen. Wir müssen uns von ihnen weder auf der Nase herumtanzen noch an die Geschlechtsteile fassen lassen. Ob nun Abschiebung oder Bestrafung muss die Politik entscheiden. Wir brauchen eine Verschärfung der Strafen bei Vergewaltigung. Es sollte niemals sein, dass Frauen Angst haben müssen, alleine auf die Straße zu gehen.

In den letzten Tagen erhielt ich viele Anrufe und Mitteilungen. Zum einen kamen sie von Freunden, Bekannten, Facebook-Bekannten, die sich mit mir austauschen wollten, sich besorgt zeigten, andere aber fragten mich: „Warum macht IHR so etwas?“. Wieso wir? Sind wir, nur weil wir Ausländer sind, auch Täter? Ausländer sind wie jede Bevölkerungsgruppe. Unter uns gibt es Gute und unter uns gibt es Schlechte. Und ich selbst, so wie viele andere Ausländer auch, verlange, dass die Schlechten eine angemessene Strafe bekommen.

Flüchtlinge schämen sich für ihre Landsleute

Viele der Täter in Köln und den anderen Städten waren Flüchtlinge, aber nicht alle Flüchtlinge sind Täter. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Rechten diese Situation ausnutzen. Viele Flüchtlinge schämen sich für ihre Landsleute. Sie sind ebenso wie wir alle schockiert und bestürzt, dass einige hundert Menschen die große Hilfsbereitschaft der Deutschen mit Füßen getreten haben, für die viele Asylbewerber sehr dankbar sind. Sie wünschen sich eine rasche Aufklärung und Bestrafung der Täter.

Grundsätzlich muss in Integrationskursen mehr Zeit darauf verwendet werden, sich mit Wertesystemen und der Gleichstellung von Mann und Frau auseinander zu setzen. Zur Integration gehört auch die Anerkennung von Gesetzen und den anderen zu respektieren.

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