"Hochzeit auf Deutsch-Türkisch" in der Friedrich-Ebert-Stiftung Klischee oder Realität?

von Anna Weber - 25.02.2010
Gegen die verschiedensten Konventionen und kulturelle Konflikte kämpfen sie um ihre Liebe: Vier Liebespaare stehen im Film „Evet, ich will! Hochzeit auf Deutsch-Türkisch“, der in der Friedrich-Ebert-Stiftung präsentiert wurde, im Mittelpunkt. Mit viel Humor werden die gegenseitigen Vorurteile beschrieben und – wenigstens teilweise – behoben.

Der türkischstämmige Emrah liebt den Deutschen Tim, der sunnitische Kurde CoÅŸkun möchte die türkische Alevitin Günay heiraten und Dirk will gegen den Willen seiner Eltern zum Islam konvertieren, um die Türkin Özlem heiraten zu können. Salih dagegen liebt noch niemanden, sollte sich aber - nach dem Plan seiner Eltern - möglichst schnell in eine deutsche Staatsbürgerin verlieben und sie heiraten, damit er in Deutschland bleiben und seine Familie zu ihm ziehen kann. Alle Themenbereiche von Homosexualität, über Religion bis hin zur Scheinehe werden in diesen vier Berliner Liebesgeschichten angesprochen, ohne dass der Zuschauer dabei überfordert wird.

Wiedererkennungswert

Dies gelingt nicht nur mit bestechendem Humor, sondern vor allem durch den hohen Wiedererkennungswert der dargestellten Situationen. Da sind  der Großvater, der Homosexualität für einen Organdefekt hält, die neidische Schwester oder die verzweifelte Frau, die im Internet nach ihrem Traummann sucht – dies alles wirkt vertraut, da es in jedem kulturellen Kontext vorkommt. Auch bei den dargestellten Vorurteilen fühlt sich der Zuschauer oftmals ertappt. Doch mit der humoresken Auflösung der durch diese Vorurteile entstandenen Probleme wird klar, dass diese nicht im Wege stehen sollten, wenn es darum geht, auf einander zuzugehen. Nicht nur die kulturellen, auch die generationsübergreifenden Konflikte werden gelöst.

„Alle werden in Geiselhaft genommen“

In der Diskussion mit Aydan ÖzoÄŸuz, seit 2009 Mitglied des Bundestags für die SPD, dem Filmkritiker Amin Farzanefar und dem Regisseur Sinan AkkuÅŸ erhielten die Beteiligten des Films viel positives Feedback. AkkuÅŸ verriet, dass sein Film vielfach in der Kritik stand, da das Thema Ehrenmord nicht angesprochen werde. „Das ist als würde man sagen, dass der Film ‚Email für dich’ das Thema Kinderpornografie im Internet nicht anspricht“, schmetterte der Regisseur das Argument ab. Die Medien würden sich zu sehr auf Extremfälle versteifen. Auch eine beteiligte Schauspielerin, Sema Poyraz,  dankte AkkuÅŸ für seine Arbeit: "Ich spiele ja auch in keinen Filmen über deutsche Familien, die ihre Kinder verhungern lassen, mit. Weil das einfach nicht die Regel ist und nur unnötige Vorurteile schürt. AkkuÅŸ' Film war überfällig.“ ÖzoÄŸuz fügt ihnzu: „Durch die vielen Geschichten über Ehrenmorde werden alle Türken in ‚Geiselhaft’ genommen.“ Sie folgerte, dass nur durch das Gleichgewicht von rationalen Entscheidungen und Humor die Integration gelingen kann.

 

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Channel: Kultur  
Bundesland: Berlin  
AutorIn: Anna Weber  

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