Menschenkette für den Atomausstieg Kettenreaktion im hohen Norden

von Kai Doering - 23.04.2010
Die Aktion kling Guinessbuch verdächtig: Mit einer 120 Kilometer langen Aktions- und Menschenkette will ein breites Bündnis aus Initiativen, Kirchen und Parteien am Samstag ein deutliches Zeichen gegen die Atomenergie setzen. Tausende Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet machen sich auf den Weg.

Sie gelten als die Pannenreaktoren der Bundesrepublik. Nach mehreren Zwischenfällen in den vergangenen Jahren stehen die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein still – noch. Wenn es nach den Betreibern geht, sollen die Meiler im Frühsommer wieder ans Netz gehen. „Krümmel und Brunsbüttel dürfen nie wieder anlaufen“, fordert deshalb Dirk Seifert. Er ist Koordinator der „Kettenreaktion“, einem Bündnis, das für den 24. April zu einer Aktions- und Menschenkette für den Atomausstieg aufruft. „Die Kette soll über 120 Kilometer vom Kraftwerk in Brunsbüttel über Hamburg bis nach Krümmel reichen“, erklärt Seifert. Auf diese Weise soll ein deutliches Zeichen gegen die Atompolitik der Bundesregierung gesetzt werden.

„Die SPD sieht sich als wichtiger Bündnispartner der Anti-AKW-Bewegung“, betont daher Parteichef Sigmar Gabriel. Er wird sich gemeinsam mit Generalsekretärin Andrea Nahles, SPD-Vize Olaf Scholz, dem schleswig-holsteinischen Landesvorsitzenden Ralf Stegner und vielen SPD-Bundestagsabgeordneten an der Menschenkette beteiligen. Nun sind die Ortsvereine gefragt, ihre Mitglieder, Freunde und Bekannte zu mobilisieren. Das Willy-Brandt-Haus unterstützt sie unter anderem mit kostenlosen Materialpaketen. Im Internet gibt es eine Busbörse. Die Motivation so kurz vor der Wahl in Nordrhein-Westfalen ist auf jedem Fall groß. Für Sigmar Gabriel ist klar: „Jeder, der verhindern will, dass in unserem Land die Atomindustrie gefördert und neue Technologien vernachlässigt werden, sollte sich an der Menschenkette beteiligen.“

Mehrheit der Deutschen gegen längere AKW-Laufzeiten

Ebenso klar ist: Eine Mehrheit der Deutschen lehnt die Pläne, die Laufzeit von Atomkraftwerken zu verlängern und den unter Rot-Grün beschlossenen Ausstieg aufzuweichen, ab. Bei der Menschenkette können sie nun klar Stellung beziehen. „Wir brauchen etwa 25 000 Aktivisten, um die Aktions- und Menschenkette für den Atomausstieg zu schließen“, rechnet Seifert vor. Das Bündnis, an dem sich außer Umweltverbänden wie dem BUND auch Gewerkschaften, Kirchen und die SPD beteiligen, hofft auf Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet.

Damit sie sich möglichst ausgewogen auf die gesamte Strecke verteilen, ist diese in zehn Abschnitte unterteilt. Jedem Abschnitt sind verschiedene Regionen zugeordnet. Wer beispielsweise aus Berlin anreist, wird in Elmshorn erwartet. Wer aus Thüringen kommt, muss nach Pinneberg. Bis spätestens 13 Uhr soll jeder an Ort und Stelle sein, um 14.30 Uhr wird die Kette dann für eine halbe Stunde geschlossen. „Wir werden ein sehr buntes Bild abgeben“, ist Dirk Seifert sicher.

Da in diesem Jahr die Entscheidung zwischen Atomausstieg und Wiedereinstieg fällt, hat sich der Kreis der Initiatoren entschieden, auch die atomkritischen Parteien einzuladen. „Das ist ein Versuch und ein Angebot“, betont Seifert. Schließlich sei den Atomkraftgegnern ihre Unabhängigkeit nicht nur wichtig, sondern auch erforderlich, um als gesellschaftliche Kraft klar Positionen zu beziehen.

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Channel: Umwelt und Energie  
Bundesland: Schleswig-Holstein  

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