vorwärts.de: Herr Kelber, welche Rolle wird Erdgas im Energiemix der Zukunft in Deutschland spielen?
Eine wichtige Rolle. Erdgas wird den Wärmemarkt lange weiter dominieren, auch wenn der Bedarf insgesamt durch energetische Sanierungen sinkt. Erdgas wird aber auch eine wachsende Rolle im Strommarkt spielen. Zum Beispiel über dezentrale Blockheizkraftwerke, aber auch über Erdgaskraftwerke, die stark regelbar und flexibel sind und sich daher ideal mit einem wachsenden Anteil an Erneuerbaren Energien kombinieren lassen.
Wenn wir das insgesamt gut anlegen, wird der Gasbedarf Deutschlands nicht steigen, sondern sich verlagern, vom Wärme- in den Strombereich.
Auch bei der Mobilität spielt Erdgas eine immer größere Rolle. Viele Autobauer
bringen neue, und wie sie behaupten, umweltfreundliche Erdgasmodelle auf den Markt.
Erdgasautos sind von ihrer CO2- Bilanz eindeutig besser als benzinbetriebene Fahrzeuge. Auch Biogas ist ein alternativer Treibstoff, der eine gute CO2-Bilanz hat. Gerade im Übergang zur Elektromobilität ist Gas eine wichtige Alternativtechnologie.
Wie sieht es mit der Versorgungssicherheit aus? Die Auswirkungen des Gasstreits zwischen Russland und der Ukraine Anfang des Jahres waren ja auch in Deutschland zu spüren. Lässt sich so etwas in Zukunft verhindern?
Wir müssen solche Konflikte aufmerksam beobachten. Bisher sind die Lieferbeziehungen
aber nie wirklich gefährdet gewesen. Deutschland ist jedoch gut beraten, seine im Vergleich zu anderen Ländern ohnehin schon großen Gasspeicher noch auszubauen.
Die Möglichkeiten dafür sind vorhanden. Wir müssen zudem Stück für Stück Erdgas durch Biogas ersetzen, das nachhaltig gewonnen wurde.

Der Gaspreis ist ja an den Ölpreis gekoppelt. Ist das noch zeitgemäß?
Das ist eine privatrechtliche Regelung, keine gesetzliche. In Zeiten hoher Ölpreise
wird diese Kopplung häufig kritisiert. Sie ist aber auch ein Schutz vor einem Gaskartell. Länder, die keine Kopplung haben, beziehen im Sommer zwar günstiger Gas, dafür wird es im Winter umso teurer. Ich glaube, die Kopplung ist nicht der entscheidende Punkt.
Zuletzt sind die Gaspreise gesunken. Wie sehen Sie die mittelfristige Entwicklung?
Da wird man sich die Entwicklung des Ölpreises anschauen müssen. Zuletzt ist dieser ja wieder gestiegen. Ein weiter fallender Gaspreis ist also in den kommenden Monaten nicht zu erwarten.
Es bleibt nach wie vor der Verdacht, dass die großen Gasimporteure sich mit großen Margen eingedeckt haben und nicht alles an die Endkunden weitergereicht haben.
Die meisten Regionalverteiler haben gesunkene Bezugspreise eins zu eins weitergegeben. Bei den großen Versorgungsnetzbetreibern und Gasimporteuren bin ich mir nicht sicher. Wir werden das an den steigenden Gewinnen dieser Unternehmen sehen.
Interview: Karsten Wiedemann
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