10 Jahre Bologna-Prozess Jubiläum der verpassten Chancen

von Swen Schulz - 20.05.2010
Am Montag hatte Bundesbildungsministerin Anette Schavan (CDU) zu einer Bologna-Konferenz eingeladen. Die Probleme bei der Umsetzung der Bachelor- und Master-Studiengänge sind vielfältig. Lösungsvorschläge blieben bei der Konferenz jedoch Mangelware.

Mit einer Konferenz in Wien und Budapest haben die Kultusminister der inzwischen 47 Bologna-Staaten im vergangenen März das 10-jährige Jubiläum des Bologna-Prozesses gefeiert. Von Feierstimmung kann an den deutschen Hochschulen aber wahrlich keine Rede sein. Zu vieles liegt auch nach zehn Jahren der Reformzeit noch im Argen. So sehr, dass selbst die Minister zugeben mussten, sie hätten in der Vergangenheit deutlich stärker auf die Lehrenden und Lernenden hören sollen.

Doch nun ist das Kind in den Brunnen gefallen: Mit der Einführung des Bachelor- und Mastersystems wurden die Anforderungen und Studienbedingungen deutlich verschärft. Ein überfordernder Leistungsdruck hat sich in den Bachelor-Studiengängen breit gemacht, der durch alten verdichteten Lernstoff in neuen Schläuchen den Studierenden die Luft zum Atmen nimmt. Von der angestrebten Mobilitätserleichterung kann ebenfalls keine Rede sein. Heute ist es schwieriger als zu Magisterzeiten, nur im innerdeutschen Raum die Hochschule zu wechseln – geschweige denn im europäischen. Auch der Zugang zum Masterstudium wird restriktiv gehandhabt und baut so eine weitere Bildungshürde auf. Was den Studierenden bleibt, ist ein verschultes Studium, größtenteils ohne Kompetenzorientierung und Freiraum für eigene Entfaltung und kritische Wissenschaft.

Bildungsministerin Anette Schavan schaut dabei tatenlos zu. Zwar spricht sie nicht mehr wie zu Beginn der Bildungsproteste von Studenten als den „Ewiggestrigen“. Ihre Rhetorik hat sich geändert. Doch substantiell ist bei den Studierenden nichts von einer politischen Neuausrichtung zu spüren.

Trügerische Zahlen aus dem Bildungsministerium

Mit ihrer dritten Säule im Hochschulpakt – dem angekündigten Qualitätspakt Lehre – möchte Schavan nun ein weiteres mediales Feuerwerk zünden. Mit versprochenen zwei Milliarden Euro sollen die Hochschulen mit zehn Zentren zur Hochschuldidaktik unterstützt, weitere Stellen geschaffen und die Lehre verbessert werden. Die Zahl ist trügerisch, denn die Summe soll sich auf zehn Jahre verteilen. Umgerechnet bedeutet das: Je Studierendem und Semester sind das gerade 45 Euro mehr – ein Tropfen auf den heißen Stein!

Für den Pakt bietet Schavan damit nur einen Teil des vom Wissenschaftsrat bezifferten Hochschulbedarfs von rund 1,3 Milliarden Euro im Jahr. Außerdem will sie das Geld wieder über einen Hochschul-Wettbewerb verteilen, den die Hochschulen und Studierenden derzeit am wenigsten gebrauchen können. Damit lassen sich eben keine dauerhaften, planungssicheren Lehrverbesserungen für alle Studierenden finanzieren, sehr wohl aber bereits überbelastete Hochschulverwaltungen länger beschäftigen. Wettbewerb ist keine adäquate Antwort auf die Probleme an unseren Hochschulen. Er kann nur breit angelegt zur Förderung vorbildhafter Leistungen sinnvoll sein und so auch nur als Ergänzung für eine verbesserte Grundfinanzierung dienen.


Channel: Bildung  

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